38. Woche 2026 – Changing Place bei Niagara Parks Power Station
Geräumige barrierefreie Toiletten mit Liege werden auch Changing Places genannt. Dort kann auf einer Liege liegend die Kleidung an-/ausgezogen werden. …
Juli und August, Urlaubszeit. Viele Destinationen sind bequemer oder sogar ausschließlich per Flugzeug erreichbar. Ein Kommentar.
Schon zu Beginn des Urlaubstags beginnt der Stress: Wird es einen Stau geben? Wie viele Leute stehen bei der Gepäckaufgabe, beim Sicherheitscheck?
Vor lauter Panik vor drohender Verspätung fahre ich früher los und muss dann Zeit verbringen an einem der neurodivergenz-unfreundlichsten Orte, die es gibt.
Stimmengewirr, unverständliche Durchsagen, Musik, irgendwo weint ein Baby, vermutlich genauso irritiert von dieser Kakophonie wie ich.
Das Licht ist grell, intensive Gerüche vermischen sich. Dort die Leberkäsesemmel, da die Pizza.
Überall Leute, ein unübersichtliches Gewusel, immer wieder wird man angerempelt, muss sich durch Gruppen manövrieren.
Finde ich dann einen Platz, habe ich keine Ruhe: Neben, wenn nicht halb auf mir, sitzt garantiert einer von den Menschen, der noch nichts von der Erfindung der Kopfhörer gehört hat. Doch Entspannung ist ohnehin unmöglich, denn mein Nervensystem steht unter Strom, mein Gehirn bombardiert mich mit Fragen: Wie spät ist es? Wo ist mein Gate? Soll ich noch aufs Klo? Was haben die da durchgesagt?
Meine Empfehlung an neurodivergente Flugreisende: Plant (wenn möglich) einen Ankunftstag ein, an dem ihr euch aufs Hotelzimmer zurückzieht oder einen kleinen Spaziergang macht, um euer Nervensystem zu beruhigen.

Der Flughafen Wien ist Teil der Hidden Disabilities Sunflower Initiative: Das grüne Band mit Sonnenblumen soll zeigen, dass der Träger/ die Trägerin eine unsichtbare Behinderung hat. Wird mir damit Barrierefreiheit ermöglicht? Leider nein.
Auf der Homepage des Flughafens ist zu lesen: „Der Flughafen Wien ist stolz, Teil des Hidden Disabilities Sunflower Initiative zu sein. Falls Sie oder Mitreisende eine unsichtbare Beeinträchtigung haben, können Sie mit der Sonnenblume signalisieren, dass Sie möglicherweise zusätzliche Unterstützung, Verständnis oder etwas mehr Zeit benötigen. […] Bitte beachten Sie, dass Träger der Sonnenblume keinen Anspruch auf bevorzugte Behandlung haben, z.B. Fast Track Sicherheitskontrolle, Lounge Zugang oder PRM Service.“
Unterstützung, Verständnis und Geduld haben meiner Ansicht nach nichts mit Barrierefreiheit zu tun, sondern sollten im Umgang mit Kund:innen selbstverständlich sein. Oder haben nichtbehinderte Menschen diesen Service nicht verdient?
Die Dinge hingegen, die mir als neurodivergentem Menschen helfen würden, werden als „bevorzugte Behandlung“ hinter einer Paywall versteckt:
Nach ein wenig Recherche wird klar – das Sonnenblumenband ist nutzlos. Aber es gibt eine Alternative!

Beim Buchen eines Fluges gibt es die Möglichkeit, PRM dazuzubuchen. Kostenlos und ohne, dass ein Nachweis einer Behinderung nötig wäre, egal welche Fluglinie gewählt wird. Dies ist in der EU-Verordnung (EG) Nr. 1107/2006 (über die Rechte von behinderten Flugreisenden und Flugreisenden mit eingeschränkter Mobilität) geregelt.
Ihr habt schon gebucht oder fliegt spontan? Man kann PRM jederzeit im Nachhinein über die Website der Fluglinie (unter „Buchung verwalten“) oder per Hotline dazubuchen – aber nur bis spätestens 48 Stunden vor dem Abflug.
Bei einem Telefonat erklärt mir ein Mitarbeiter des Flughafens, wie es funktioniert: Am Tag der Abreise vermeldet man beim Check-In, man habe PRM dazugebucht. Daraufhin bekommt man einen Betreuer/ eine Betreuerin zur Seite gestellt. Flugs geht es dann durch eine eigene Security-Line zu den Gates. Eigenen Warteraum gibt es leider keinen. Begleitpersonen dürfen selbstverständlich mit.
Konträr zum Namen des Programms – reduced mobility, eingeschränkte Mobilität – ist dieser Service nicht nur Menschen mit einer körperlichen, sondern auch mit intellektueller und/oder kognitiver Behinderung zugänglich.
Eine Übersicht über die verschiedenen Betreuungsstufen und Buchungscodes (wie DPNA für intellektuelle oder kognitive Beeinträchtigungen) findet sich unter: https://viennaairport.com/passagiere/flughafen/barrierefrei_reisen/prm
Das grüne Sonnenblumenband bleibt am Flughafen Wien bislang leider eine nette Geste ohne große Wirkung. Doch Inklusion darf nicht als „bevorzugte Behandlung“ hinter einer Paywall landen.
Der kostenlose PRM-Dienst zeigt, dass es anders geht. Bis Reizarmut und sensorische Barrierefreiheit flächendeckend selbstverständlich sind, sollten neurodivergente Reisende nicht zögern, diesen gesetzlichen Anspruch zu nutzen. Auch wir haben das Recht, unseren Urlaub erholt und voller Energie zu starten.
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Geräumige barrierefreie Toiletten mit Liege werden auch Changing Places genannt. Dort kann auf einer Liege liegend die Kleidung an-/ausgezogen werden. …
Katrin ,
09.09.2026, 11:56Wir sind viel unterwegs und könnten ein Lied davon singen, aber seit wir PRM buchen geht alles viel glatter. Ich würde das unbedingt empfehlen, die Mitarbeiter sind meistens sehr nett und in manchen Flughäfen gibt es einen gesonderten Bereich zu warten. Oft kann die Person auch schon vorher in das Flugzeug einsteigen. Der Rollstuhl hilft auch, wenn man jetzt nicht unbedingt eine Gehbehinderung hat, weil er in dem Chaos Sicherheit gibt. Man kann sich anhalten und muss nicht suchen, wohin man muss. Es ist auch leichter sich von der allgemeinen Aufregung, die herrscht, zu distanzieren, wenn man sich auf sich konzentrieren kann. Aber nicht vergessen: rechtzeitig anmelden und beim Aussteigen auch aktiv auf die Betreuer*innen zugehen.. Gute Reise !
Birgitt
10.09.2026, 19:11Herzlichen Dank für den Erfahrungsbericht!