Erlebnis am Rathausplatz

Jedes Jahr findet in den Sommermonaten Juli/August in Wien am Rathausplatz ein Filmfestival statt. Die Vorstellung beginnt bei Einbruch der Dämmerung und je nach Programm kann sie bis Mitternacht dauern.

Logo Induktive Höranlage
Österreichischer Schwerhörigenbund

Seit einigen Jahren gibt es auch für Hörbeeinträchtigte die Möglichkeit, den Ton über eine induktive Höranlage, die das Hören und Verstehen des Textes ermöglicht, zu hören. Ich hatte schon viel von dem Filmfestival am Rathausplatz gehört – aber es noch nie selbst ausprobiert.

Am 3. August 2011 dachte ich: Schau dir mal das Programm an, vielleicht gibt es da etwas, was du ansehen möchtest und du kannst auch gleich ausprobieren, ob die Anlage auch funktioniert. Ich suchte im Internet nach dem Programm des Festivals. Die Internetseite war für mich ein wenig abschreckend – es war ein reines Programm, in dem es KEINE WEITEREN INFORMATIONEN gab. Kein Hinweis auf die Induktionsanlage, keine Weiterverlinkung zu den Inhalten der Opern usw. Ich schaute auf der wien.at-Seite nach: Dort gab es zwar den Hinweis, dass das Festival in Wien veranstaltet wird – aber mehr Informationen gab es auch nicht.

Nun, was heißt jetzt: „Bei Einbruch der Dämmerung“? Mein Gatte fand im Internet heraus, dass an diesem Tag die Vorstellung um 21:30 Uhr beginnen soll. Aber es war nirgends ersichtlich, ob die Anlage auch wirklich funktionierte. Ich hatte gerüchteweise gehört, dass diese für kurze Zeit nicht installiert war. Irgendwie bin ich dann auf eine Seite gekommen, wo eine Telefonnummer stand. Ich war mir aber nicht sicher, ob es tatsächlich die richtige war.

Ich rief also an und fragte nach, ob ich da richtig bin. „Jaja! Sie sind hier richtig.“ „Ich hätte da eine Frage – ich habe gehört, dass die Induktive Höranlage nicht funktionieren sollte. Wie ist es jetzt? Ich möchte heute Abend das Programm sehen, aber wenn es nicht funktioniert, brauche ich gar nicht hingehen.“

Die Dame antwortete sehr freundlich (sie wusste sofort, was eine Induktive Höranlage ist – ich war positiv überrascht!): „Ja, jetzt geht sie wieder – die Sessel sind ausgetauscht worden, deshalb war es kurzzeitig nicht einsetzbar. Aber jetzt funktioniert es wieder. Die Anlage befindet sich in der Mitte in den ersten Reihen.“ Ich bedankte mich für die Information und legte auf.

Da das Wetter zu dieser Zeit ziemlich wechselhaft war, ich am selben Abend nichts Großartiges vor hatte, beschloss ich spontan, dies wirklich gleich am selben Tag umzusetzen. Naja, so schnell ging es nun auch wieder nicht. Schließlich bin ich ja nicht nur hör- sondern auch sehbeeinträchtigt und wenn es finster wird, möchte ich nicht unbedingt in Menschenmassen durch die Stadt irren. Also rief ich ein paar Bekannte an und fragte, wer mich begleiten möchte – siehe da, ein Bekannter hatte ebenfalls noch nichts vor und war bereit, mich auf den Rathausplatz zu begleiten.

Da freie Platzwahl herrscht, waren wir bereits 1,5 Stunden vor Beginn dort. Schließlich will ich gut sehen können und nicht unbedingt in der ersten Reihe sitzen. Tatsächlich – man konnte dort die Verlegung der Anlage sehen. Die Sessel am Rand waren sogar teilweise mit Piktogramm versehen – allerdings würde ich meinen, dass ein Laie, der Hörgeräte hat und nicht so gut über Induktive Höranlagen informiert ist wie ich, sich nur auf diese Randsessel setzen würde und nicht in die Reihen hinein.

Es waren 11 Reihen und ich suchte mir weiter hinten in der Mitte einen Platz aus, damit ich auch wirklich einen guten Empfang habe. Die Zeit bis zum Start verbrachten wir mit Plaudern. Als die Moderatorin mit der Begrüßungsrede begann, schaltete ich um – es funktionierte! Und ich verstand die Moderatorin so gut, dass ich nicht unbedingt das Gesicht von ihr benötigte. Welch herrliches Gefühl! Zwischendurch testete ich schnell, wie ich sie ohne Induktion verstehen würde – gar nichts! Es hallte so stark nach, dass es unmöglich war, ein einziges Wort zu verstehen. Also ging ich wieder „online“ und lauschte der Moderatorin und dann dem Konzert.

Die größte Überraschung für mich war aber, dass der Musiker selbst blind war und zielsicher die Tasten des Keyboards traf. Es war faszinierend, wie toll er dies machte, er bewegte seinen Körper zur Musik dazu. Für mich war dies ein Kulturabend mit positiven Überraschungen. Das zeigt, dass es durchaus möglich ist, Kultur barrierefrei im Sinne von gutem Hören zu genießen.

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