Finanzierung der Wiener Linien bis 2031 gesichert – Auch Barrierefreiheit wird Qualitätskriterium

Die Stadt Wien schließt gerade mit den Wiener Linien einen Vertrag über 15 Jahre im Gesamtwert von zumindest 7,4 Milliarden Euro ab. Dieser ist auch mit Verpflichtungen - u.a. Barrierefreiheit - verbunden.

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Wiener Linien

Der alte Vertrag endet im Jahr 2016 und daher fand im Finanzausschuss am 13. April eine Sitzung samt Beschluss zum neuen Vertrag statt. Der endgültige Beschluss im Wiener Landtag erfolgt in einigen Wochen.

Im Gegensatz zur bisherigen Praxis wird es in Zukunft auch ein Bonus-Malus-System geben. Sprich es werden auch Teile der Zahlungen an das Erreichen von gewissen Vorgaben geknüpft.

„Fester Bestandteil des neuen Finanzierungsvertrages sind neben einem definierten Angebot an Plätzen und Kilometern auch zahlreiche Qualitätskriterien, die seitens der Wiener Linien zu erfüllen sind“, sagte – laut ORF – ein Sprecher von Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ).

Details zum Bonus-Malus-System

Wovon hängt das Bonus-Malus-System konkret ab? Als Qualitätskriterien werden beispielsweise Sauberkeit, Kundenzufriedenheit, Sicherheit oder Barrierefreiheit genannt. Im Vertrag heißt es dazu: „Zur Sicherstellung des bestehenden Qualitätsniveaus der Personenverkehrsdienstleistungen der Wiener Linien wird ein qualitatives Anreizsystem geschaffen. … Die Messung der Verkehrsqualität beruht auf objektiv messbaren und subjektiv bewerteten Messgrößen.

Unter den 9 erwähnten Qualitätskriterien ist die Nr. 8 „Barrierefreiheit“ interessant. Auch wenn dieser Punkt relativ minimalistisch ausgeführt ist, stellt dies für Österreich eine Neuheit dar. Als Bezugsgröße wurde die Verfügbarkeit (Betriebszeit) von Aufzügen und Fahrtreppen gewählt. Bei Aufzügen wurde als Soll-Niveau (auf Basis von 2013) ein Wert von 98,1 % gewählt; bei Fahrtreppen immerhin noch von 96,7 %.

Auch das Qualitätskriterium Nr. 4 „Zuverlässigkeit“ stellt einen Aspekt von Relevanz dar. Hier wird beispielsweise die Ausfallqoute für Niederflurfahrstraßenbahnen herangezogen. Konkret beträgt das Soll-Niveau (auf Basis von 2013) 95 %.

Barrierefreiheit als Qualitätskriterium unbestritten

„Ich bin sehr froh über den neuen Finanzierungsvertrag der Wiener Linien, denn er garantiert ab 2017 die langfristige Finanzierung unseres öffentlichen Verkehrs“, hält Vizebürgermeisterin Mag.a Renate Brauner gegenüber BIZEPS-INFO fest.

Die Vizebürgermeisterin führt aus: „Dabei haben wir erstmals auch qualitative Kriterien wie Pünktlichkeit, Anschlusssicherheit oder Barrierefreiheit in den Vertrag aufgenommen, die jährlich überprüft werden und je nach verbesserter, gleichbleibender oder negativer Entwicklung mit positiven oder negativen finanziellen Anreizen verbunden sind.“

Was soll damit erreicht werden? „Damit haben wir, glaube ich, eine gute Grundlage geschaffen, dass die Wiener Linien in den kommenden Jahren auch den Weg zur Verbesserung von Zugänglichkeit und Barrierefreiheit Schritt für Schritt weitergehen“, so die Vizebürgermeisterin abschließend.

Erfreut zeigt sich auf BIZEPS-INFO Anfrage auch Landtagsabgeordneter DI Martin Margulies, Finanzsprecher der Grünen im Wiener Landtagsklub. Er streicht hervor: „Ich sehe es als Erfolg, dass Barrierefreiheit als Qualitätskriterium Eingang in den ÖPNV-Vertrag findet, wobei das Funktionieren von Rolltreppen und Aufzügen sowie die Verfügbarkeit von Niederflurfahrzeugen diesbezüglich nur ein erster Schritt sein kann.“

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0 Kommentare

  • @ Dietmar Janoschek: Was Sie schreiben, stimmt. Hat aber leider auch mit uns zu tun, da wir von älteren und/oder ahnungslosen (z/v)ertreten werden, die geführt werden und nicht selbst gehen. Das Blindenbild ist halt noch immer der Pflegebedürftige mit seinem Betreuer.

    Ich frage mich auch, ob Barrierefreiheit so ein guter Begriff ist und nicht durch Rollstuhlgerecht, Sehbehindertengerecht usw. ersetzt werden sollte, da bei der Kennzeichnung die Nichtberücksichtung ersichtlich würde. Dem Barrierearmutsbegriff kann ich auch nicht viel entnehmen.

  • Ja auch als zertifizierter Gerichtssachverständiger für barrierefreies Bauen und Gestalten stelle ich seit 20 Jahren leider fest, dass für die meisten Menschen Barrierefreiheit nichts anderes als Rollstuhlgerechtigkeit ist und auf die Barrierefreiheit für blinde, sehbehinderte, hörbehinderte Menschen etc. vergessen wird. Rollstuhlgerechtigkeit ist extrem wichtig, dabei dürfen aber andere Gruppen nicht auf der Strecke bleiben!

  • Sehr schade, dass sich in diesem Vertrag die Barrierefreiheit nur über Lifte und Rolltreppen definiert bzw. nur diese überprüft werden soll. Sehbehinderte dürfen dann weiterhin durch unhörbare Busse und schlecht hörbare ULF Straßenbahnen an Leib und Leben gefährdet werden und diese Verkehrsmittel versäumen, weil wir sie nicht bemerken. Wiener Linien dürfen sich dann trotzdem mit der Barrrierefreieit schmücken!
    Es wäre wünschenswert, dass sich endlich alle Behindertenorganisationen auch für die Anliegen aller Behinderungsgruppen einsetzen!