EU-Projekt für mehr Barrierefreiheit in Museen präsentiert erste Zwischenergebnisse

"COME IN!", zu Deutsch "Komm rein!", ist der Titel eines EU-Projektes, das im Sommer 2016 gestartet wurde.

Kunsthistorisches Museum in Wien
BIZEPS

Das internationale Projekt ist eine Kooperation zwischen der EU und Behindertenverbänden. 14 Projektpartner aus 6 verschiedenen Ländern Zentraleuropas nehmen teil. Bis 2019 soll „COME IN!“ laufen, dessen Ziel es ist, für mehr Barrierefreiheit in Museen und Kultureinrichtungen in Zentraleuropa zu sorgen.

Wie das gehen soll, das war das Thema einer Veranstaltung im Kunsthistorischen Museum Wien am 6. Juli 2017. Dort wurden das Projekt „COME IN!“ selbst und erste Zwischenergebnisse vorgestellt.

Rotraut Krall, Museumspädagogin im Kunsthistorischen Museum, sowie Erika Plevnik und Johanna Linsberger vom ÖZIV Bundesverband referierten über das bisher Geschehene.

Ziel des Projektes

Das Ziel des Projektes „COME IN!“ ist laut Erika Plevnik, Inklusion vor allem in kleinen und mittelgroßen Museen voranzubringen. Damit das passiert, muss, so gibt sie zu, noch so einiges passieren.

Die erste Bestandsaufnahme vom „COME IN!“ zeigte nämlich, dass es bei den teilnehmenden Museen an Barrierefreiheit eher mangelt. Keines der teilnehmenden Museen erfüllte in allen Bereichen die Vorgaben für Barrierefreiheit.

Wenn im Projekt von Barrierefreiheit gesprochen wird, ist damit nicht nur bauliche Barrierefreiheit, wie zum Beispiel ein stufenloser Eingang gemeint. „COME IN!“ analysiert verschiedene Dimensionen von Barrierefreiheit. Neben der baulichen Barrierefreiheit gibt es die kommunikative Barrierefreiheit, wie zum Beispiel den Einsatz von Gebärdensprache, leichter Sprache und Brailleschrift.

Bei der sogenannten sozialen Barrierefreiheit geht es zum Beispiel darum, ob es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderungen in den Museen gibt. Bei der ökonomischen Barrierefreiheit geht es darum, dass sich auch wirklich jeder den Kulturgenuss leisten kann.

All diese Facetten der Barrierefreiheit sollen nach und nach umgesetzt werden. Bei der Umsetzung hat man nicht nur die Ausstellung selbst im Blick, sondern die ganze sogenannte Dienstleistungskette.

Diese beinhaltet im Falle eines Museums die Anfahrt zum Museum, den Zugang zum Museum, den Kassabereich, die Garderobe, die Kommunikation mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und natürlich die Ausstellung selbst.

Dass die Angestellten eines Museums den Umgang mit Menschen mit Behinderungen und barrierefreie Kommunikation erlernen, ist ein ganz wichtiger Punkt des Projekts. Die sogenannte Accessibility Matrix ist eine Tabelle, die helfen soll, Angebote auf Barrierefreiheit zu überprüfen und sie zu verbessern. Denn, da sind sich alle einig, Barrierefreiheit ist ein nie enden wollender Prozess.

Durch „COME IN!“ sollen Qualitätskriterien, ein Handbuch und ein Gütesiegel entstehen. Das Gütesiegel soll Museen kennzeichnen, die sich mit Inklusion und Barrierefreiheit beschäftigen und entsprechende Maßnahmen umsetzen. 

Auch ins Kunsthistorische Museum nur durch den Lieferanteneingang

Auch am Veranstaltungsort im Kunsthistorischen Museum Wien findet ein Umdenken statt. Leider muss man als Rollstuhlfahrerin oder Rollstuhlfahrer im Kunsthistorischen Museum noch immer durch den Lieferanteneingang, denn der Haupteingang ist nur über Stufen zu erreichen.

Bilder zum Anfassen

Museumspädagogin Rotraut Krall zeigt nach dem Vortrag, wie sich eine Museumsführung für blinde und sehbehinderte Personen anfühlt.

Um die Kunstwerke erfahrbar zu machen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. In sogenannte Thermofolien sind die Bilder eingestanzt. Stärkere Linien stellen Einzelheiten dar, die im Vordergrund oder stark ausgeprägt sind. Weitere Details werden mit schwächeren Linien dargestellt. Mittels Brillen, die verschiedene Sehbehinderungen simulieren, konnte man dies selbst erfahren.

Tastbild im Kunsthistorischem Museum in Wien
BIZEPS

Auch mithilfe verschiedener Gegenstände, wie z.B. Stoffe oder Felle, können bestimmte Details der Bilder fühlbar gemacht werden. Von einem Gemälde gibt es sogar ein 3D-Modell aus Kunststoff.

Rotraut Krall bedauert allerdings, dass es derzeit aus Kostengründen nur wenig tastbare Modelle gibt. Nächstes Jahr sollen in einer Bruegel-Ausstellung mehr 3D-Modelle eingesetzt werden.

2014 wurde ein spezieller Museumskatalog namens „Gemeinsam anders sehen“ entwickelt, der Werke von Bruegel, Rubens, Velázquez und Arcimboldo für blinde und sehbehinderte Menschen in verschiedener Form aufbereitet. Das Buch ist derzeit im Museumsshop des Kunsthistorischen Museums erhältlich.

Diese Führung gab einen kleinen Vorgeschmack darauf, was alles durch „COME IN!“ ermöglicht werden kann. Das Projekt als solches ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Ob sich wirklich etwas an der oft mangelhaften Barrierefreiheit in Museen ändert, wird wohl erst die Zukunft zeigen.

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