„Die Korruption spielt sich weitgehend im Verborgenen ab“

Die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet ausführlich von den Machenschaften zwischen Ärzten und Hörgeräteakustiker in Deutschland. Gehandelt wird nach dem Motto "Gibst du mir Geld, schicke ich dir Patienten". Ein wirklich lesenswerter Artikel.

Hörgeräte
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„Das mit den Zahlungen, das läuft doch nächstes Jahr weiter?“, fragt ein Arzt ungeniert am Telefon, zeigt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe die Praktiken auf und erläutert: „’Das mit den Zahlungen’ – damit ist ein Geldstrom gemeint, wie er in der Hörgerätebranche in Deutschland seit Jahren zum Alltag gehört. Der Arzt lässt sich dafür bezahlen, dass er dem Hörgeräteakustiker Kundschaft zuschanzt – bis zu 400 Euro pro Patient.“

Das Ausmaß der Korruption verwundert viele. „Ich habe bereits geahnt, dass es derartige Verbindungen zwischen Hörgeräteakustikern und HNO-Ärzten gibt. Aber mit diesem Ausmaß habe ich nun wirklich nicht gerechnet, dass eine immense Zahl an Akustikern und Ärzten an den illegalen Systemen beteiligt seien“, ist beispielsweise im Deafhood Blog zu lesen.

Millionengeschäft

„Eine Art Korruptionsmentalität greift um sich“, zitiert die FTD Peter Brammen, Geschäftsführungsmitglied der Wettbewerbszentrale und Sachverständiger des Bundesgesundheitsministeriums, der weiters ausführt: Es entstünde eine „gegenseitige Abhängigkeit“ zwischen Arzt und Gesundheitshandwerker, „die geeignet ist, die Kosten im Gesundheitswesen weiter in die Höhe zu treiben.“

In Deutschland werden nach Recherche der Zeitung 1,3 Milliarden Euro mit Hörhilfen umgesetzt. Tendenz steigend, weil die Bevölkerung immer älter und älter wird.

Publik wurden die Machenschaften unter anderem dadurch, dass es auch Gerichtsfälle gab. Eine Patientin hatte einen Arzt angezeigt, weil er „nur ein Rezept für eine Hörhilfe am linken Ohr geben wollte, wenn sie damit zwei ganz bestimmte Akustiker aufsuche“, berichtet die FTD. Es folgte ein Durchsuchung der Praxis des Arztes und mehrere Zeugen wurden vernommen.

Mafia-Methoden

„Vieles erinnert an Mafia-Methoden. Es ist in letzter Zeit nur noch schlimmer geworden“, wird ein Hörgeräteakustikmeister aus Norddeutschland zitiert.

Die Modelle um die Zahlungen zu verschleiern werden auch immer ausgeklügelter. So bezahlen manche etwa für das Ausfüllen von Fragebögen „Summen, die den Aufwand um ein Vielfaches übersteigen“.

Gesetze soll helfen

Um dem Treiben ein Ende zu bereiten, wurde vom Bundesgesundheitsministerium eine Gesetzesänderung vorgeschlagen, die am 1. April 2009 in Kraft tritt. „Danach dürfen Akustiker künftig weder an HNO-Ärzte etwas zahlen, noch ihnen wirtschaftliche Vorteile gewähren“, erläutert die FTD und schließt leicht skeptisch: „Ob das Gesetz ausreicht, um Korruption flächendeckend auszumerzen, daran zweifeln die Experten.“

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