FlixBus zeigt bei Barrierefreiheit wenig Engagement

Trotz entsprechender Regelungen im deutschen Personenfördergesetz, die besagen, dass alle neu zugelassenen Busse verpflichtet sind, zwei Stellplätze für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer anzubieten und dass ältere Busse bis 2020 umgerüstet sein müssen, tut sich bei FlixBus - einem der größten Fernbusunternehmen - in Sachen Barrierefreiheit wenig.

Flixbus mit Hebelift
Andreas Pöschek

Die Möglichkeit einer Fernbusfahrt ist für Menschen, die einen Rollstuhl nutzen, sehr erschwert. Wie BIZEPS berichtete, bescheinigte eine 2017 durchgeführte Studie des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. dem deutschen Fernbuslinenmarkt mangelhafte Barrierefreiheit.

Wenig offen für das Thema Barrierefreiheit zeigt sich das Fernbusunternehmen FlixBus. „Im Jahr 2017 hielt FlixBus einen Marktanteil von über 93 % im deutschen Fernbusmarkt“, ist auf Wikipedia zu lesen.

In einem Beitrag von SWR Aktuell aus dem Jahr 2015 wird die Mitnahme von Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrern von FlixBus als wirtschaftliche „Herausforderung“ und als „zu zeitaufwändig“ bezeichnet.

2018 nun alles besser?

FlixBus-Pressesprecher Martin Mangiapia gab im Sommer 2018 bekannt, dass ein großer Teil der FlixBus-Flotte mit je zwei Rollstuhlplätzen ausgestattet sei. Das klingt sehr vage und die Informationen für Menschen mit Behinderungen auf der Firmenhomepage besagen das Gegenteil.

Dort heißt es nämlich (Stand: 10. Dezember 2018):

Es sind jedoch derzeit noch nicht alle notwendigen Voraussetzungen erfüllt, um alle Fahrgäste zu jeder Zeit und auf allen angebotenen Linien befördern zu können. Dies hängt zum einen mit den baulichen Gegebenheiten unserer eingesetzten Busse zusammen, zum anderen sind die Voraussetzungen der Infrastruktur nicht an jeder Haltestelle barrierefrei. FlixBus verfügt bisher nur über einige wenige barrierefreie Busse, die flexibel auf mehreren Linien eingesetzt werden.

BIZEPS wollte es daher genauer wissen und hat bei FlixBus schriftlich nachgefragt, wie es um die Barrierefreiheit der Busse im Detail bestellt ist.

BIZEPS stellte an FlixBus u.a. folgende Fragen:

  • Hat FlixBus Hochflurbusse mit Einstiegshilfe und, wenn ja, wie viele?
  • Wie können die Kunden eigenständig erkennen, welche Hochflurbusse mit einem Hebelift ausgestattet sind?
  • Gibt es einen Ausbauplan für die Barrierefreiheit der Busse und kann man konkrete Meilensteine nennen (beispielsweise wie viel Prozent der Busse bis Ende 2019 barrierefrei sein werden)?
  • Gibt es einen konkreten Ansprechpartner und genauere Informationen im Internet zum Thema Barrierefreiheit?
Flixbus
Flixbus

Was FlixBus antwortete:

Das Ergebnis war ein mehrfacher Mailverkehr zwischen BIZEPS und FlixBus-Pressesprecher Martin Mangiapia.

Er teilte unter anderem mit: „Alle Hochdecker sind mit einem hydraulischen Hublift ausgestattet und die Doppeldecker in der Regel mit einer klappbaren Rampe. Wieviele Hochdecker/Eindecker wir im Einsatz haben, ist ad hoc nicht leicht zu beantworten. Wir haben eine sogenannte atmende Flotte, die sich, um so effizient und ökologisch wie möglich zu sein, dem Fahrgastaufkommen anpassen kann.“

Die Möglichkeit, eigenständig zu erkennen, welche Hochflurbusse mit einem Hebelift ausgestattet sind, hat man laut Pressesprecher Mangiapia nicht.

Man müsse sich an den Kundenservice wenden: „Es gibt keinen konkreten Ansprechpartner, man kann sich aber an den Kundenservice wenden. Eine Fahrt mit dem Rollstuhl muss angemeldet werden – so kann der Kundenservice den Platz reservieren bzw. prüfen, ob die entsprechende Fahrt barrierefrei möglich ist. Entsprechende Infos finden Fahrgäste in unseren AGB.“

Konkrete Ausbaupläne zur Barrierefreiheit?

Ausbaupläne und Meilensteine gibt es offenbar auch nicht, denn der FlixBus-Pressesprecher führt aus:

Bzgl. des Meilensteins kann ich Ihnen keine sinnvolle Antwort geben: Wenn alle neuen Busse barrierefrei sind und das Gesetz eine entsprechende Anpassung bis zum Jahr 2020 vorschreibt, ergeben sich keine Meilensteine zwischen jetzt und in 2 Jahren. In 2 Jahren ist die gesamte Flotte im deutschsprachigen Raum barrierefrei. … Im gesamten deutschsprachigen Raum sind aktuell 45% der Busse barrierefrei.

Manche der Antworten von FlixBus sind sogar hochgradig skurril. So wurde BIZEPS von FlixBus auch mitgeteilt:

Allgemein stellt die Barrierefreiheit uns und alle anderen Fernbusanbieter vor einige Herausforderungen: Nicht nur, dass bisher von den Herstellern keine serienmäßige Lösung für barrierefreie Busse geliefert werden kann, auch der überwiegende Teil der deutschen Fernbushaltestellen ist nicht behindertengerecht ausgestattet.

