Die Demokratie im Netz beginnt beim Design

Webdesigner sind kreative Menschen. Ihre Homepages wimmeln nur so von Filmchens, Bilderln und vielspaltigen Texten.

Braillezeilen beim Computer
Krispl, Ulli

Und dann gibt es andere Menschen, die diese Kreativen in ihre tägliche Nachtflüche einbinden. Das sind behinderte Menschen. Und zwar Menschen, die behindert werden. Nicht nur solche, die blind oder farbenblind sind. Auch Menschen ohne jede körperliche Beeinträchtigung, sondern einfach nur mit einer langsamen Internetverbindung oder dem „falschen“ Betriebssystem gehören zu diesen „Behinderten“.

Für all diese sind derlei kreative Homepages (und auch in der Homepage-Sprache HTML geschriebene Mails) schwer oder gar nicht zugänglich.

Da meint so ein Kreativer, besonders nette Schaltflächen gemalt zu haben. Aber auf dem Braille-Terminal ist statt „Übersicht“, „Termine“ und „Links“ nur zu lesen „Image“, „Image“ und „Image“, weil der Kreative vergessen hat, unter die Icons Alternativtexte zu legen. Der Computer kann halt keine Bilder, sondern nur Texte in Braille übersetzen.

Oder jemand möchte sich mit seinem Browser bei einem Bildungsinstitut weiterführende Kurse zu Linux heraussuchen. Nur leider: Die Webseite funktioniert nur mit dem Internet Explorer von Microsoft, selbst mit den letzten Versionen von Opera oder Mozilla ist nichts zu machen. Die Seite ist daher unter Linux gar nicht funktionsfähig. Ergo: Ohne Windows kein Linux-Kurs.

Eine Userin hat einen alten Computer, der mit einem Bildschirm ausgestattet ist, der nur 800×600 Bildpunkte darstellen kann. Die von ihr aufgerufene Webseite kann sie sich nur ansehen, wenn sie ständig von links nach rechts scrollt, denn die Seite ist für eine höhere Auflösung optimiert. Will sie das Netz vernünftig nutzen, muss sie sich einen neuen Computer anschaffen.

Eine andere Userin sieht schlecht. Die kleine, bunte Schrift auf dem Desktop macht ihre Augen müde. Als sie sich die Seite deswegen ausdrucken möchte, bekommt sie 2 Seiten mit schwarzen Balken und einige wenige Buchstaben des Inhalts der Homepage. Ihr hilft nichtmal ein neuer Computer.

Alles keine an den Haaren herbeigezogenen, sondern ganz konkrete Beispiele aus dem Erleben des Verfassers dieser Zeilen. Was denken sich die wenigen Damen und vielen Herren Designer eigentlich dabei? Die denken sich, dem gut sehenden Kunden können sie eine hübsche Seite auf dessen teuren 08/15-Computer präsentieren und eine dementsprechende Honorarnote stellen.

Aber auch das ist eine Form der Diskriminierung und in Zeiten des Informationhighways wird eine solche Diskriminierung von immer größerer Bedeutung. All diesen Kreativen sei daher ans Herz gelegt, sich ein bisserl was bei ihren Designs zu überlegen. Und zur Nachhilfe sei ihnen folgender Webtip ans Herz gelegt: www.diveintoaccessibility.org

Dort gibt es einen kleinen Lehrgang in englischer Sprache runterzuladen, wie man sich bei diesen „Minderheiten“, die in Summe gar nicht so einen geringen Bevölkerungsanteil ausmachen, ein bisserl beliebter machen kann. Eine deutsche Übersetzung der Broschüre ist in Vorbereitung. Abdruck mit freundlicher Genehmigung von AKIN

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