Flug zurück ins reale Leben

Kongresse über Behindertenrechte sind jeweils sehr ermüdend und frustrierend. Meist auch traurig, wenn einmal mehr festgehalten werden muss, wie lang der Weg noch sein wird, bis wir Behinderten als Menschen unter Menschen werden leben dürfen.

Austrian Airlines
BilderBox.com

Schon die Anreise fordert gewaltig, mit ihren un- und vorhersehbaren Entwürdigungen, den Kämpfen um ein barrierefreies Hotelzimmer, der überwältigenden Hilflosigkeit, nur einmal mehr von irgend einem Hilfsdienst wie ein Gepäckstück oder wie ein unmündiges Kind verfrachtet bzw. versorgt zu werden.

Aber das Gefühl, diesen Weg nicht allein, sondern zusammen mit ein paar anderen ernsthaften, hoffnungsvollen, lieben, aber vor allem mutigen Kolleginnen und Kollegen gehen zu dürfen, lässt mich jedes Kongressende von Neuem in einer eigenartigen Hochstimmung von meinen neuen Freunden Abschied nehmen. Jedesmal treffe ich anfänglich behinderte Menschen und sage nach wenigen, viel zu kurzen Tagen lieb gewonnenen, einzigartigen Menschen wehmütig Adieu. Zusammen sind wir stark und werden es schon irgendwann schaffen! Ich fühle mich akzeptiert, manchmal sogar geliebt. Auf jeden Fall frei und stark als Mensch.

Umso schmerzlicher wirkt die kalte Dusche, die mich nach solchen Anlaessen unweigerlich wieder auf den Boden der Realität zurück holt. Diesmal im Anschluss an einen mehrtätigen Kongress in Linz. Von der Hochstimmung noch in warme Watte eingehüllt war mein seelischer Ganzkörperpanzer an diesem Morgen noch ganz weich und durchlässig. Großzügig verzieh ich den beiden Ambulanzfahrern in ihren orangen Leuchtjacken, die mich ihrem Transportkonzept gemäß vom Hotel in Linz zum Flughafen Wien zu überführen hatten, ihr übervorsorglich professionelles Gehabe.

Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit: anstatt mich einfach ausladen zu lassen, und dann klar zu signalisieren, dass die beiden Krankenwagenfahrer ihre Pflicht nun endgültig erfüllt hatten, ließ ich die beiden tun, was sie halt immer tun. In ihren Augen ist der Job erst dann ausgeführt, wenn die Fracht sicher in den Händen der nächsten Betreuungsagentur steckt. Obwohl ich selbständig bin, lassen es sich die beiden nicht nehmen, mich im Begleitschutz ihrer leuchtenden Uniformen an all den Wartenden vorbei zum Check-In-Schalter zu dirigieren. Erst vor der neuen Autorität – der rot uniformierten Dame der Austrian Airlines – verstummt ihr Diensteifer schlagartig.

Meinen Pass und Flugschein darf ich eigenhändig übergeben. Das weitere hätte ich nach 50 Jahren Behinderungserfahrung kommen sehen müssen: die Austrian Hostess war zutiefst beeindruckt. Anstatt mich zu begrüßen und dann abzufertigen wie die anderen Fluggäste – ein Ansinnen, das ich durch betont „normales“ Auftreten noch einzuleiten versucht hatte – griff sie sofort zum Telefonhörer, um sich vom Schicht-Supervisor fehlerfrei durch die schwierige Situation „talken“ zu lassen.

„Sie fliegen nach Zürich?“. „Ja“. „Können Sie selbständig ins Flugzeug gehen?“ „Nein. Es steht hier auf meinem Flugschein. Ich habe vorangemeldet, dass ich vom Rollstuhlservice zum Sitz gebracht werden muss“. „Ja, das steht auf Ihrem Flugschein registriert, aber nicht in unserem Computer“. Eine kurze Diskussion zwischen den beiden und dann die kritische Frage: „Was bitte ist … äh … also, warum genau sind Sie im Rollstuhl? Auf Grund eines Unfalls? Oder … äh … wegen einer Paraplegie oder so? Oder was ist der medizinische Grund?“

