EU-Projekt: Mein Recht auf barrierefreies Wohnen

ExpertInnen diskutierten aktuelle Rechtslage

Andrea Ludwig
Andrea Ludwig

51 Prozent aller Befragten einer Studie von GfK Austria haben 2011 angegeben, dass sie zuhause gepflegt werden wollen, sollten sie pflegebedürftig werden.

Nur 13 Prozent aller Wohnungen und Eigenheime in Österreich waren zu diesem Zeitpunkt aber barrierefrei gebaut, obwohl in Österreich laut Mikrozensus von 2007 rund 1,7 Mio. behinderte Personen in Privathaushalten leben. Stufen und Türschwellen, die mit dem Rollstuhl nicht befahren werden können, Griffe und Schalter, die in unerreichbarer Höhe sind, kein Aufzug im Haus – für alte oder behinderte Menschen können solche Barrieren das Leben in der eigenen Wohnung immens erschweren oder ganz unmöglich machen.

Wer sich entschließt, seine Wohnung barrierefrei zu adaptieren, ist mit einer Reihe von rechtlichen Fragen konfrontiert: Welche Rechte habe ich als WohnungsmieterIn? Muss der Vermieter/die Vermieterin einem Umbau zustimmen? Welchen Anspruch auf Förderung der Kosten habe ich?

Rechtswissenschaftliche Studie

Antworten auf diese Fragen versucht Klagsverbands-Juristin Andrea Ludwig mit einer rechtswissenschaftlichen Studie zu geben, an der sie derzeit im Rahmen des Projektes „Wohnbau barrierefrei“ arbeitet. Dazu hat die Gleichstellungsexpertin auch MieterInnen- und BehindertenberaterInnen gebeten, ihr über ihre Erfahrungen mit dem Thema zu berichten. Welche Anfragen diese von Personen bekommen, die ihre Wohnung barrierefrei gestalten wollen und welche Lösungen es auf dem Gebiet gibt, das hat Ludwig gestern mit Fachleuten diskutiert.

Die Ergebnisse des Gesprächs werden in die Studie Eingang finden. Neben einem Überblick über die europäische und die nationale Gesetzgebung im Bereich privates Wohnrecht soll in der Studie aufgezeigt werden, was in Österreich bereits funktioniert und wo Lücken bestehen. Weiters werden Empfehlungen für die Gesetzgebung und Vollziehung formuliert.

Nicht zuletzt wird die rechtliche Situation in Österreich im Spiegel der UN-Behindertenrechtskonvention betrachtet, mit der sich Österreich verpflichtet hat, geeignete Maßnahmen zu treffen, damit Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigter Zugang zu Gebäuden – einschließlich Wohnhäusern – gewährleistet ist. Deshalb werden Empfehlungen ausgearbeitet, wie die Rechtslage gestaltet werden kann, um der Konvention zu entsprechen.

EU-Projekt

Mit der Studie soll die Wohnsituation von alten und behinderten Menschen verbessert werden. Sie wird im Rahmen eines EU-Projektes erstellt, das der Klagsverband gemeinsam mit WienWork und der ÖAR durchführt. Neben der rechtswissenschaftlichen Studie wird sich eine weitere mit den technischen Voraussetzungen für barrierefreies Wohnen beschäftigen, bei der die Erfahrungen von Menschen mit Behinderung einfließen.

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0 Kommentare

  • Die genannten 13% barrierefreie Wohnungen sind Umfrageergebnisse. Strengere technische Untersuchungen in Deutschland legen nahe, dass nur ca. 5% aller bestehenden Wohnungen/Wohnanlagen den Standards der Barrierefreiheit entsprechen.Ich fürchte, das wird bei uns nicht besser sein. Siehe:
    http://www.bmvbs.de/cae/servlet/contentblob/67012/publicationFile/38380/wohnen-im-alter-forschungen-heft-147.pdf

  • gerade ist die rede davon im öffentlich rechtlichen fernsehen, dass die wohnbauförderung so wenig ausgeschöpft wurde, dass die länder sie z.b. zum strassenbau verwendeten. ich versteh einfach nicht, wieso nicht offensiv in barrierefreien umbau investiert wird.

  • Ich wohne in einer Mietwohnung deren Miete extrem hoch ist. Für Menschen mit einer Behinderung gibt es keine dementsprechende Rechtsberatung und mit den sogenannten Förderungen istdas gar nicht so einfach. Nach meinen Erfahrungen hat man gar nicht das Recht allein zu leben.
    Die Studie finde ich sehr gut. Vielleicht kann man auch Menschen aus abgelegen Regionen mit einbeziehen.(z.B. Waldviertel….)

  • Barrierefreiheit ist bei Neubauten im privaten Wohnbau relativ einfach umsetzbar, einzige Voraussetzung: der gute Wille und etwas Einfallsreichtum des Bauplaners.

    Im öffentlichen Wohnbau gibt es im viertgrößten Bundesland Österreichs de facto keine geeigneten Wohnungen für Schwerstbehinderte. Vermutlich wird sich daran auch in nächster Zukunft nicht viel ändern.

  • Ein Problem mit Aufzügen ist auch, dass es praktisch immer nur einen gibt. Ist der kaputt, ist es für andere Bewohner eine kleine Lästigkeit, für uns aber eine große (wenn wir in der Wohnung sind) bis sehr große Katastrophe (wenn wir gerade außerhalb waren). Oft müßte das nicht so sein, v.a. in Gebäuden mit mehreren Stiegen. Da gibt es mehrere Aufzüge – nur werden die Stiegen aus überzogener Feuerhysterie komplett getrennt gebaut und man hat nichts davon. Eine gute Feuerschutztür würde auch reichen, durch die einen der Hausmeister oä im Fall einer Aufzug-Reparatur lassen kann.