Erfolgreiches 3. Roundtable-Gespräch mit ORF-Leitung

Am 17. September 2012 fand im ORF-Funkhaus das jährliche Roundtable-Gespräch zwischen ORF-Leitung und Behindertenbewegung statt. Ein Kommentar.

ORF Roundtable-Gespräch am 20120917
BIZEPS

In seiner Einleitung erinnerte ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz bei diesem 3. Roundtable-Gespräch an die erreichten Fortschritte beim barrierefreien Ausbau des ORF-Angebotes und berichtete, dass er kürzlich dem Stiftungsrat den Etappenplan zum Ausbau des barrierefreien Zugangs zu den ORF-Fernsehprogrammen und zum ORF-Online Angebot vorgelegt hatte.

Besonders hob er hervor, dass die „Zeit im Bild 2“ nun seit 2. September untertitelt wird und ab 24. September die Sendung „Heute Mittag“ dazukommt. Im ORF werden dann „zwischen 13 und 19 Uhr durchgehend untertitelt“, hielt ORF-Generaldirektor fest.

Möglich wurde der Ausbau durch die nicht unerheblichen zusätzlichen Mittel, die der ORF 2011 mit einer Novelle des ORF-Gesetzes für vier Jahre zugesichert bekommen habe. Im Moment werden auf ORF eins und ORF 2 rund 60 % untertitelt.

Als derzeit laufende jährliche Kosten der Schaffung Barrierefreiheit wurden von Generaldirektor Wrabetz 3 Millionen Euro genannt.

Finanzielle Basis des ORF für den Ausbau der Barrierefreiheit sichern

Sorgen bereitet dem ORF-Generaldirektor die finanzielle Situation des Unternehmens ab dem Jahr 2014. „Es ist uns gelungen ein ORF-Gesetz zu bekommen, das stabile Rahmenbedingungen gebracht hat.“ Er hoffe auf die Unterstützung der Behindertenorganisationen, damit auch in Zukunft ausreichend Mittel für den Ausbau der Barrierefreiheit vorhanden seien.

„Natürlich würden wir versuchen, unser Leistungsniveau halten, ein Ausbau wäre allerdings sehr schwer möglich“, antwortet Wrabetz auf die Frage nach Konsequenzen bei mangelnden finanziellen Ressourcen, bevor er die Sitzung verlassen musste.

Die Sitzungsleitung übernahm dann Sissy Mayerhoffer (Leiterin „Humanitarian Broadcasting“ beim ORF), die auch Detailfragen beantwortete.

Neue Sportsendung ab 4. Oktober geplant

Wesentliches Thema des Roundtable-Gespräches war auch die in Kürze startende Sportsendung, die von ORF-Sportchef Mag. Hans Peter Trost in Grundzügen vorgestellt wurde. Man möchte damit u.a. für die betroffenen Sportlerinnen und Sportler höhere Medienpräsenz erzeugen und auch eine Plattform schaffen, um deren Leistungen zu zeigen.

Ab 4. Oktober 2012 soll vierzehntägig um 20.15 Uhr ein Magazin auf ORF SPORT+ starten. Es wird auch auf der ORF-TVThek abrufbar sein. Die Sendung wird von einer behinderten Wintersportlerin und einem behinderten Sommersportler moderiert und der ORF möchte somit den „Behindertensport stärker in den Mittelpunkt“ stellen. Wenn die Sendung erfolgreich ist, könnte sie auch wöchentlich gesendet werden, hofft Trost.

Wichtige Diskussionen

Angesprochen wurde der große Fortschritt der letzten beiden Jahre und Themen, die noch angegangen werden müssen. So wäre beispielsweise digitale Untertitel von großem Vorteil und bei den Online-Angeboten des ORF muss noch bei Ö3 und der TVThek deutlich nachgebessert werden. Dies werde geprüft, sagte Mayerhoffer zu.

Intensiv diskutiert wurde auch der im Juni 2012 genannte Arbeitstitel „no handicap“. Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Behindertenorganisationen schlugen dem ORF einhellig vor, einen anderen Namen zu suchen.

Bezüglich der Audiokommtierung der neuen Sportsendung werde auch die Notwendigkeit und technische Machbarkeit geprüft, kündigte Mayerhoffer an.

Man bemühe sich, DVD-Angebote des ORF barrierefrei zu gestalten, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei der Sendung Braunschweig sei dies allerdings im Zusammenspiel mit dem sehr schnellen Vertrieb nicht geschafft worden, gesteht man ein.

Blick in eine ferne Zukunft?

Abschließend wurde ein Gebärdensprach-Avatar (eine Zeichentrickfigur, die halbautomatisiert Informationen in Gebärdensprache übersetzt) gezeigt. Das Ergebnis lässt erahnen, dass in einigen Jahren evtl. manche Aufgaben und Übersetzungen mit technischer Unterstützung durchgeführt werden könnten.

Es war interessant zu sehen, welche Stärken und Schwächen dieses Forschungsergebnis derzeit aufweisen kann. Es wird interessant sein, zu beobachten, ob diese in 5 bis 10 Jahren Praxisrelevanz besitzen.

Fortsetzung erwünscht!

Drehten sich Gespräche mit dem ORF in der Vergangenheit meist ausschließlich um das Thema „Licht ins Dunkel“, zeigt sich nun klar eine Änderung der Diskussionskultur.

Seit Sissy Mayerhoffer als Leiterin „Humanitarian Broadcasting“ beim ORF tätig ist, gibt es eine ausgeprägte Diskussionskultur über Fortschritte bei der Barrierefreiheit, aber auch noch nicht erreichte Ziele oder Dinge, die nicht erfolgreich waren.

Beim ORF ist bei weitem noch nicht alles erreicht, aber das wird erstens nicht abgestritten und zweitens wird auf Augenhöhe verhandelt, um Fortschritte zu erreichen.

Persönlich ist mir das sehr wichtig und die ORF-Erfolge der letzten Jahre sprechen eine klare Sprache. „Licht ins Dunkel“ werde ich trotzdem auch in Zukunft nicht lieben, sondern wahrscheinlich gerade so – oder manches Mal auch nicht – ertragen.

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0 Kommentare

  • Interessant hätte ich noch gefunden, was genauer „no handicap“ sein soll bzw. wie die Sendung gestaltet wird. Ich hab eher ein ungutes Gefühl dabei: hoffentlich kein Hybrid a la Feuerstein, Spira und Betroffenheitsreportage. Die Fortschritte Richtung Barrierefreiheit sind erfreulich. Vielleicht wird ja irgendwann auch der Tag kommen, an dem dieses unsägliche „Licht ins DUnkel“ eingestellt werden wird.