Fehlende Barrierefreiheit bei deutschen Onlineshops

Nur ein Fünftel der Onlineshops in Deutschland ist für Menschen mit Behinderungen barrierefrei nutzbar. Das hat eine Untersuchung des Suchmaschinenbetreibers Google und der „Aktion Mensch“ ergeben.

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Bequem Dinge von zuhause aus online Einkaufen, ist für alle praktisch und sollte im digitalen Zeitalter selbstverständlich sein. Doch für Menschen mit Behinderungen ist der Onlineeinkauf immer noch mit zahlreichen Hindernissen verbunden.

Eine Untersuchung der wichtigsten Online-Shops in Deutschland auf digitale Barrierefreiheit, die von der Aktion Mensch, BITV-Consult, Google und der Stiftung Pfennigparade im Juni 2023 durchgeführt wurde, liefert hinsichtlich digitaler Barrierefreiheit ein ernüchterndes Ergebnis.

Die Untersuchung

Die ausgewählten Internetseiten wurden von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen getestet, die je nach Einschränkung unterschiedliche unterstützende Technologien, wie zum Beispiel Spracheingabe, eine Spezial-Maus oder Spezial-Tastatur, einen Joystick, Augensteuerung oder Screenreader nutzten.

Die Internetseiten wurden zunächst manuell darauf getestet, ob sie mit der Tastatur bedienbar waren. Wenn das gegeben war, testete man auf weitere Kriterien.

  • Sind auszufüllende Formularfelder verständlich beschriftet und erklärt?
  • Ist die Textgröße änderbar?
  • Sind die Kontraste von Texten und Grafiken ausreichend groß?
  • Sind multimediale Inhalte für alle Menschen erfassbar?
  • Können Nutzer:innen multimediale Inhalte pausieren, beenden, ausblenden?
  • Sind Überschriften und Beschriftungen aussagekräftig und verständlich?
  • Sind interaktive Elemente (beispielsweise Buttons oder Drop-Down-Menüs) durch unterstützende Technologien auslesbar?

Fehlende Kontraste und Tastaturbedienbarkeit

Nur ein Fünftel der untersuchten Shops waren barrierefrei. Eine der häufigsten Hürden waren zum Beispiel die Tastaturbedienbarkeit. Nur 15 von 71 untersuchen Internetseiten waren alleine über die Tastatur und damit ohne Maus bedienbar. Dabei stellt die Tastaturbedienbarkeit für viele Menschen mit Behinderung eine Grundvoraussetzung für barrierefreie Nutzung dar.

Eine weitere Schwierigkeit ist das Fehlen eines sichtbaren Tastaturfokus. Menschen mit einer Sehbehinderung können so nur schwer erkennen, welches Element sie gerade ausgewählt haben.

Häufig fehlen auch Kontraste, was die Lesbarkeit von Texten oder das Identifizieren wichtiger Symbole erschwert. Eine falsche oder unlogische Tab-Reihenfolge erschwert es Nutzer:innen mit Behinderung, durch die Online-Shops zu navigieren, sich über Produkte zu informieren und diese auszuwählen.

Eine weitere Hürde stellen eingeblendete Inhalte wie Banner oder Cookie-Overlays dar, die den Hauptinhalt der Internetseite verdecken und sich nicht ohne weiteres schließen lassen.

Digitale Barrierefreiheit endlich umsetzen!

Mit der Umsetzung des „European Accessibitlity Act” im neuen deutschen „Barrierefreiheitsgesetz (BaFG)“ müssen Onlineshops in Deutschland spätestens ab dem 28. Juni 2025 barrierefrei zugänglich sein.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass es noch viel Luft nach oben gibt, wenn es um die Barrierefreiheit deutscher Onlineshops geht.

„Digitale Teilhabe zählt zu den zentralen Rechten von Menschen mit Behinderungen, die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben. Und die hat Deutschland bereits 2009 ratifiziert – das ist nun bereits 15 Jahre her. Barrierefreiheit muss endlich umgesetzt werden – jetzt und überall!“, so Jürgen Dusel, Beauftragter der  deutschen Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, auf der Internetseite von Aktion Mensch.

Den Bericht über die Ergebnisse der Untersuchung finden Sie auf der Internetseite von Aktion Mensch.

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