Ratsch! Mein Ganzkörperkettenhemd fällt über meine Seele wie das Falltor am Burgeingang. Dass die Dame mit meiner banalen Antwort nichts anzufangen wüsste lässt mich äußerlich lächeln, weiß sie doch offensichtlich nicht einmal, was denn so eine „Paraplegie“ überhaupt ist. Poliomelitis müsste sie folgerichtig ganz aus dem Häuschen bringen. „Verlangen Sie von allen Fluggästen eine medizinische Krankengeschichte?“ meine verblüffte Antwort. „Nein. Aber die Vorschrift verlangt das von Passagieren im Rollstuhl. Sonst können wir Sie leider nicht transportieren.“. Nun, an einem anderen Tag vielleicht hätte ich mich an diesem Punkt wohl einschüchtern lassen. Aber ich kam ja grad von einem Kongress über Behindertenrechte; fühlte mich noch ganz Mensch und stark.

Ich teilte der Dame freundlich mit, dass ich zufälligerweise meine Rechte und Pflichten als Passagier kenne, und zu dieser Auskunft nicht verpflichtet sei, so lange nicht alle Passagiere um ihre Krankengeschichte gebeten würden. Während ich doch offensichtlich erwachsen und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte sei, könnte ja unter den anderen Passagieren durchaus jemand mit einer furchtbar ansteckenden Krankheit (Ebola !) sein, uns alle tödlich anstecken oder unser Leben gravierend gefährden.

Aber zu dem Zeitpunkt war das Ende meiner hoffnungsvollen Karriere als „normaler Fluggast“, mit dem man ein normales Gespräch führen könnte, natürlich längst besiegelt. Der Supervisor kam angetrabt, setzte sein hoch professionell fachgerechtes Lächeln auf und den lang trainierten diskret überlegenen Ton in seine Stimme: „Herr Wehrli. Wir verstehen ja Ihre Emotionalität, sicher haben Sie viele schlechte Erfahrungen in Ihrem Leben gehabt. Aber hier geht es nicht gegen Sie – sondern um eine ganz klare Vorschrift, die für alle Menschen im Rollstuhl gilt. Bitte beruhigen Sie sich und verhalten Sie sich kooperativ. Wenn Sie uns die Auskunft nicht erteilen wollen, können Sie uns die Adresse und Telefonnummer Ihres Arztes mitteilen, dann werden wir uns mit ihm in Verbindung setzen und die Auskunft einholen. Das ist eine reine Formalität.“

Ich versuche noch deutlicher zu werden: „Entschuldigen Sie, Herr Novotny. Es geht hier nicht um mich, oder meinen Hausarzt. Es geht hier um eine Frage der Diskriminierung behinderter Menschen. Sie werden von mir zu diesem Punkt keine Auskunft bekommen, weil sie diese Frage nicht allen Passagieren stellen, und sie somit auch kein Recht haben, sie mir zu stellen. Meine Krankengeschichte geht Sie nichts an. Da können Sie jetzt so lange reden, wie Sie wollen, sie werden darüber weder von mir noch von meinem – übrigens nicht existenten, da ich nicht krank sondern behindert bin – behandelnden Arzt erfahren“.

Ich kann hier natürlich nicht das ganze Gespräch der nächsten 10 Minuten wiedergeben. Am Schluss jedenfalls teilt mir Supervisor Novotny offiziell mit, dass ich so lange nicht mit der Austrian Airlines befördert würde, wie ich diese Auskunft verweigere.

Gemeinsam sind wir stark, oder nicht? Im Ernstfall jedenfalls so stark, wie das schwächste Glied in unserer Kette. Wenn es mir auch das Wochenende mit meiner Familie versaut und ich am Schluss dann vielleicht kleinlaut mit dem Zug nach Zürich reisen muss (13 Stunden ohne Toilette!) – hier kann ich vielleicht wenigstens was für meine österreichischen Freunde und für alle behinderten Passagiere dieser Welt tun.

