Deutschland: Rollstuhlfahrer in Sauna unerwünscht

Wolf-Dieter Flakowski wollte eigentlich nichts anderes als viele andere Menschen auch: einmal einen Wellness-Urlaub verbringen.

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Nach einem Tag gab dem Rollstuhlfahrer das Hotel „Jagdhof“ in Röhrnbach im Bayerischen Wald jedoch zu verstehen, dass dort Behinderte in der Sauna nicht erwünscht seien nachdem sich Gäste über dessen Anwesenheit beschwert hatten.

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge, hatten sich Gäste beschwert. Der Chef des Familienhotels, Josef Ritzinger, bestätigte der SZ, das Paar nach einem Saunabesuch angesprochen zu haben. „Ich muss Interessenvermittler aller Gäste sein, da kommt es leider mitunter zu Konflikten“, wird er in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Zwei Paare hätten sich beschwert, die Sauna nicht mehr besuchen zu wollen, wenn der Rollstuhlfahrer weiter Zugang habe. Sein Anblick deprimiere andere Gäste, berichtet der Hotelchef. Und sagt auch: „Ich an seiner Stelle würde anderen den Anblick dieses schlimmen Schicksals nicht zumuten wollen.“

Der Urlaub des 66 Jahre alten Wolf-Dieter Flakowski aus Fürstenfeldbruck endete damit unerwartet schon nach einem Tag. Noch nie in seinem Leben sei sie so beleidigend und entwürdigend behandelt worden, beschreibt Elisabeth Zeller, die Wolf-Dieter Flakowski begleitete, diesen Vorfall.

„Die Vorkommnisse im Hotel „Jagdhof“ im Bayerischen Wald zeigen mal wieder deutlich, mit welch offenen Diskriminierungen behinderte Menschen tagtäglich zu kämpfen haben. Sowohl das Hotelmanagement als auch der Landkreis verhalten sich unsäglich. Barrierefreiheit ist nicht nur baulicher Natur. Sie beginnt in den Köpfen. Ich verlange Wiedergutmachung vom Hotelmanagement sowie eine klare Positionierung des Landkreises zur Antidiskriminierung“, erklärte der behindertenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Markus Kurth, nach Bekanntwerden des Vorfalls.

Vonseiten des Landkreises Freyung-Grafenau sei nach dem Vorfall keinerlei Kritik gekommen und auch die Behindertenbeauftragte des Landkreises wollte der Süddeutschen Zeitung gegenüber nichts sagen.

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0 Kommentare

  • Ob der Hotelier den Herrn Schäuble (deutscher Innenminister, Querschnittlähmung nach Attentat, Rollifahrer) auch hinausgeschmissen hätte???

  • Bauliche Barrieren machen dich wütend, aber Barrieren in den Köpfen der Menschen, die einfach da sind!! – immer noch, bringen dich zum Weinen! Lieber Herr Flakowski, ich wünsche Ihnen die Kraft, die Sie brauchen! Mit lieben Grüßen Helma Katzarofski

  • Dieser Vorgang ist beschämend. In erster Linie für den Hotelbesitzer: sein Verhalten zeugt nicht nur von einer fragwürdigen Einstellung gegenüber behinderten Menschen, sondern auch von sehr wenig Selbstbewusstsein. Die Zeiten, in denen sich ein Mensch mit Behinderung schämen sollte, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, sollten eigentlich längst vorüber sein. Den Menschen, die sich über den Anblick eines behinderten Menschen beschweren, sollte der Hotelier klarmachen, dass sie selbst morgen von dem gleichen Schicksal betroffen sein können. Aber auch für den Kreis ist dieser Vorgang beschämend: in Zeiten der Geltung des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes sollte es Aufgabe auch der politischen Mandatsträger sein, sich für die legitimen Interessen behinderter Menschen an diskriminierungsfreier Teilhabe einzusetzen. Doch in Bayern gingen die Uhren ja immer schon ein wenig anders…

