Ein Marionettendasein?

Standard Artikel stellt Umgang mit Kira Grünberg in Frage. Ein Kommentar.

Die neue Volkspartei
ÖVP

Seit sie im Sommer 2017 für die Tiroler Landesliste der ÖVP aufgestellt wurde, polarisiert sie. Die Rede ist von der ehemaligen Stabhochspringerin Kira Grünberg.

Sie hat keine politische Erfahrung, was sie auch selbst in Interviews zugibt, und auch scheinbar wenig Einblick in den Themenbereich und in die Problematiken von Menschen mit Behinderungen.

Was genauso viele Fragen wie ihre Unerfahrenheit aufwirft, ist der mediale Umgang mit ihr. Beispielhaft dafür ist das OE24 Interview mit ihr, über das BIZEPS auch schon berichtet hat. Dieses, von Sabrina Blagojevic geführte Interview, ist ein Beispiel für den falschen medialen Umgang mit Menschen mit Behinderungen. Die Moderatorin spricht in regelmäßigen Abständen unangebrachtes Lob und Komplimente gegenüber Kira Grünberg aus.

So zum Beispiel: „Denn man kennt dich als Stabhochspringerin, und deinen Unfall, der dich wirklich zu einem Menschen ausgezeichnet hat, der so von Kraft, Stärke geprägt ist, dass wirklich jeder nur Bewunderung für dich übrighaben kann.“

Das unangebrachte Lob ist nur eine von vielen falschen Verhaltensweisen der Moderatorin im Interview.

Die Frage, die sich angesichts solcher Medienauftritte mancher stellen mag, ist, warum Kira Grünberg das mit sich machen lässt. Ein aktueller Standard Artikel macht ihre Partei dafür mitverantwortlich. Diese kontrolliert und reglementiert den Medienauftritt der jungen Quereinsteigerin:

Denn welche Medien mit Grünberg sprechen dürfen, wird vom Team Türkis sehr streng reglementiert. Wohlfühlinterviews, in denen die angehende Nationalrätin und Behindertensprecherin der ÖVP nach ihrem Befinden befragt wird, sind gern gesehen.

Ist kritisches Nachfragen unerwünscht?

Diese Annahme, die im Standard Artikel geäußert wird, scheint durchaus berechtigt zu sein. Denn nicht nur der Standard erhielt bisher kein Interview, sondern auch Armin Wolf von der ZiB 2, Martin Habacher mit seinen Sommergesprächen, Integration Tirol und BIZEPS wurden abgewiesen: alle Medien also, die inhaltliche Fragen stellen könnten.

Es braucht immer zwei

Einen, der macht und eine, die es mit sich machen lässt. Natürlich, sie ist jung, neu in der Politik, hat noch nicht lange ihre Behinderung. All das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie, als Politikerin auch Verantwortung hat.

Die Verantwortung, sich zu informieren, ihre Aussagen vorsichtig abzuwägen, Aussagen wie, „wir müssen Sozialleistungen weniger attraktiv gestalten“, sind gerade für jemanden, der für Menschen mit Behinderung Politik machen sollte, unangebracht.

Was will die ÖVP mit Kira Grünberg?

Eine Frage, die durchaus berechtigt ist. Eines ist jedenfalls klar: Die Aufstellung von Kira Grünberg kann man, so wie mit ihr umgegangen wird, nicht als politische Inklusion verstehen. Es ist eher das Gegenteil davon und ein Rückschritt in alte Muster, in denen Menschen mit Behinderungen als „Vorzeigebehinderte“ missbraucht werden, um sich den Anschein von Inklusion zu geben.

Wirkliche Inklusion würde bedeuten, dass die Meinung, die Kompetenz und das Fachwissen einer Person im Vordergrund stehen, und nicht ihre Behinderung oder ein tragisches Schicksal.

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2 Kommentare

  • Die Elterninitiative „Nachmittags- und Ferienbetreuung für Kinder mit Behinderung in der Sekundarstufe I & II: Gnade, Almosen, aber rechtlos.“

    hat im folgenden Dokument eine recht gute Zusammenstellung über den Stellewert von Fragen rund um Inklusion zusammengestellt:
    http://www.integrationwien.at/images/initiativen/Noch-vor-der-Wahl-4-Fragen_Eltern-Initiativgruppe.pdf

    Besonders bei Frage 3 hat sich die ÖVP ausgezeichnet, zynischer geht es fast nicht mehr.

  • danke für deine klare analyse und sachlichkeit. die „türkise bewegung“ wird das sicher als anpatzen bezeichnen. deshalb ist es notwendig dieser bauernfängerei nicht sein vertrauen zu schenken.