Ich richte mich seelisch auf ein sehr ungemütliches langes Wochenende am Wiener Flughafen ein. „Ich werde jetzt dort ins Kaffeehaus gehen, mir einen Kaffee und etwas zu Essen bestellen, und warten, bis Sie Ihre Vernunft wieder gefunden haben. Sollte das nicht der Fall sein bis heute Abend, werde ich ein angemessenes Hotel suchen, einen Behindertentransport dahin organisieren und dort übernachten um morgen wieder hier zu sein. Die Rechnung dafür werde ich der Austrian Airlines präsentieren“. Ich mustere all meine Energie, um diesen Satz cool und selbstbewusst über meine Lippen zu bringen. Innerlich zittere ich. Vor Wut.

Die beiden Ambulanzfahrer verabschieden sich verschämt und etwas perplex. Dann rufe ich meine Freunde in Österreich an. Ich benötige, mehr noch als praktische Hilfe, jemanden, der jetzt an meiner Seite steht. Glücklicherweise sind Freunde Freunde, wenn man sie braucht. Blitzartig entsteht ein Netzwerk. Kontakte zu den Medien sind schwierig am Samstag Nachmittag. Der Redakteur vom „Kurier“ ruft zurück und interessiert sich für die Story.

Ich kann meinen Melange trinken ohne, zitternd, alles zu beklecksen. Dann sehe ich eine Austrian Airlines Dame, die offensichtlich jemanden sucht und mich sogleich findet. Frau Michaela Gruber, ihres Zeichens „Irregularity Desk Manager“ (also Managerin für Unregelmäßigkeiten) stellt sich, wie im Krisenmanagment gut trainiert, mit vollem Namen vor und schaut mich dann sehr lange, stumm und überfreundlich lächelnd an. (Beziehung aufbauen, einschätzen ob Kunde gewalttätig, irre oder ansprechbar, Oberhand behalten, sich nicht zu spontanen Reaktionen hinreissen lassen). Offensichtlich bestehe ich das psychologische Assessment: ansprechbar.

Frau Gruber eröffnet mir feierlich, dass ich nun doch fliegen darf. Wie wenn es jetzt primär um diese Frage ginge. Ich:“OK. Danke“. Aber nun kommt, was in solchen Situationen unweigerlich zum Ritual gehört: Frau Gruber kann die Sache nicht ohne meine Absolution auf sich beruhen lassen. Ich müsste begreifen, findet sie, dass diese Vorschrift wichtig und sinnvoll sei. Schließlich ginge es der Austrian Airlines nur um das Wohl ihrer behinderten Passagiere. Natürlich wäre in meinem Fall die Entscheidung des Schichtmanagers falsch gewesen, wo ich doch offensichtlich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte sei. Aber eben zum Beispiel bei Menschen die noch behinderter seien als ich: vor wenigen Tagen z. B. habe man eine Frau von Australien kommend, die nach Schottland weiter wollte, nicht fliegen lassen, weil sie zu spastisch gewesen sei, um die obige Frage zu beantworten. Ich sei, so war sie überzeugt, der erste Behinderte, der sich gegen diese Vorschrift auflehne.

Frau Grubers Weltbild kam in den nächsten 40 Minuten schon ein bisschen ins Wanken, als ich ihr wieder und wieder erklärte, dass ich eben genau für diese behinderte Frau – und für alle anderen behinderten Menschen, die sich nicht so leicht wehren könnten wie ich – auf meine Prinzipien bestehen würde. Genau dafür, um diesen Kampf jedes Mal von neuem zu bestehen, werde ich von behinderten Menschen angestellt und zur Konferenz nach Linz geschickt. Sorry, keine Absolution.

Wir haben uns zum Schluss geeinigt, dass Austrian Airlines offensichtlich noch dazu lernen muss und dass eine Diskussion ihres diskriminierenden Verhaltens in den Medien diesen Lernprozess in Gang bringen wird. Jedenfalls war damit unsere Diskussion beendet.

Niemand entschuldigte sich bei mir. Danach wurde ich ins Flugzeug gebracht.

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0 Kommentare

  • Hallo zusammen. Ich muss ganz gewaltig über diesen Beitrag schmunzeln. Ich selber arbeite am Flughafen Düsseldorf als Fluggastbetreuer für Personen mit eingeschränkter Mobilität (Rollstuhlservice ist einfacher) und bin immer wieder überrascht wenn sich Airlines so etwas anmassen! Jeder Mensch ist gleich zu behandeln finde ich, das gilt selbstverständlich auch für hilfsbedürftige Personen! Ich finde es echt zum, Pardon, Kotzen wenn jemand einen Rollstuhlfahrer „Bemuttern“ will, denn das ist für mich ein Eingriff in die Persönlichkeit.

