Es lebe der Unterschied

Herkunft, Geschlecht, behindert oder nicht - immer mehr Unternehmen und Organisationen beginnen diese Vielfalt erfolgreich zu nutzen.

Freak-Radio Sendung
Freak-Radio

Noch Mitte der 90iger war das Transport- und Logistikunternehmen TNT ein unbeliebter Arbeitgeber. Unattraktive Arbeitszeiten gekoppelt mit den für die Branche typischen Anforderungen von Flexibilität und Schnelligkeit führten unter anderem dazu, dass viele MitarbeiterInnen frühzeitig kündigten oder sich häufig krank meldeten.

Neues, geeignetes Personal ließ sich kaum finden – zumindest nicht unter jenen 25- bis 49-jährigen weißen nichtbehinderten Männern, die für österreichische Unternehmen häufig die Hauptquelle für neue Mitarbeiter bilden.

Chance durch Vielfalt

Um den chronischen Personalmangel zu bekämpfen, entschied sich das Unternehmen dafür, ältere Personen, Frauen, Menschen mit Behinderungen oder Migrationshintergrund für TNT zu gewinnen und diese Vielfalt auch gezielt zu nutzen. So sprechen MitarbeiterInnen unterschiedlicher Herkunft viele verschiedene Sprachen – für ein international tätiges Transportunternehmen ein unschätzbarer Vorteil.

Neue Sichtweisen

Diversity-Management heißt dieses Konzept, das Vielfalt als Chance auch für wirtschaftlichen Erfolg begreift. Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, sozialer und kultureller Herkunft, sexueller Orientierung, Religion, Fähigkeiten und Behinderungen sollen nach dieser Denkschule zusammenarbeiten und ihre Sichtweisen einbringen. Sichtweisen, die oft nicht nur von MitarbeiterInnen, sondern auch von den vielen unterschiedlichen Kundengruppen eines Unternehmens geteilt werden.

Neue Märkte lassen sich so gezielt bearbeiten, die soziale und kulturelle Durchmischung kann aber, so wie bei TNT, auch das Betriebsklima verbessern. Die Krankenstände sanken um mehr als die Hälfte, das Finden von geeignetem Personal war kein Problem mehr.

Behinderung wird Bereicherung

Die Erfolgsgeschichte von TNT wollen immer mehr österreichische Unternehmen und Organisationen nachmachen. Eine Chance nicht nur für ArbeitgeberInnen, sondern auch für Menschen mit Behinderungen, meint Paulina Sarbinowska. Sie ist gehörlos und Mitglied des Diversity-Teams der Universität Wien. Dort wird Diversity-Management seit 2005 umgesetzt.

Durch die Wertschätzung der Vielfalt „kommt man bei behinderten Menschen weg von der Defizitorientierung und vom Bild des klassischen Behinderten“, so Sarbinowska.

Gehörlosigkeit sichtbar machen

Sie selbst betreibt, im Rahmen des Diversity-Projekts, vor allem Aufklärungsarbeit in Sachen Gehörlosigkeit, denn während ihres Studiums war und ist sie an der Universität mit vielen Barrieren konfrontiert. Damit es gehörlose Studierende künftig leichter haben, will sie Gehörlosigkeit sichtbar machen und Lehrenden und Lernenden an der Universität zeigen, wie man damit umgeht.

Auch bei TNT hat man mit gehörlosen MitarbeiterInnen, im Rahmen des Diversity-Managements, sehr gute Erfahrungen gemacht. Die anfängliche Skepsis war bald überwunden, Angst vor dem Behinderteneinstellungsgesetz und dem erhöhten Kündigungsschutz gibt es keine mehr, denn Vielfalt lohnt sich.

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