Ein Bericht über den Kongress von Inklusion International

Aus der Sicht eines Selbstvertreters (Reinhard Köbler/ Wibs)

Brandenburger Tor in Berlin
BIZEPS

Vom 16. bis zu 19. Juni 2010 war ein großer Kongress von Inklusion International. Der Kongress hatte den Namen: Rechte werden Wirklichkeit. Der Kongress war in Berlin.

Dort haben sich über 2300 Menschen getroffen. Die Menschen sind aus der ganzen Welt nach Berlin gekommen. Zum Beispiel aus Australien, Neuseeland und dem Libanon. Es waren über 800 SelbstvertreterInnen dort. Ich war einer von ihnen.

Bei dem Kongress wurde sehr viel über die Rechte von uns Menschen mit Lernschwierigkeiten gesprochen. Genauer gesagt über die UN Regeln. Es gab viele Arbeitsgruppen und Vorträge. In allen ging es um die verschiedenen Artikel der UN-Regeln. Die Arbeitsgruppen und Vorträge wurden auch in unterschiedliche Sprachen übersetzt. Zum Beispiel: Spanisch, Französisch und Japanisch.

Auch Menschen mit Lernschwierigkeiten haben Vorträge gemacht.

Zum Beispiel: Zum Thema Selbstvertretung und darüber, wie die Selbstvertretung von uns Menschen mit Lernschwierigkeiten noch stärker werden kann.

Meine Aufgabe bei dem Kongress war es eine Arbeitsgruppe zu moderieren. Bei der Arbeitsgruppe die ich moderiert habe, waren ungefähr 300 Leute. Das war eine neue Erfahrung für mich vor so vielen Leuten zu reden. Aber es hat gut funktioniert und ich bin froh, dass ich diese Aufgabe übernommen habe.

Es war toll SelbstvertreterInnen aus verschiedenen Ländern bei ihren Vorträgen zuzuhören. Es ist spannend zu sehen, was SelbstvertreterInnen in anderen Ländern machen und wie sie arbeiten. Ich konnte auch einiges dazu lernen.

Leider gab es bei dem Kongress auch einige Dinge, die mich und andere SelbstvertreterInnen geärgert haben.

Auf dem Kongress wurden wir zum Beispiel immer wieder als „geistig behindert“ bezeichnet. Wir SelbstvertreterInnen mögen dieses Wort aber nicht. Wir finden es ist diskriminierend. Das haben wir auch immer wieder zu den kopfschlauen RednerInnen gesagt. Aber die meisten hat das nicht interessiert.

Das war aber noch nicht alles. Bei dem Kongress hat es natürlich auch Programmhefte gegeben. Diese wurden schon am Dienstag an uns SelbstvertreterInnen verteilt. Das find ich eigentlich ja gut, aber es gab eines in leichter Sprache und eines in „normaler“ Sprache. Was ist denn bitte normale Sprache habe ich mich gefragt.

Und wofür braucht es denn 2 verschiedene Programmhefte? Würde eines das alle verstehen denn nicht ausreichen? Übrigens ist es auch absolut nicht praktisch immer 2 Hefte mit sich herum zu tragen.

Am Ende meines Berichtes möchte ich noch von einer ganz seltsamen Begegnung erzählen. Bei dem Kongress waren ja nicht nur SelbstvertreterInnen. Es waren auch Eltern und LeiterInnen von Einrichtungen da. Auch aus Österreich.

Auf dem Kongress habe ich VertreterInnen von einer großen Behinderteneinrichtung aus Österreich getroffen. Aber nur welche ohne Lernschwierigkeiten. Deshalb habe ich sie gefragt, warum keine SelbstvertreterInnen aus ihrem Bundesland bei diesem Kongress sind.

Die Antwort war: „Wir vertreten uns selbst!“ Diese Antwort hat mich sehr überrascht und auch zum Nachdenken gebracht. Dürfen sich Menschen mit Lernschwierigkeiten aus manchen Bundesländern in Österreich nicht selbst vertreten?

Es ist in jedem Fall klar, dass es noch ein sehr langer Weg ist, bis wir Menschen mit Lernschwierigkeiten wirklich gleich behandelt werden.

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