    Jeder Rollstuhlfahrer, so denke zumindest ich, wird mir schon sagen in welchem Umfang dieser auf Hilfe angewiesen ist. Für mich zählt der Umgang mit dem MENSCH und ein Rollstuhlfahrer ist ein ganz normaler Mensch der in einem Stuhl mit Rädern sitzt und die selben Rechte und Pflichten hat wie jeder ander von uns MENSCHEN aber leider stosse selbst ich immer wieder auf abstössige und diskriminierende Äusserungen von Fluggästen und rege mich darüber auf.Für mich zählt nur eines: Der Umgang mit Menschen, ohne es zu trainieren oder nach gebastelten Texten suchen zu müssen. Ein angenehmes miteinander und ein nettes Gespräch (ohne es aufzuzwingen!) sind sehr viel mehr wert als alles andere, denn man kann von jedem Menschen etwas lernen und das finde ich an meinem Beruf spannend.

    Ich finde es nur sehr traurig das man für alles was selbstverständlich sein sollte EU Richtlinien verfassen muss. Ich kontere sehr gerne immer bei diskriminierenden Aussagen „Möchten Sie gerne Tauschen? Ich denke der Herr / Die Dame würde liebend gerne mit Ihnen Tauschen!“ das wirkt wunder und schon sind die meisten Wortkarg und es macht mir unheimlich viel Spass dann in die Gesichter zu schauen die sich dann abwenden weil denen nichts mehr einfällt.

    Bitte liebe Rollstuhlfahrer tun sie mir einen Gefallen: Sind Sie wie sie sind und Reisen Sie was das Zeug hält, denn umso mehr LERNEN die Airlines von Ihnen!

  • ich denke, erstens ist es als sehr löblich einzustufen, wenn ein kapitän sich gedanken ueber eine eventuelle evakuierung macht, und zweitens erkläre mir einer, wie es dann mit den rutschkissen (man verzeihe mir, wenn mir der richtige ausdruck dafür nun nicht einfällt) funktioniere, im falle einer bruchlandung. rutsch-,it dem rollstuhl einfach runterfahren oder wie? man verzeihe mir weiters, dass ich es nicht in ordnung finde, dass verallgemeinerungen jeglicher art von rollstuhlfahrern und nicht-rollstuhlfahrern mit schräg zuwider sind.

  • Als ich heute die Bizeps-Broschüre bekam, fragte ich mich schon, was das soll: 2 Seiten über die Nichtfliegerei!?!? Beim Weiterblättern die nächste Meldung über unsere Freizeitfahrten. Komisch, da fragt sich keiner, warum wir nicht mehr fahren können (oder dürfen?), fast bei jeder Bestellung bekommt man die Antwort, dass man um diese Uhrzeit nicht fahren kann, und an jenem Tag auch nicht – da regt sich niemand auf, oder passiert das nur mir??????

  • Sehr schön geschrieben aber völlig daneben. Wenn es vorschriften gibt dann sollen sich alle daran halten!!!

  • Hallo, mit bleibt die Luft weg. Ich dachte, ich wäre das am Flughafen. Nicht das ich jemals nach meiner Krankheitsgeschichte gefragt worden wäre, aber eine andere Situation regt mich genau so auf. Denn ob ich nun ein Platz ganz vorne reserviere oder nicht, sitze ich oftmals mehrere Reihen dahinter (ab r. Reihe. Und jedesmal weise ich daraufhin, das ich auf das WC getragen werden muss und es dringend notwendig ist, das ich vorne sitze. Jedenfalls werde ich immer daraufhingewiesen, das es bestimmte Sitze für Behinderte gäbe oder die erste Reihe für ältere oder schwangere Frauen reserviert sei. Tja, eine Rollstuhlfahrer hat ja auch schließlich nichts zu trinken, denn das WC ist nur für Menschen die laufen können, bzw. schlank sind.
    Nun bin ich schon 2 mal ab Holland geflogen, einmal mit KLM (10 Std) und einmal Transavia (7 Std) und man hat mich einmal in die erste Reihe gesetzt (nähe WC) und einmal war sogar ein Rolli an Board und ich saß trotzdem ganz nah am WC. Bei beiden Fluggesellschaften teilte man mir mit, das sei selbstverständlich.
    Sollte das nicht für alle Fluggesellschaften so sein?

