Ein erbärmliches Stück Leben. Aber dann …

Lange wollt ich schon zu dieser Sache schreiben. Dieser Sache, die sich immer wieder in gewisse Talkshows und in Gespräche mischt.

Das Thema Läuterung durch Behinderung: Bewußtes Leben, nachdem man durch einen Schicksalsschlag aus dem Leben gerissen wurde und dann sein Leben nochmal geschenkt bekam. Ein hingespucktes Stück Leben. Ein erbärmliches Stück Leben.

Aber dann … keine Kurzlebigkeit mehr, kein Konsumrausch (gezwungenermaßen durch Verarmung) keine „falschen Freunde“, keine Hektik (die ja durch Behinderung verunmöglicht ist).

Ach, wie schön. Ja, jetzt erst weiß, ich was Leben wirklich ist. Die Vögel singen, die Schneeflocken schauen so bezaubernd aus, und ich, ich bewege mich langsam durch den Schnee, ein Sturz könnte mir eines meiner Beine brechen. Womöglich mein Gesundes. Wäre doch blöd oder? Genauso blöd wie die Läuterung durch Behinderung.

Leute, die das wirklich geschafft haben, gibt es nicht wie Sand am Meer. Das Gegenteil ist der Fall. Die meisten werden durch eine plötzliche Behinderung jäh aus ihrem Leben gerissen und finden nicht mehr zu einem Sinn.

Viele zerbrechen an den Schwierigkeiten ihres Lebens.

Die meisten sind geprägt von der Vorstellung, daß reich, erfolgreich und schön das Attribut unserer Gesellschaft ist (womit sie nicht falsch liegen) und zerbrechen an ihrer Unzulänglichkeit. Nur wenige finden zu sich und akzeptieren das, was ihnen das Schicksal beschert hat.

Keine Ahnung ob ich es geschafft hab; lange hab ich getrauert um das, was ich verloren habe, bis ich draufgekommen bin, daß das Glück nicht unbedingt mit einem „perfect body“ einhergehen muß.

Doch wenn ich in einer Talkshow jemanden sagen höre, daß er diese Krankheit, diesen Unfall gebraucht hat, um zu sich zu finden und um gewisse Dinge wahrzunehmen, die er vorher, „damals“, nicht gesehen hat, kommt mir das Kotzen.

Es steckt ein verdammt harter Kampf dahinter, wieder „leben“ zu können, nachdem man/frau hat Adieu sagen müssen zu seiner/ihrer uneingeschränkten Mobilität und seinem/ihrem uneingeschränkten Dazugehören.

Jemand, der sagt, er hätte eine körperliche Veränderung gebraucht, um Mensch zu werden, hat einen ganz großartigen Verdrängungsmechanismus, der ihn einiges vergessen macht. Vielleicht ein Stück Leiden, vielleicht ein Stück Wahrheit.

Auf alle Fälle aber das Wort TROTZDEM:

Denn, es ist oft beschissen, desillusionierend und unfair, aber … TROTZDEM leben wir, trotzdem lachen wir, trotzdem …

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