Entwicklung der Integrationsklassen

Im Schuljahr 1986/87 gab es eine Integrationsklasse, damals noch im Schulversuch, im heurigen Schuljahr sind es 641 Klassen.

Schule
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Nach so langer Zeit erfolgreicher Integration müssen wir uns jetzt aber ernsthaft fragen, ob diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren weiterhin fort- und umgesetzt werden kann, oder ob die Integration behinderter SchülerInnen dem Sparstift der Bundesregierung zum Opfer fällt.

Die Kürzungen treffen aber nicht behinderte SchülerInnen allein, sondern ALLE! – ganz massiv auch SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache. Schon mit der Nichtverankerung des Schulversuchs Integration an der 9. Schulstufe (PTS = Polytechnische Schule) wurde seitens der Bundesregierung deutlich und klar vermittelt, wie arglos mit den Bedürfnissen und Rechten behinderter SchülerInnen und deren Eltern umgegangen wird …

Für die neunte Schulstufe wurde keine gesetzliche Regelung zur Übernahme der Integration behinderter SchülerInnen ins Regelschulwesen gefunden, dafür aber ein neuer Lehrplan, der den behinderten SchülerInnen an der 9. Schulstufe keine integrative Unterrichts- und Lernqualität ermöglicht, denn: SchülerInnen an der PTS werden ab sofort nach dem Lehrplan der 9. Stufe der Allgemeinen Sonderschule unterrichtet. Die Begründung für diese schul- und bildungspolitischen Innovationsrückschritte lassen deutlich den Zynismus und die damit verbundene Ignoranz spüren.

Daß nicht auf den Rücken der SchülerInnen gespart werden darf, wurde an dieser Stelle – und nicht nur an dieser – schon oft erwähnt. Und daß dies auch nicht so sein wird, haben wir von den verantwortlichen SchulpolitikerInnen auch oft genug gehört. Mit Beginn dieses Schuljahres wurde aber wieder einmal sichtbar, daß 1+1 doch nicht zwei ist, vielmehr lautet die Rechnung:

Zynismus + Ignoranz x Nulldefizit =
Qualitätsverlust + Bildungsverlust + Schulprivatisierung zum Quadrat,
geteilt durch arm + reich!

Die Fakten:
Aufgrund der drastischen Kürzungen müssen LehrerInnen zwar (noch) nicht gekündigt werden, jedoch werden Stunden reduziert. Dies bedeutet zwangsläufig eine Umverteilung. So wurde also ein neues Konzept geschaffen, welches sich Dynamisches Förderkonzept nennt, mit dem Ziel … allen SchülerInnen entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen zielgerichtete optimale Förderung ihrer Begabung zukommen zu lassen. Die kurze, noch nicht einmal 3-monatige Realität sieht aber anders aus:

Eltern wie auch LehrerInnen benötigen, um eben zielgerecht fördern zu können, Unterstützung für ihre SchülerInnen von Stütz-, Sprachheil-, BeratungslehrerInnen usw. Diese sind aber „derzeit leider an einer anderen Schule“, „diese sind versetzt worden“, „diese“, und das ist nach oftmaligen Anfragen dann die letzte Antwort, „sind derzeit aufgrund der Sparmaßnahmen gar nicht da“ … und weil dann halt gar niemand da ist, sollten sich die Eltern dann doch überlegen, ob das Kind nicht an einer Sonderschule besser gefördert werden könnte …

Eltern meldeten ihr Kind an einer Schule mit definiertem Schwerpunkt (Informatik, musisch-kreativ…) an, doch siehe da, im September reduzierten sich die Schwerpunkte auf ein Minimum oder der Schwerpunkt war gar nicht mehr vorhanden …

Das gleiche gilt auch für die Unverbindlichen Übungen. Daß dies jene Gegenstände sind, die die SchülerInnen wahrscheinlich am meisten freuen und die Lust auf Schule steigern, liegt auf der Hand. Diese Einheiten können sich Eltern nun privat organisieren. Conclusio: SchülerInnen von einkommensschwächeren Eltern bleiben auf der Strecke.

Drastisch auch die Auswirkung im Bereich der Betreuung von SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache. Jene SchülerInnen erhalten nur mehr zwei Stunden Deutschunterricht, früher waren es fünf Stunden.

Dies ist wahrscheinlich erst der Beginn eines kontinuierlichen Bildungsabbaues.

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