    Es muss sich noch viel ändern.

    Liebe Grüsse
    Sylvia

  • Danke Herr Wehrli für diese hervorragende Beschreibung Ihrer Wiener Erfahrungen. Vielleicht hilft der Entwurf für eine Richtlinie der EU für Flugpassagiere mit Behinderungen (leider nur in EN) „the staff working paper on rights of passengers with reduced mobility and air travel“ on the Europa web veröffentlicht : http://www.europa.eu.int/comm/transport/air/rights/index_en.htm
    Leider finden sich auch in diesem Dokument die Weiterführung einer Reihe von „Speziallösungen“, die immer wieder neue Diskriminierungen in sich bergen.

  • Danke Herr Wehrli für diese hervorragende Beschreibung Ihrer Wiener Erfahrungen. Vielleicht hilft der Entwurf für eine Richtlinie der EU für Flugpassagiere mit Behinderungen (leider nur in EN) „the staff working paper on rights of passengers with reduced mobility and air travel“ . on the Europa web veröffentlicht worden: http://www.europa.eu.int/comm/transport/air/rights/index_en.htm
    Leider finden sich auch in diesem Dokument die Weiterführung einer Reihe von „Speziallösungen“, die immer wieder neue Diskriminierungen in sich bergen.

  • Schön, dass jemand meine Überlegungen besser kennt als ich selbst. Welche Gedanken sich „jeder“ Kapitän macht weiß ich nicht, aber wenn ich mich recht erinnere ist es die Zivilluftfahrtverordnung die jedem Luftfahrzeugführer die Verantwortung dafür überträgt, dass im Notfall ALLE Fluggäste evakuiert werden. Unsere emergency procedures sehen das jedenfalls so vor.
    Frau Alexandra ist beizupflichten, dass der Ton die Musik macht. Das gilt für alle Seiten (und alle Arten von Menschen). Wenn es auf dieser Welt weniger Diskriminierung geben soll werden wir alle mehr Toleranz und Einfühlungsvermögen brauchen.

  • Als Leiter eines Ambulanzflugunternehmens befremden mich etwas die Aussagen des Hrn. Fux. Ich möchte ja niemanden seine Kompetenz absprechen, aber die Überlegung, dass sich jeder Kapitän Gedanken über die Evakuierung eines Behinderten im Flugzeug macht, finde ich doch etwas gewagt. Die Ausbildung des Flugpersonals beinhaltet keine medizinischen Fachkenntnisse, die vorsieht, wie jeder Einzelne als Patient gemeldete Passagier im Akutfall zu versorgen wäre. Und wenn schon der Rautekgriff angesprochen wird, lieber ein paar gebrochene Knochen als im Notfall dem Schicksal überlassen zu sein und im Flugzeug zu bleiben. Dass sogenannte INCAD´s notwendig sind, beweisen uns die vielen durch unsere Organisation durchgeführten Linienbegleitungen von Patienten oder Stretcherpatienten an Bord. Ich spreche hier aber nur von Patienten ! Nicht aber von Behinderten die wie jeder andere Flugpassagier zu bedienen ist. Dieser benötigt weder für die Technik angegebenen Sauerstoff noch andere Sonderarrangements. Der Punkt MEDA09 im INCAD lautet: Könnte der physische oder psychische Zustandes des Passagiers den Reisekomfort eines anderen Passagiers beeinträchtigen ? Wenn Sie jemals als Passagier nach Bangkok und retour geflogen sind und nicht als Kapitän, würde die Frage auf 50% der Passagiere zutreffen, die nicht nur unter reichlichen Alkoholkonsum leiden, sondern auch noch andere liebsame Urlaubsmitbringsel in Form von ansteckenden Erkrankungen mitnehmen. Es wär doch so einfach diese Probleme nicht zu Problemen werden lassen und Vorschriften sinnvoll einzusetzen.