    Noch ein Rat an den Hotelier: Er möge sich einmal mit seinem Dachverband DEHOGA in Verbindung setzen. Dort kann man ihm möglicherweise erklären, dass er mit seinem Verhalten auch der gesamten Branche Schaden zufügen könnte: die bemüht sich nämlich seit einiger Zeit recht intensiv darum, behinderte Menschen als neuen Kundenkreis zu werben und hierfür die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen. Im Übrigen: wer als Hotelier sein Angebot nicht für behinderte Menschen öffnen möchte – damit muss immer das komplette Angebot gemeint sein – sollte das von vornherein klarstellen; dann weiß jeder Gast, woran er ist.

  • Aus dem Artikel:
    „Ich muss Interessenvermittler aller Gäste sein, da kommt es leider mitunter zu Konflikten“, wird er in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Zwei Paare hätten sich beschwert, die Sauna nicht mehr besuchen zu wollen, wenn der Rollstuhlfahrer weiter Zugang habe. Sein Anblick deprimiere andere Gäste, berichtet der Hotelchef. Und sagt auch: „Ich an seiner Stelle würde anderen den Anblick dieses schlimmen Schicksals nicht zumuten wollen.“
    —Zitat Ende—
    Diejenigen, die auch Anderen diesen schlimmen Anblick nicht zumuten wollen, sind nicht selten Sexisten, die nichts daran finden, sich an mitunter chirurgisch hinpräparierten weiblichen Aushängeschildern zu begeilen. Naja, ob das die Freundin so gerne hat, wenn der Sir seine Blicke auf andere Objekte ausschweift? Vielleicht ist auch das mitunter deprimierend, aber davon wird nicht öffentlich gesprochen. Das macht man sich hernach leise, still und heimlich im Hotelzimmer aus. Widrigenfalls müsste der Hotelmanager so manches Trutscherl darauf aufmerksam machen, nicht mehr in die Sauna zu kommen.
    Das geht bei den nicht so ansehnlichen Menschen schon viel viel leichter. Nur noch eine persönliche Erklärung zu meinen Zeilen: Sie entspringen keinem Neidkomplex gegenüber schönen Körpern, hier geht es lediglich um die Gleichheit von Menschen und um die Gleichbehandlung deren Würde.

  • dieser vorfall ist leider typisch – offen – ehrlich. es stimmt, die barrierefreiheit müsste in den köpfen beginnen, nicht im hotel. ich selber würde mich (gerade wegen dieser verurteilenden menschen, wenn ich körperlich entstellt wäre, auch nicht überall ganz frei bewegen wollen, um nicht das gefühl zu haben zu provozieren …

    ich habe auch nicht immer ein gutes gefühl, wenn ich in der öffentlichkeit meiner tochter essen gebe, weil es vorkommen könnte, dass sie plötzlich würgereiz bekommt. das sondenzeugs auspacken ist auch nicht gerade angenehm, wenn alle herstarren. kinder sind da aber ganz natürlich …

    der hotelmanager hätte aber anders reagieren sollen, vermittelnd. hier hat er sich aber eindeutig gegen den rollstuhlfahrer entschieden.

  • Es ist wirklich sehr traurig, dass so ein Vorfall noch im Jahr 2009 stattfindet. Diese Personen sind wohl 60 Jahre zu spät geboren. Ich bin der Ansicht, dass der Anblick von Personen, die einen Rollstuhlfahrer deprimierend finden, viel schlimmer ist.
    Und das Hotel dürfte eigentlich nicht mehr behaupten, barrierefrei zu sein. Daher ersuche ich alle, dieses Hotel zu meiden und auch Ihren Familienangehörigen, Freunden und bekannten usw. davon abzuraten. Ich hoffe, das Herr Flakowski recht viel Geld rückerstattet und eine ordentliche, und glaubhafte Entschuldigung bekommt.

  • Er hat nochmal Glück gehabt. In Österreich hätten ihn die pragmatisiert-röhrigen Blickbestimmer glatt gekillt und seinen Rollstuhl eiskalt „arisiert“.