Eine gehörlose Gebärdensprachdolmetscherin?

Ein Einblick in die Arbeit einer gehörlosen Dolmetscherin

Monika Mück-Egg beim Dolmetschen
Monika Mück-Egg

Stellen Sie sich vor, Sie möchten im Standesamt heiraten. Sie und Ihre Partnerin oder Ihr Partner sind gehörlos und sprechen auch nicht die landesübliche Gebärdensprache.

Dies ist ein mögliches Einsatzgebiet für eine gehörlose Gebärdensprachdolmetscherin.

In dieser Situation dolmetscht die gehörlose Gebärdensprachdolmetscherin gemeinsam mit einem hörenden Dolmetscher. Der hörende Dolmetscher übersetzt die Lautsprache des  Standesbeamten in die landesübliche Gebärdensprache.

Die gehörlose Dolmetscherin steht dem hörenden Dolmetscher gegenüber und übersetzt dessen Gebärden für das fremdsprachige Paar in International Sign Language, also Internationale Gebärde.

Monika Mück-Egg ist selbst gehörlos und arbeitet als Dolmetscherin für Österreichische Gebärdensprache, Internationale Gebärde und deutsche Schriftsprache. Sie dolmetscht zum Beispiel für gehörlose Menschen mit Lernschwierigkeiten, geflüchtete Menschen, die die Österreichische Gebärdensprache nicht kennen und macht Übersetzungsarbeit für Videoguides und Homepages.

In einem Interview gibt sie BIZEPS Einblick in ihr Berufsfeld. Sie betont, dass gehörlose Gebärdensprachdolmetscherinnen genauso arbeiten, wie hörende Gebärdensprachdolmetscher.

Warum braucht es gehörlose Gebärdensprachdolmetscherinnen?

Dass gehörlose Menschen auch im Dolmetscherberuf tätig sein können, ist nicht nur wichtig für die berufliche Inklusion, sondern auch allgemein von Vorteil.

„Der Vorteil ist, dass die Gebärdensprache meine Erstsprache ist und es schnell eine Verbindung mit den gehörlosen KundInnen durch die Identifikation gibt. Dies fördert dann auch das Verstehen, eventuell auch eine höhere Sensibilität für gebärdensprachliche Nuancen, die einen großen Unterschied im Verstehen machen können“, erklärt Monika Mück-Egg.

Gehörlose Gebärdensprachdolmetscherinnen noch wenig bekannt

Monika Mück-Egg arbeitet in Tirol. Derzeit gibt es dort sehr wenige Aufträge für gehörlose Gebärdensprachdolmetscherinnen. Der Arbeitsbereich für diese Gruppe steckt noch in den Kinderschuhen, erläutert Mück-Egg.

„Bis jetzt gibt es zu wenig Öffentlichkeitsarbeit und offizielles Auftreten der Berufsgruppe. Es braucht Bewusstseinsbildung sowohl bei Hörenden und Gehörlosen, aber auch bei den hörenden DolmetschkollegInnen. In diesen Bereichen müssen noch Ängste und Unsicherheiten abgebaut werden.“

Mück-Egg wünscht sich für die Zukunft, dass gehörlose Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher viel selbstverständlicher zum Einsatz kommen. (Weitere Informationen)

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