„Die Partnerschaft hat keinen Einfluss“

Für Irritationen hat eine Presseaussendung der Aktion Mensch vom 29. Jänner 2005 gesorgt, in der über eine Überweisung von der Postbank an die Aktion Mensch berichtet wurde.

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Nur neun Monate nach Beginn ihrer langfristig angelegten Kooperation konnten die Partner bereits einen ersten Erfolg verbuchen: „Die Postbank überwies der Aktion Mensch 100.000 Euro Zuwendung“, vermeldete die Deutsche Behindertenhilfe.

Eine Rückblende: In der ersten Hälfte 2004 haben Postbank und Aktion Mensch eine Sozialpartnerschaft abgeschlossen. Inhalt laut Postbank: „Kern der Sozialpartnerschaft zwischen der Aktion Mensch und der Postbank ist die gegenseitige Unterstützung beim Erreichen unternehmerischer und sozialer Ziele.“

Im Dezember 2004 hat die Postbank von der Aktion Mensch für Ihren Internetauftritt eine BIENE in Gold (Auszeichnung für barrierefreie Internetseiten) bekommen. Ein Monat danach überweist die Postbank 100.000 Euro aus dem „Postbank Gewinn-Sparen“ an die Aktion Mensch für die Förderaktion „5000xZukunft“.

„Wäscht hier eine Hand die andere?“ könnte sich die Leserin und der Leser verwundert fragen. Der BIENE-Award – die bedeutendste Auszeichnung barrierefreier Internetseiten im deutschsprachigen Raum – muss frei von jedem Verdacht der Käuflichkeit bleiben. kobinet hat daher nachgefragt und folgendes schriftliche Interview mit Heike Zirden von der Aktion Mensch geführt.

kobinet: Haben die geschäftlichen Beziehungen etwas mit der Auswahl des Gewinners Postbank zu tun gehabt, und wie können Sie sicherstellen, dass eine derartige Verquickung nicht vorkommt?

Heike Zirden: Die Partnerschaft zwischen Postbank und Aktion Mensch hat keinen Einfluss auf die Auswahl der Teilnehmer und der Gewinner 2004 gehabt. Das garantiert das Verfahren an der Universität Bremen. Die Teilnehmer melden sich selber an. Ihre Beiträge werden in einem zweistufigen Verfahren geprüft. Diese Prüfung wird durch den Fachlichen Beirat, ein unabhängiges Gremium von Fachleuten mit und ohne Behinderung, begleitet. Die Jury wiederum, in der die Veranstalter kein Stimmrecht haben, entscheidet aus der von dem Fachlichen Beirat vorgelegten Shortlist über die letztendliche Platzierung.

kobinet: War der fachliche Beirat über die Kooperation mit der Postbank informiert?

Heike Zirden: Die Vertreter der Aktion Mensch im Fachlichen Beirat informieren nicht explizit zum Beispiel vor Sitzungsbeginn über die fortlaufenden Ereignisse bei der Aktion Mensch. Erfreulicherweise ist es häufig so, dass sich Kooperationspartner der Aktion Mensch stärker mit Belangen von Menschen mit Behinderungen auseinandersetzen – und daraus zum Beispiel auch unternehmerische Entscheidungen entwickeln – als andere.

kobinet: Kann die Aktion Mensch garantieren, dass der Preisträger Postbank rein nach fachlichen Kriterien ausgewählt wurde und dass er keine Gelegenheit hatte, seine im Wettbewerb festgestellten Mängel während des Wettbewerbs nachzubessern?

Heike Zirden: Da alle Teilnehmer dasselbe Prüfungsverfahren durchlaufen, auf dessen Durchführung und Ergebnisse die Aktion Mensch keinen Einfluss nimmt, kann die Aktion Mensch von ihrer Seite aus garantieren, dass der Preisträger Postbank die Goldene BIENE zu Recht gewonnen hat. Daher ist es auszuschließen, dass egal welcher Wettbewerber im Wettbewerb festgestellte Mängel nachbessern konnte.

Eine Frage der Optik
Auch wenn die Optik nicht unbedingt die vorteilhafteste ist, besteht kein Grund an den schlüssigen Aussagen der Aktion Mensch zu zweifeln. Zu fragen bleibt allerdings, ob es ein guter Stil ist, einen Partner öffentlich auszuzeichnen.

Es bleibt zu hoffen, dass der BIENE-Award auch im Jahr 2005 wieder barrierefreie Internetseiten einem breiteren Publikum bekannt macht.

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