Deutschland: Zunehmender Selektionsdruck durch PID–Entscheidung befürchtet

Mit der PID werde den bereits erfolgreich eingesetzten Selektionsmethoden eine weitere zur Seite gestellt.

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Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hat die Entscheidung des Bundestages für eine “begrenzte Zulassung” der Präimplantationsdiagnostik scharf kritisiert und verweist dazu auf die Erfahrungen mit der Pränataldiagnostik (PND): “Die BefürworterInnen des heute verabschiedeten Antrages wollen eine Anwendung nur in Ausnahmefällen vorsehen”, stellt Rebecca Maskos vom bioethischen Forum der ISL fest.
“Schaut man sich jedoch die Entwicklung der Pränataldiagnostik an, die während ihrer Anfangszeit auch nur als Diagnostik für ‚Sonderfälle‘ gedacht war, so ist diese mittlerweile zum Reihenscreening geworden. Rund 80 Prozent aller Schwangeren gelten mittlerweile als zu untersuchende ‚Risikoschwangerschaften‘, rund 90 Prozent der Schwangerschafen, bei denen es einen Verdacht auf Trisomie 21 gibt, werden abgebrochen”.

Mit der PID werde den bereits erfolgreich eingesetzten Selektionsmethoden eine weitere zur Seite gestellt, so Maskos. Behindertes Leben werde nicht mehr selbstverständlicher Teil der menschlichen Vielfalt, sondern ein zu vermeidendes Risiko und selbstverschuldeter ‚Unfall‘ gesehen. Allein die Tatsache, dass Diagnosemöglichkeiten wie PID und PND verbreitet eingesetzt werden, bewirke eine neue Kultur im Umgang mit Behinderung und Krankheit: Behinderte Menschen und deren Eltern müssen sich zunehmend rechtfertigen. Der Druck auf sie ist in den vergangenen Jahrzehnten bereits gestiegen und wird weiter zunehmen.

“Gerade Mütter von Kindern mit Behinderung werden jetzt schon öfter nach der Vermeidbarkeit ihres Kindes gefragt und ihr Kind wird als ökonomischer Schaden gesehen”, betont Maskos. Abgesehen von der Zuschreibung der Verantwortlichkeit von Frauen für eine “risikolose” Schwangerschaft seien die PID und die künstliche Befruchtung sowohl für die Mutter als auch für das Kind riskante Methoden, die weitere Behinderungen und Krankheiten nach sich ziehen können. “Die von den PID-BefürworterInnen hochgehaltene ‚Frauenfreundlichkeit‘ der PID können wir daher nicht bestätigen”, erklärt Maskos.

Statt der gesellschaftlichen Einteilung von Leben in lebenswert und lebensunwert fordert die ISL eine breite Akzeptanz und Unterstützung von allen Menschen mit Behinderungen. “Wir Menschen mit Behinderungen sehen durch die PID ein weiteres Mal unser Lebensrecht in Frage gestellt”, so Maskos. “Wir wollen ein Ende der permanenten Urteile über unsere Lebensqualität durch nichtbehinderte vermeintliche ExpertInnen. Wir wollen eine Gesellschaft, in der gemeinschaftliche und solidarische Lösungen für den Umgang mit Behinderung, Krankheit, Alter und Assistenz und Pflege gefunden werden, statt die davon Betroffenen erneut auszusortieren”.

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