Die Familie kann’s besser – Kommentar von Conrad Seidl

Treffen kann es prinzipiell jeden - überraschend und mit Folgen, die sich ein Gesunder lieber nicht ausmalen will: Pflegebedürftigkeit ist ein weit gehend verdrängtes Thema.

Fragen rund ums Bundespflegegeldgesetz
Scharl, Magdalena

Ein Kommentar von Conrad Seidl im „Der Standard“:

Weil es nämlich nicht nur den, der zum Pflegefall wird, trifft, sondern auch sein gesamtes familiäres Umfeld. Um dieses Schicksal zumindest finanziell verkraftbar zu machen, hat der Staat das Pflegegeld eingeführt – mit gravierenden Folgen für das Budget.

Dahinter stand die Überlegung, dass die Gemeinschaft der Steuerzahler mit der Belastung immer noch leichter umgehen kann als einzelne Menschen, die plötzlich pflegebedürftig werden. Dem Betroffenen soll sein Schicksal zumindest materiell erleichtert werden, wenn er sich von jemand anderem pflegen lässt.

Hier setzt der aktuelle Streit ein: Wer in einer halbwegs intakten Familie lebt, wird sich gerne von einem lieben Angehörigen pflegen lassen – und damit dieser Angehörige dies nicht als zu belastend empfindet, kann ja innerhalb der Familie das Pflegegeld umverteilt werden. Und den Betroffenen bleibt die Angst erspart, in ein anonymes Pflegesystem abgeschoben zu werden.

In der SPÖ glaubt man nicht so recht an die heile familiäre Welt. Sie steht ganz in der Tradition der Siebzigerjahre, als Familienleistungen in Sachleistungen (Schulfreifahrt, Schulbuchaktion) geändert wurden, „damit der Familienvater die Beihilfen nicht versaufen kann“. Deshalb auch will die SPÖ das Pflegegeld abschaffen und in eine Sachleistung umwandeln – wenn nur Profis an die Pflegebedürftigen herandürfen, dann kann das Pflegegeld nicht im Familienhaushalt versickern.

Aber professionelle Pflege ist auch viel teurer. Im schlimmsten Fall kommen Pflegeprofis nur für wenige Stunden – und die Drecksarbeit bleibt wie früher den unbezahlten Angehörigen.

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