Digitalisierung als Chance für Inklusion?

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „wissen.vorsprung“ der Fachhochschule St. Pölten beschäftigte man sich in einer Diskussionsrunde mit den Chancen und Grenzen der Digitalisierung für inklusive Bildung.

wissen.vorsprung - Diskussion Chancen und Grenzen der Digitalisierung für inklusive Bildung.
FH St. Pölten

Digitales Lernen und Arbeiten ist durch Corona zur absoluten Notwendigkeit geworden.

  • Doch wie können wir auch nach der Krise von der Digitalisierung profitieren?
  • Wie inklusiv oder exklusiv ist digitales Lernen?
  • Wie kann digitales Lernen und Arbeiten praktisch aussehen? Und kann Digitalisierung Inklusion voranbringen?

Am 27. Mai 2021 beschäftigte sich eine Diskussionsrunde auf der Fachhochschule St. Pölten mit diesen und anderen Fragen.

Andrea Pilgerstorfer von der FH St. Pölten, Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*Austria und Vorstandsvorsitzende von arbeit plus Österreich, Franz Dornig von IBM Austria und Katharina Müllebner von BIZEPS – Zentrum für Selbstbestimmtes Leben diskutierten über die Chancen und Grenzen der Digitalisierung und wie diese die Gesellschaft verändert. Besonders aus der Sicht von Menschen mit Behinderungen gilt der Leitsatz „Nichts ohne uns!“

wissen.vorsprung - Diskussion Chancen und Grenzen der Digitalisierung für inklusive Bildung.
FH St. Pölten/Florian Stix

Digitalisierung darf niemanden zurücklassen

Nicht alle haben gleichberechtigten Zugang zu Computern oder Internet. Das wird in der Diskussion deutlich.

Das betrifft sowohl Menschen in prekären Lebens- und Arbeitssituationen als auch Menschen mit Behinderungen. Menschen mit Behinderungen brauchen gleichberechtigten Zugang zu Computern und anderen technischen Hilfsmitteln, die sie zum Beispiel aufgrund ihrer Behinderung benötigen, betont Müllebner. Außerdem sei, wenn es um die Digitalisierung ginge, Barrierefreiheit unverzichtbar.

Technologien müssen so entwickelt und angepasst werden, dass sie für alle Menschen selbstständig nutzbar sind. Digitalisierung darf Menschen mit Behinderungen nicht überholen, sondern muss gemeinsam mit ihnen weiterentwickelt werden, so Müllebner. Man muss Menschen mit Behinderungen gezielt in die Digitalisierung miteinbeziehen und fragen, was sie brauchen und wie Dinge gestaltet werden sollen.

Die Chance Bildung und Arbeit neu zu denken

Man ist sich einig, dass die Digitalisierung niemals dem Präsenzunterricht oder die Arbeit vor Ort ersetzen darf. Dennoch könnten digitale Möglichkeiten flexibel genutzt werden, um Arbeits- und Lernprozesse anders zu gestalten und flexibler zu machen. So könne man digital in Wien arbeiten, aber trotzdem in seinem Heimatbundesland bleiben, erklärt Manuela Vollmann.

Menschen müssen an die verschiedenen Technologien herangeführt werden. Sie müssen das Selbstvertrauen bekommen, diese auch nutzen zu können, so Vollmann. Es gäbe keine technikfernen Menschen, wenn dann sei die Technik fern von den Menschen. In der Flexibilität von Online und Präsenzarbeit liegt für Müllebner die Möglichkeit zur Inklusion.

„Wir haben jetzt die Chance, die Gesellschaft neu zu denken und Dinge wie Arbeit oder Bildung hybrider zu gestalten. Digitalisierung sollte als Tool genutzt werden, um mehr Menschen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen, um mehr Menschen in die Arbeit zu bringen, um mehr Menschen in Bildungsprozesse zu bringen“, erläutert Müllebner zum Abschluss.

Sie betont, wie wichtig es sei, dass niemand vom Prozess der Digitalisierung ausgeschlossen ist, denn das käme einem Ausschluss aus der Gesellschaft gleich.

 Die ganze Diskussionsrunde gibt es auf YouTube.

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Ein Kommentar

  • Ergänzend zur Info: Im Jahr 2018 wurde für SchülerInnen der Sekundarstufe 1 die verpflichtende Übung Digitale Grundbildung eingeführt und die Lehrpläne für Mittelschule und AHS entsprechend geändert. Nicht so die Lehrpläne für Sonderschulen. Das heißt: SchülerInnen mit Behinderungen und / oder SPF, die nach einem Lehrplan der Sonderschulen unterrichtet werden, erhalten keine digitale Grundbildung. Wie sollen sie so mit der Digitalisierung mithalten können? Außerdem ist im Bildungsbereich die Finanzierung von assistierenden Technologien zur Benutzung von digitalen Endgeräten immer noch Privatsache, es gibt keinen Rechtsanspruch. Ob Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen also moderne digtiale Technologien zugänglich sind und sie deren Benützung erlernen können ist ein Lotteriespiel mit hohem Risiko des lebenslangen Verlierens.