Diskriminierende ÖBB-Sicherheitskampagne sollte nun wirklich beendet sein

Viel wurde schon über die diskriminierende ÖBB-Sicherheitskampagne „Pass auf dich auf“ geschrieben. Jetzt könnte das Unding seinen Abschluss gefunden haben. Ein Kommentar.

Diskriminierende ÖBB-Sicherheitskampagne 2019
ÖBB

In der Kampagne der ÖBB-Infrastruktur wurden Menschen mit Behinderungen zur Abschreckung verwendet, um Jugendlichen die Gefahren auf Bahnhöfen näher zu bringen.

Dies sorgte für großen Unmut im In- wie auch im Ausland. Die Beendigung der Verwendung dieses diskriminierenden Sujets und der Schockkampagne wurde vehement gefordert.

Da die ÖBB-Plakate über die Gefahren an Bahnanlagen Menschen mit Behinderungen diskriminieren, drängten der Behindertenanwalt des Bundes, die Behindertenanwältin des Landes Kärnten, der Monitoringausschuss, Selbstbestimmt Leben Österreich und BIZEPS auf einen sofortigen Stopp der Kampagne.

Es wurden Beschwerden beim Österreichischen Werberat eingebracht und Christine Steger brachte im Oktober 2019 auch eine Schlichtung wegen Diskriminierung gemäß Behindertengleichstellungsgesetzes ein. (Weitere Schlichtungen von anderen behinderten Menschen folgten).

ÖBB reagieren zuerst unwirsch und uneinsichtig …

In den ersten Reaktionen meinen die ÖBB noch, man habe „sehr bewusst darauf geachtet, die ‚verletzten‘ Jugendlichen als stark und selbstbewusst darzustellen“. Danach versuchte man sich herauszureden und verwies auf ein nach der Bewerbung der Kampagne stattfindendes belangloses Gespräch beim Österreichischen Behindertenrat „in dem der Kampagnenansatz gemeinsam kritisch hinterfragt wird“, hieß es.

Am letzten Tag der geplanten kommerziellen Bewerbung der Kampagne (31. Oktober 2019) kündigte man generös an, dass die Bewerbung „in den kommerziellen Medien eingestellt“ wird. Damit erhoffte man scheinbar, den Kritikerinnen und Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

… und machen zuerst mit der Kampagne munter weiter!

Was von den ÖBB nicht gesagt wurde und was sehr schnell offensichtlich war: Die Plakate hingen weiterhin österreichweit in rund 1.000 Bahnhöfen in den Schaukästen. Dies sollte auch so bleiben.

Auch im ÖBB-Schulungsprogramm in den Schulen (Sicherheitspräsentationen) wurden die Kampagnenmaterialien unvermindert weiterverwendet und das sollte auch so bleiben. Da man sichtlich davon ausging, dass es einfach Ansichtssache sei, wie man die Kampagne bewertet.

Dies sorgte natürlich weiter für kräftigen Wirbel in den sozialen Medien. Der Ton wurde rauher.

Und nun ist doch Schluss damit, oder?

Am 5. Dezember 2019 fand eine Schlichtungsverhandlung zwischen den ÖBB und Christine Steger (mit Unterstützung des Behindertenanwaltes Hansjörg Hofer und durch BIZEPS) statt. Steger war nicht gewillt, sich das bieten zu lassen.

Schon im Jahr 2006 gab es eine ähnliche Kampagne des Verkehrsministeriums, die eine Schlichtung (eine rechtlich normierte Vorstufe einer Klage) nach sich zog. Damals gelang umgehend, dass dieses Sujet nicht mehr verwendet wurde, eine Entschuldigung erfolgte und immaterieller Schadenersatz bezahlt wurde.

Ziel der Schlichtung am 5. Dezember 2019 war das vollständige Beenden der Kampagne. Die ÖBB sagten zu:

  • „Spätestens am 24.12. wird das letzte Plakat der in Rede stehenden Kampagne entfernt sein.“
  • „Mit diesen Sujets wird keine kommerzielle Werbung mehr geführt werden.“
  • „Im Zug der Presseaussendung für die neue Kampagne soll jedenfalls eine Erklärung für den Stopp der Alten, verbunden mit dem Ausdruck des Bedauerns enthalten sein.“
  • „In den Schulen werden die Sicherheitspräsentationen ab 13.12.2019 mit den neuen anstelle der alten Sujets abgehalten.“

Neue Kampagne präsentiert – Entschuldigung erfolgt

Nach der Schlichtung wurde zeitnah eine neue Kampagne präsentiert und der Ankündigungstext enthielt folgende Passage:

Kampagne mit Menschen mit Behinderung wird ersetzt

Die neue Sicherheitskampagne „Pass auf dich auf“ mit den im Anhang übermittelten Sujets löst hiermit die alte Kampagne ab. Bei der „alten“ Kampagne, bei der Sujets von Menschen mit einer Behinderung oder einer schweren Verletzung als mögliche Folge einer Unachtsamkeit auf Bahnanlagen eingesetzt wurden, war es nie unsere Intention, Menschen mit Behinderung zu diskriminieren. Falls wir diesen Eindruck erweckt haben sollten, so bedauern wir dies sehr. Es kommt daher zu einer vorzeitigen Beendigung dieser Kampagne.
Die Umstellung ist online bereits erfolgt, der Austausch der Plakate auf allen über 1.000 Bahnhöfen findet noch heuer bis zum 23.12. statt.

Thema nun hoffentlich erledigt

Es bleibt zu hoffen, dass damit das Thema endlich bereinigt ist. Für die ÖBB waren die gesamte umprofessionelle Durchführung und auch der Kampf um das Weiterleben der diskriminierenden Kampagne kein Ruhmesblatt.

Es bleibt zu hoffen, dass die Werbeabteilung der ÖBB-Infrastruktur in den letzten Wochen doch etwas dazugelernt hat.

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