Filmfestivals | aus der Rollstuhlperspektive

Ein Rundblick.

Kameramann filmt
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Viennale ´09 | 22. Oktober bis 4. November 2009, Wien

Wer voriges Jahr den US-amerikanischen Antikriegsfilm COMING HOME (Hal Ashby, USA 1977), den ersten Film der Filmgeschichte, der eine Liebes-Sex-Szene mit einem Rollstuhlfahrer zeigt und Jane Fonda nicht gehört hat, wie sie darüber freimütig und weise im Wiener Gartenbau sprach, hat großes Kino und einen schönen Abend verpasst.

Die Viennale ´09 ist eröffnet und bringt unter mehr als 300 Filmen auch einen Klassiker des Nachkriegs-Kinos, in dem Männer mit Behinderung eine prominente Rolle spielen: THE MEN (Fred Zinnemann, USA 1950). Der Film inszeniert Behinderung als Kampf das Leben aufzunehmen und zeigt wie massiv innere und Barrieren den Protagonisten Ken Wilcheck (Marlon Brando) anfänglich daran hindern.

Der Film wurde im Rehabilitationszentrum gedreht, die Rollstuhlfahrer spielen sich selbst, wirkt dadurch kraftvoll und authentisch. Marlon Brando, in seinem Filmdebüt, gibt in der Rolle des „Mannes mit Behinderung“, vom Krankenhaus entlassen, zu Hause mit seiner Situation nicht zu Rande kommend, eine der stärksten Szenen im Film.

Dieser Film steht gleichsam am Anfang der heutigen Behindertenbewegung. Zu sehen am 1. November 2009 um 18:30 Uhr im Metro Kino, in Anwesenheit von Tim Zinnemann, dem Sohn des 1907 in Wien geborenen Regisseurs.

In der Retrospektive „Early Austrians“ die das Kino der 1910er und 1920er Jahre umfassen, werden, wie damals üblich, Menschen mit Behinderung als Schauobjekt inszeniert. In dem nur zweiminütigen Beitrag Defilé von österreichischen Kriegsinvaliden (ca. 1918) sieht man Kriegsversehrte in Begleitung von Pflegepersonal und Arm- und Beinamputierte.

Wer weitere sozialkritische Filme sucht, klickt www.viennale.at und findet im V ´09 Kompass u. a. die Rubriken: Porträts, Geschichte & Erinnerung, Arbeit, Strukturelle Gewalt / Krieg, Sex & Politik, Religion / Weltanschauung, Orte, Kindheit / Coming of age, Migration, Gefängnis / Polizei.

Alle Kinos der Viennale sind barrierefrei. Die Viennale-Zentrale www.badeschiff.at nur mit Einschränkungen. (Siehe Interview)

7. Int. Kurzfilmfestival „Wie wir leben“ | 4. bis 7. November 2009, München

Das Kurzfilmfestival „Wie wir leben!“, ein Spartenfestival, gänzlich dem Thema Behinderung gewidmet, geht an vier Abenden im Münchner Filmmuseum über die Bühne. Das Erfolgskonzept der Münchner besteht darin, nicht nur ausgewählte gute Filme zu zeigen sondern auch die FilmemacherInnen und die HauptdarstellerInnen der gezeigten Filme zum Festival einzuladen, wo sie dem Publikum Rede und Antwort stehen.

Über 25 Kurzfilme, die „das Leben und das Lebensgefühl von Menschen mit Behinderungen, chronischen und psychischen Erkrankungen“ zeigen, kommen dieses Jahr aus Australien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Indien, dem Iran, Italien, Norwegen, Polen, Schweiz, der Tschechischen Republik und den USA. (Das Festivalprogramm)

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