Eröffnung einer neuen Wohnstraße in Wien nicht barrierefrei

Am 17. September 2021 soll eine neue Wohnstraße im Bereich der Sargfabrik im 14. Bezirk eröffnet werden. Aus Fehlern lernt man ... nichts in Wien. Ein Kommentar.

Pflasterung Goldschlagstraße
BIZEPS

Die Sargfabrik wurde als selbstverwaltetes, inklusives Wohnprojekt 1996 gebaut. Restaurant, Badeanstalt und Veranstaltungssaal, in dem ganzjährig Konzerte stattfinden, sind durchwegs barrierefrei. Viele Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen wohnen in dem barrierefreien Gebäude.

Umso schlimmer ist, dass der Zugang zu diesem Gebäude für Menschen mit Behinderungen durch die Errichtung der Wohnstraße mit Kleinsteinpflaster nun erheblich erschwert wird.

Nach unermüdlichen Interventionen bei der MA 28 von einer engagierten Bewohnerin der Sargfabrik führte BIZEPS einen Lokalaugenschein durch. Die Vorderräder des Rollstuhls unserer Mitarbeiterin blieben sofort in den Fugen stecken, als sie in den Bereich der Wohnstraße kam.

Es war Kleinsteinpflaster mit unruhiger Oberfläche bogenförmig verlegt worden. Durch die bogenförmige Verlegung werden die Fugen noch größer, sodass Räder von Rollatoren und Rollstühlen hängen bleiben. Der schlichte Albtraum für jeden Menschen mit Gehbehinderung.

Aus Fehlern lernt man … nichts in Wien

Es wurde sofort mit der Baudirektion im Rathaus und der MA 28 Kontakt aufgenommen.

Nach einiger Zeit kam die Antwort der MA 28. Es ist ein 1,5 Meter breiter Streifen, auf dem die Fugen versiegelt werden, geplant.

Doch ein Problem sind nicht nur die Fugen, sondern auch die unruhige Oberfläche der Steine selbst, die einen erheblichen Rollwiderstand verursachen. Besonders ärgerlich ist es, wenn alles neu gemacht wurde.

Die Versiegelung der Fugen wurde schon beim Minoritenplatz im 1. Bezirk als Maßnahme zur Erreichung von besserer Berollbarkeit ausprobiert. Diese wurde dadurch aber nicht verbessert. BIZEPS hat darüber berichtet.

Erst nach dieser Erfahrung war der Minoritenplatz mit einem gut berollbaren Fahrstreifen versehen worden. Es ist dadurch zu doppelten Kosten gekommen. Zuerst für die Verfugung, die nicht half, und dann musste der Streifen komplett erneuert werden, um die Barrierefreiheit herzustellen.

Es bleibt also ein Rätsel, warum sich in Wien Erfahrungen, wie jene bei der Gestaltung des Minoritenplatzes, nicht bis zur MA 28 durchsprechen und auf künftige Projekte auswirken. Was man aber nicht vergessen darf, ist die erhebliche Beteiligung des Bezirks an der Finanzierung.

Beginn des Eröffnungsfests ist am 17. September um 16 h. Um 17 h soll die Bezirksvorsteherin eine Rede zur „Bedeutung von Wohnstraßen für die Nachbarschaft“ halten. „Wenn ich dort wohnen würde, würde ich der Frau Bezirksvorsteherin anbieten, sie im Rollstuhl bis zur Bühne bringen zu dürfen“, meint unsere Mitarbeiterin abschließend.

Wohnstraße Goldschlagstraße
BIZEPS
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7 Kommentare

  • ….einfach nur mühsam, wenn die Bedürfnisse von Menschen mit Hanycap ständig „übersehen“ werden!!!
    Deshalb ein riesiggroßes DANKESCHÖN dem BizepsTeam für Euer unermüdliches Engagement!!!!!!!!
    Liebe Grüße an Frau Scheuer!!!!!!

  • Bravo, conny, du hast vollkommen recht. solange wir kein wirksames antidiskriminierungsgesetz mit scharfen strafbestimmungen haben, wird sich an der mangelnden barrierefreiheit nichts ändern. die lernkurve bei behörden ist keine kurve, sondern ein strich auf der null-linie.

  • Schade, dass das so schiefgegangen ist. Die Wohnstraße selbst ist nämlich klasse!

  • Das ist einfach nicht zu verstehen.

  • Wir sind erstaunt, dass diese Unzulänglichkeiten bzgl. Barrierefreiheit nicht bereits in der ÖNorm B1600 und in der EN 17210 geregelt sind. Der Hausverstand sagt, dass solche Oberflächen im öffentlichen Raum für Rollstühle und Rollatoren NICHT geeignet sind…

    Bzgl. Wohnstraße Sargfabrik: Werden die kleinen Pflastersteine durch größere Gehsteig-Platten, wie z.B. bei der Mariahilfer Str., ersetzt? Versiegeln nutzt bei so kleinen Pflastersteinen nicht. Scheinbar sind viele kleine Pflastersteine übergeblieben, die im öffentlichen Raum verarbeitet werden müssen. Auch ebene Radwege werden mit solchen Pflastersteinen „ergänzt“. Inklusion sieht anders aus…

    Wird das wieder rückgängig gemacht? Wer hat das kontrolliert? Und welche MA ist dafür verantwortlich? Vermutlich die MA 28, für die nun die Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) verantwortlich ist. Vorher war Vize-Bürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) zuständig.

  • Ich habe bereits vor 2 Jahren eine Vortragsreihe zum Thema „Oberflächen für alle“ gestartet. Ich kann bei Bedarf gerne mein Wissen wieder anbieten. Auch in der neuen (Ausgabe 2022) ÖNorm B1600 und der EN 17210 wird das Thema aufgenommen, damit so was nicht mehr passiert.

    • Das Wissen wäre ja da (auch in den Magistratsabteilungen)…