  • Lieber pfff! Was soll das? Nicht einmal einen Namen angeben, sondern nur arrogant daherschreiben. WIR haben genau diese 30 Sekunden aufgewendet und der Behinderung unserer Tochter einen Namen gegeben. Damit war aber gar nichts erledigt! SIE haben keine Ahnung von was sie reden!!! Das ist kein sinnloses Theater! Kein Mensch von der AUA hat uns gefragt, wie man uns in einem Notfall helfen könnte. Erst nach langen entwürdigenden Diskussionen und Arztbeschauung (der Flughafenarzt fand das selbst lächerlich und war peinlich berührt) konnten wir fliegen. Man hat uns nur gesagt, dass wir bei einer Notlandung als LETZTER aus dem Flieger könnten. Aber das sind wir schon gewohnt – wir sind eben für alle das Letzte und lassen uns das halt nicht mehr bieten, egal ob ihnen pfff das gefällt oder nicht.

  • Naja, mein Herr, da haben Sie sich aber ziemlich daneben benommen. Eine einfache Frage, eine einfache Antwort, 30 sekunden Zeitaufwand und das Thema wär erledigt gewesen. Regeln gehören befolgt, egal ob behindert oder nicht. Oft geht es bei den Airlines auch um versicherungstechnische Angelegenheiten. Wenn Sie nächstes mal wer fragt ob Sie Ihr Gepäck einmal unbeaufsichtigt hatten, wenden Sie sich dann auch an eine Zeitung, weil Sie annehmen man würde Sie als Terroristen verdächtigen. Es ist gut auf seine Rechte zu bestehen, es ist aber umso schlechter sinnlos Theater zu machen.

  • es ist leider nicht fair … dieses Formular (medif) enthält keine einzige frage, wie die unterstützung im notfall sein soll, etc. sondern: frage nach der diagnose und ob man grundsätzlich gehen kann. weitere frage des aua-formulars: ist der patient den anderen passagieren dem aussehen, dem geruch u dem gehabe nach zumutbar … ja, richtig gelesen. und unterschreiben muss man letztendlich, dass man im notfall alle kosten selbst übernimmt. herr fux hat ja edle überlegungen, die auch durchaus sinn machen, (bei den united airlines tatsächlich erlebt, dass bordpersonal vor dem flug, mich u meine begleiter taktvoll gefragt haben, wie sie im notfall mich angreifen könne, diagnose brauchten sie keine dazu) seine firma macht aber ganz was anderes: behinderte menschen diskriminieren!

  • Also ich finde den Beitrag des Herrn Fux sehr interessant und es leuchtet mir ein, dass Fragen bezüglich der Flugtauglichkeit notwendig sind, damit er in einer gefährlichen Situation richtig helfen kann. Ich habe OI (Glaskonchen) und ich würde mich sehr freuen, wenn man mich rettet, ohne mir das Brustbein zu brechen, aber wie soll ers denn wissen, wenn ers nicht weiss???

    Jedoch möchte ich auch sagen, dass es doch auf die Art ankommt, wie man einen Passagier fragt. Kann doch sein, dass das Bodenpersonal nicht richtig geschult sind und sich vielleicht auch eine natürliche Sensibilität aneignen sollten. Wie man schon sagt: Der Ton macht die Musik. Vielleicht hätte der Schreiber des Artikels nicht so reagiert, wenn die Dame beim einchecken besser geschult gewesen wäre.

    Klar ist, niemand kann über alle Behinderungen bescheid wissen, aber man kann den Leuten (Personal) beibringen, dass man vielleicht Fragen anders stellt bzw. den Passagier anders auf seine Pflichten aufmerksam macht.

