Eurovision Song Contest 2026 – Ein Event für alle?

Mit dem Eurovision Song Contest (ESC) 2026 wollten die Stadt Wien und der ORF neue europäische Standards im Bereich Barrierefreiheit und Inklusion setzen. Ein „Event für alle“ wurde angekündigt. Ähnliches konnte man bereits 2015, beim letzten ESC in Wien, in den Medien lesen. Konnte das Ziel 2026 erreicht werden? Wie fällt der Vergleich zu 2015 aus?

Eurovision Song Contest Siegerin 2026 Dara aus Bulgarien und Karin Ofenbeck
Karin Ofenbeck

Ich bin Rollstuhlfahrerin und ein großer ESC-Fan. 2015 und auch dieses Jahr durfte ich beim ESC in Wien als Besucherin und freiwillige Mitarbeiterin dabei sein und die wichtigsten Orte – Stadthalle, EuroVillage, EuroFanHouse und EuroClub – besuchen.

Hier eine Erklärung, warum der ESC 2026 nicht nur einen fulminanten Sieg für Dara aus Bulgarien, sondern auch für die Barrierefreiheit gebracht hat.

Expertinnen für Barrierefreiheit

Die klügste Entscheidung von ORF und Stadt Wien war, mit FullAccess einen erfahrenen Partner für Barrierefreiheit an Bord zu holen. Christina und Martina waren beim ESC von Anfang an präsent und für Besucher:innen sowie Volunteers mit Behinderungen praktisch immer erreichbar – online, im EuroVillage, im Volunteer Center oder in der Stadthalle.

Vom Casting über Kick-off und EuroVillage bis zu den Shows in der Stadthalle und der Farewell Party begleiteten mich die beiden auf allen Stationen.

Vielfalt von und mit Menschen mit Behinderungen

Im Vergleich zu 2015 hat man dieses Jahr mit einer Kampagne gezielt Menschen mit Behinderungen angesprochen, um sie als Volunteers zu gewinnen. Das hat mich und andere Menschen mit Behinderungen abgeholt und sich in der Vielfalt der Volunteers abgebildet.

Zu beobachten war auch, dass bei allen Maßnahmen die gesamte Bandbreite der Besucher:innen mit Behinderungen mitbedacht wurde. Motorische, sensorische und neurodivergente Bedürfnisse wurden berücksichtigt.

Karin Ofenbeck am Eurovillage am Rathausplatz
Karin Ofenbeck

Informationsaufbereitung zur Barrierefreiheit

Wenn ich auf Kulturveranstaltungen gehe, finde ich selten alle notwendigen Informationen online. Oft sind gesonderte Wege nötig, um Rollstuhltickets zu erhalten oder zu erfahren, ob es eine rollstuhlgerechte Toilette gibt etc.

Beim ESC 2026 wurden alle notwendigen Informationen zur Barrierefreiheit online auf verschiedenen Websites, in FAQs und Apps zur Verfügung gestellt. Auch im Fernsehen und im Radio wurde über die Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen berichtet.

Barrierefreiheit vor Ort

Meine Kritikpunkte zur fehlenden Barrierefreiheit im Jahr 2015 waren 2026 nicht existent. Aber nicht nur das: Es gab so viele Maßnahmen und Services für Menschen mit Behinderungen, dass der Platz hier gar nicht ausreicht, um alle zu erwähnen.

Die Veranstaltungsorte wurden weise gewählt und verfügten grundsätzlich über einen hohen Standard an Barrierefreiheit.

Ergänzt wurden zusätzlich physische Maßnahmen wie Special-Needs-Eingänge, Rollstuhlplattformen, eigene Infopoints, Safer-Space-Ruheräume, Auflademöglichkeiten für Hilfsmittel, Reizentlastungsausstattung, Induktionsschleifen, Vibrationswesten u. v. m., aber auch Services wie Touch Tours und ein Abhol- und Begleitservice.

Ich kann nur meinen Hut ziehen. Statt Abenteuer gab es pure Freude.

Rollstuhlplattform im Eurovillage am Rathausplatz
Karin Ofenbeck

Digitalisierung

Die Digitalisierung hat Einzug in unser Leben gehalten. Im Vergleich zu 2015 schlug sich das in einem größeren Angebot für Menschen mit Behinderungen nieder: Sign Performances, Untertitelung, Audiodeskription und Gebärdendolmetschung.

Auch bei uns Volunteers erfolgten der gesamte Austausch und die Organisation nur mehr über E-Mail, WhatsApp oder die Volunteers-App.

Vergessen waren die unbeholfenen Schritte auf meinem ersten Smartphone, das ich 2015 wie alle Volunteers von Microsoft gesponsert bekommen habe, oder die tagtäglichen Pilgerreisen ins Volunteer Center mit der Hoffnung, hier spontane Schichten abzusahnen.

So lästig die langen Wartezeiten damals auch waren, ergaben sich dabei doch oft gute Gespräche, was ich heuer etwas vermisst habe.

Sicherheit

Bereits 2015 gab es beim Song Contest strenge Sicherheitsvorkehrungen. 2026 war dies ähnlich. Es herrschten eine strikte No-Bag-Policy, flughafenähnliche Kontrollen und Zutrittskontrollen.

All diese Sicherheitsmaßnahmen waren oft hinderlich, wenn man barrierefrei von A nach B kommen wollte. Wenn man zusätzlich, so wie ich, auf Persönliche Assistenz angewiesen ist, konnte es richtig kompliziert werden.

Da mein „Arbeitsplatz“ heuer im EuroFanHouse war, wo man ohne Akkreditierung hinkommen konnte, ersparte mir das viele Nerven. Und die Befürchtung, dass ich hier weit weg von den Stars sein würde, war unbegründet.

Karin Ofenbeck bei der Arbeit im Eurofanhouse
Karin Ofenbeck
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