Darüber hinaus sind Rollstühle oft individuelle Sonderanfertigungen, ein universell nutzbares Sicherungssystem an Bord ist also nicht umsetzbar.

Ein Großteil der in Deutschland gängigen Rollstühle ist außerdem nicht als Fahrzeugsitz geeignet und viele Elektrorollstühle sind mit Batterien ausgestattet, die laut BOKraft nicht im Fahrgastraum befördert werden dürfen. Aus diesen Gründen wird auch an Bord der barrierefreien Fernbusse die Beförderung zahlreicher Rollstühle weiterhin nicht möglich sein. 

Ähnliche Argumente findet man auch in einem Positionspapier der Lobbyorganisation „Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer e. V.“ aus dem Jahr 2014. Die Organisation hat sich aber inzwischen weiterentwickelt.

Fazit

Die erhaltenen Informationen von FlixBus sind nicht vertrauenserweckend. Auffällig ist auch, dass es bei FlixBus keinen Ansprechpartner für das Thema Barrierefreiheit gibt. Die Nicht-Übermittlung von detaillierten Informationen zur Barrierefreiheit der Flotte muss ebenfalls äußerst kritisch gesehen werden.

Die Antworten von FlixBus sind nicht aussagekräftig. Unsere Fragen blieben in einem erheblichen Ausmaß unbeantwortet. Das sagt allerdings auch einiges aus, finden wir.

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8 Kommentare

  • Danke für den Artikel.
    Ich sitze auch im Rolli (Aktivrolli) und habe versucht mit dem Busunternehmen zu fahren (diesen oder letzten Sommer) und auf der Website war es sehr schwieg zu erkennen, was dieser Rollstuhlplatz sein soll (wovon es glaube zwei pro Bus gibt). Der Kundenberater konnte mir außerdem nicht wirklich helfen. Da diese Rollstuhlplätze zu der Zeit anscheinend für Leute war die reinlaufen/krabbeln oder was auch immer können bzw. Die Begleitperson könnte helfen.
    Das Thema war auch dass er nicht verstehen wollte, dass ich alleine reisen möchte. Ich hatte das Gefühl er hatte keine Ahnung worüber er spricht.
    Schade, die neu gekauften Busse könnten einen lift haben. Sie wurden doch erst die letzten Jahre gekauft. So langsam sollte man sich darauf einstellen. Auch wenn es schwierig und kostenintensiver ist. Wäre mal ein Anfang.

  • Danke BIZEPS für die wichtige, hartnäckige Nachfrage und Reportage. Es ist eine absolute Frechheit, wie sich FlixBus in Zeiten von Gleichstellung, UN-Konvention und entsprechender nationaler und internationaler Gesetzgebung bezgl. Barrierefreiheit verhält. Sie tun so, als sei es ihre Wahlfreiheit uns das Mitfahren zu ermöglichen oder nicht. Dabei ist es die Pflicht des Unternehmens! Ich habe, als ich einmal eine Reise für eine Freundin mit Mobilitätsbehinderung buchen wollte, ähnlich skurrile und kundenunfreundliche Erfahrungen mit FlixBus gemacht, wie BIZEPS sie hier schildert.
    Wir werden alle gut daran tun das Unternehmen in Zukunft in eine Reihe von Schlichtungsverfahren zu verwickeln und auch wiederholt Schadensersatz einzuklagen. Solche Unternehmen verstehen nur die Sprache des Geldes. Leider!

  • Bin selber in diesem Bereich tätig. Problem bei Flixbus – ist kein Busbetreiber – sondern bedient sich bei solchen. zB Blaguss, Dr. Richard usw. Die Ausstattung der Busse ist sehr unterschiedlich. Bin einmal im Bus der Vienna Capitals im Linienverkehr unterwegs gewesen, der hat eine Ausstattung wie ein VIP Bus. Es gibt aber auch Betreiber deren Busse die Ausstattung aus den frühen 2000 er haben. Ähnlich jener Reisebusse die früher auf der Airport Line in Wien gefahren sind.

  • Hatte mich letztes Jahr am Busstannd in Linz
    Hotel Ibis bzgl. Rollstuhlfahrer mit dem Busfahrer unterhalten.
    Der Bus war mit Rampe und Rollstuhlzeichen ausgestattet.
    Lt. Aussage des Busfahrers hat man den Auftrag von der Geschäftsführung erhalten, Rollstuhlfahrer nicht mitzunehmen-(dürfen nicht transportiert werden)

  • Ich bin schon einmal mit so einem Bus von Rieder Reisebüro gefahren das ist eine tolle Sache. Ich denke wenn die Reisebüro wollen das Menschen mit Behinderung mit ihren Busen fahren dann werden sie es auch machen. Aber ohne Wille geht nichts.

  • danke für diesen bericht, es bestätigt meine erfahrungen … ob dieser anbieter in 2-4 jahren, überhaupt als solcher, noch existiert ist eine andere frage !
    eine blödere ausrede (zitat: …Herstellern keine serienmäßige Lösung für barrierefreie Busse geliefert werden…) gibt es wohl nicht – JEDER hersteller bietet diese lösungen an: nur wird der auftrags-km-preis so nieder gehalten, dass wohl der mehraufwand bei der anschaffung von bussen ein thema ist …
    es ist zu hoffen, dass u.a. „bizeps“ an diesem thema dran bleibt … gleiches ist ja wohl auch bei allen anderen linien in „Ö“ ein/das gleiches thema !!!