    Jedenfalls für mich klingt der Bericht des Piloten einleuchtend und logisch und es gefällt mir sehr, dass auch von der anderen Seite jemand dazu Stellung nimmt. Das ist fair und man kann duiskutieren und lernt auch noch was. Supi …

  • interessanterweise hat uns nie wer von der aua gefragt, wie man uns im notfall helfen kann

  • Flug zurück ins reale Leben – oder warum hat die Luft keine Balken? Ich bin das andere Ende der Geschichte – ich bekomme das Medif (Medical Information Form) bzw. die Informationen daraus, weil ich mit meiner Crew dafür verantwortlich bin sie sicher von A nach B zu bringen. Dafür reicht es im Regelfall sie zu ihrem Flugzeugsitz zu begleiten und ihnen behilflich zu sein, diesen wieder zu verlassen. Aber nicht immer.
    Die (meistens) freundlichen Mitarbeiter beim Check-in Schalter haben nur insofern Interesse an ihrem medizinischen Status, als es für sie Vorschrift ist. Interesse an ihrem körperlichen Zustand habe ich. Leider endet nicht jeder Flug am Zielflughafen, sondern manche auch am Acker davor; oder am Ende der Startpiste; oder neben der Landepiste. Und dann sind wir es, die Besatzung des Flugzeugs und verantwortlich ich als Kapitän, die dafür Sorgen müssen, dass KEIN Fluggast zu Schaden kommt, bzw. dieser so gering als möglich gehalten wird – also müssen wir bei jedem Flug darauf vorbereitet sein, das Flugzeug zu evakuieren. Und dann macht es plötzlich einen Unterschied, ob sie „nur“ ein Gast sind, der einen „normalen Sportunfall“ hatte, oder ob sie an Glasknochen leiden und ich sie umbringe wenn ich sie einfach per Rautekgriff aus dem Flugzeug zerre. Nur wenn ich vorher weiß, welche Fluggäste sich auf meiner Maschine befinden kann ich Vorsorge für den Notfall treffen – zusätzliche Flugbegleiter anfordern, ihre Begleiter entsprechend einweisen oder mit meiner Crew besprechen, wer im Ernstfall was tut.
    Im Gegensatz zum Bahntransport sind Fluglinien zu diesem Handeln gesetzlich verpflichtet (abgesehen von jeder moralischen Verpflichtung), desshalb gibt es im Zug auch nur einen Schaffner, im Flugzeug aber mehrere Flugegleiter, deren primäre Aufgabe es nicht ist, ihnen Getränke zu bringen, sondern sie im Notfall zu betreuen und aus dem Flugzeug zu bringen – Behinderte wie Nichtbehinderte Fluggäste.
    Ich glaube nicht, dass Gleichstellung und Gleichbehandlung ident sind. Auch die Alleinreisende Mutter mit mehreren Kindern unter 3 Jahren, durch Drogen oder Krankheiten beeinträchtigte Reisende und seit vorletztem September bei manchen Reisen auch „arabisch“ wirkende Passagiere, um nur einige Beispiele zu nennen, können nicht „gleichbehandelt“ werden wie „alle“ Fluggäste. Gleichgestellt sind sie hoffentlich – zumindestens bemühe ich mich darum auf meinem Flugzeug.
    Was andere Airlines betrifft – ich kenne das Vorgehen dort nicht, aber die gesetzliche Verpflichtung ist die gleiche. Sie könnten es auch als positiv sehen, dass bei Austrian der Herr links ganz vorne weiß, dass SIE an Bord sind.
    T. Fux, Flugkapitän Austrian

  • Genialer Text. Vielleicht sollten wir eine Gruppenexpidition zum Wiener Flughafen veranstalten. Ob sie überfordert wären? *lol*

  • Mit diesem Problem hatte ich vor 2 Jahren auf einen Flug nach Finnland auch zu tun.
    Aber dank Hinweis auf den Artikel 7 der österreichischen Bundesverfassung und den sehr netten Damen im AUA-Stadtbüro Graz, konnte ich ohne weitere Probleme fliegen. Allein ein Ausspruch einer Bodenhostess am Flughafen Thalerhof hat mich doch etwas verblüfft. Die Betreuer vom Service sind nicht so rasch gekommen wie sie das anscheinend wollte und da sah sie sich veranlasst folgendes in ihr funkgerät zu „blaffen“: wo bleibts ihr denn, ich hab‘ da einen rollstuhl!“ Na sowas, ich habe mich bis zu diesem Zeitpunkt immer als Mensch betrachtet. Aber vielleicht bekommen AÚA-Mitarbeiter in ihren Schulungen beigebracht, wie Behinderte zu behandeln sind und vielleicht ist es so, dass dieses Verhalten ganz bewusst ist, weil man die AUA „krüppelfrei“ halten will!

