Deutschland: Zweigleisiges Bildungssystem verschwendet Ressourcen

Auf dem am 15. Mai 2010 in München beendeten ökumenischen Kirchentag haben sich Experten für den gleichberechtigten Zugang zu einer Bildung für alle ausgesprochen und eine sinnvolle Umverteilung der finanziellen Mittel gefordert.

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Die Aktion Mensch hatte zur Diskussion über das Thema „Die UN-Behindertenrechtskonvention – reif für die Schule?“ eingeladen. Eine Schule, die für alle Kinder zugänglich ist, forderten die Experten vor mehr als 200 Gästen der Veranstaltung. „Zwei parallel nebeneinander laufende Systeme sind auch aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht wünschenswert“, machte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, klar.

Die Aktion Mensch hatte zur Debatte über die derzeit äußerst kontrovers diskutierten Thematik eingeladen, um neue Impulse in Richtung Inklusion zu geben. „Es liegt nicht an den oftmals angeführten Finanzzwängen, dass Kindern mit einem besonderen Betreuungsbedarf der Zugang zur Regelschule verwehrt wird“, erläuterte der Vorstand der Aktion Mensch, Martin Georgi.

„Die Mittel im Bereich Bildung müssen nur sinnvoll umgeschichtet werden.“ Die Aktion Mensch setze sich im Rahmen ihrer Förderaktivitäten dafür ein, dass Inklusion – auch im Bildungsbereich – Wirklichkeit werde. Sie fördere etwa Modellprojekte, die Eltern von behinderten Kindern über ihre Rechte aufklären und sie dabei unterstützen, einen Regelschulplatz für ihr Kind zu finden. In ihrer Rolle als Förderer und Mittler gehe es der Aktion Mensch auch immer darum, zur Vernetzung der einzelnen Initiativen beizutragen und „die Lobby für Gleichberechtigung im Schulsystem zu stärken“.

Zu Beginn der Diskussion hatte Marianne Hirschberg von der Monitoring-Stelle zur UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte klargestellt, dass sich Deutschland mit der Annahme der UN-Konvention verpflichtet habe, die Rahmenbedingungen für gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen. „Dieses Recht gilt ab sofort und kann auch eingeklagt werden.“

Gemeinschaft sei für alle Beteiligten ein unschätzbarer Zugewinn, betonte der Schlagersänger und Musiktherapeut Guildo Horn, denn „jeder Mensch muss lernen, wie er mit Andersartigkeit umgeht.“ Oftmals würde Bildung als reines Aufnehmen von Wissen missverstanden, dabei sei Bildung vor allem das Lernen vom Gegenüber, das gemeinsame Erwerben von Sozialkompetenz. „Das habe ich bei meiner Arbeit mit geistig behinderten Menschen selbst erfahren. Die Ehrlichen, Unverklemmten, wirklich Normalen sitzen oft in den Einrichtungen.“

Auch Bundesbehindertenbeauftragter Hubert Hüppe unterstrich die nachhaltig positiven Folgen einer gemeinsamen Schule für Kinder mit und ohne Behinderung: „Wer als Kind nie Kontakt zu Behinderten hatte, wird auch später als Unternehmer keinen Menschen mit Behinderung einstellen – so wird einer separierten Gesellschaft Vorschub geleistet.“

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