  • Mir ist es heuer bei der Aer Lingus ähnlich ergangen: Beim Buchen musste ich ein sogenanntes MEDIF-Formular vom Arzt ausfüllen lassen. Ich hab mich inzwischen schlau gemacht: Laut IATA-Resolution 700 ist das Formular für kranke Passagiere gedacht. Behinderte, die nur Hilfe beim Ein- und Aussteigen und keine medizinische Versorgung brauchen, brauchen keine Bestätigung vom Arzt. Aer Lingus und AUA scheinen sich nicht daran zu halten.

  • Also ich hab zwar keine Behinderung, doch ich find es erschreckend wie ***** die aua ist die spüren sich glaub ich nicht ganz die *****

  • zu bericht von meiner frau, dorothea: unser urlaub war total versaut, erholung gleich null. die 7-stündige autofahrt voller schlaglöcher gab uns den rest. seither meiden wir diese fluglinie und nehmen auch in kauf mal nicht direkt zu fliegen!

  • genau dies ist mir mit der aua im okt 2002 passiert. diese wut, die ich damals erlebte … mir fehlen bis heute die worte. 5:30 am flughafen, beim versuch des check-in wird supervisor N. geholt, professionelles lächeln: sie dürfen nicht an board, wir haben von ihnen keine diagnose. der aua-flugarzt ist erst ab 8:30 erreichbar, er entscheidet. mein mann, meine pers. ass. u ich dürfen nicht fliegen. ich disktutiere, werde laut, weine, schreie, rede andere passagiere an: haben sie auch eine flugtauglichkeitsbescheinigun? Supervisor N.: hetzen sie die anderen passagiere nicht auf. um 8:30 gibt supervisor N. dem aua-arzt meine diagnose durch. sie haben mich gebrochen. ich fühle mich elendiglich … wir wollen doch auf urlaub … nach 9 std flughafen fliegen wir. es gibt keinen direktflug mehr. zwischenstop, anschliessend 7 std autofahrt durch tunesiens strassen. meine pa u mein mann müssen die ganze zeit meinen kopf halten. wir kommen 24 std später an. die klage gegen die aua läuft.

  • Peter Wehrli ist sicherlich nicht der erste Austrian Airlines Passagier der sich gegen diese Art von Behandlung wehren muss. Dieses Verhalten ist bei der AUA üblich und wir benützen eigentlich (bei allem Patriotismus) durchwegs andere Fluglinien, die bereit sind Menschen mit Behinderung als gleichberechtigt zu behandeln.

  • Danke für den Bericht!

  • Gratulation, dass Sie diese ganze Prozedur durchgefochten und die AUA-Leute in die Knie gezwungen haben.

  • Wie steht es in der Verfassung? „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ Das sollten Austrian, wie sie sich jetzt neudeutsch nennen, auch vielleicht einmal durchlesen.

  • Bei diesem Artikel bleibt mir ja fast die Spucke weg! Ich danke Peter, dass er diesen Kampf bis zu Ende durchgefochten hat und denke, dass es höchste Zeit für ein Behindertengleichstellungsgesetz ist (Diskussionen mit den Verantwortlichen der Fluglinien über die Bestimmungen hinsichtlich behinderter Menschen in der Luftfahrt werden uns vermutlich auch nicht erspart bleiben). Eine gewaltige Sauerei (Diskriminierung) ist das jedenfalls, auch dass diese Frau an ihrem Flug gehindert wurde! … Es gibt noch viel zu tun!!!

  • wir haben diese prozedur im jahre 1997 über uns ergehen lassen müssen, mit meiner tochter (glasknochen), sogar ein ärztliches attest mussten wir vorweisen, auf die frage ob das immer so gehandhabt wird, meinten die herrschaften damals, wir sollten das nächste mal einfach querschnittlähmung angeben, es war erniedrigend welche fragen man sich da gefallen lassen muss, sogar unser behandender arzt im kh, hat den kopf geschüttelt. hut ab vor ihnen,dass sie das so durchgestanden haben, vielleicht wachen doch ein paar herrschaften auf!!!

  • Bravo für so viel Mut und Durchhaltevermögen! Und damit meine ich nicht die Austrian Airlines …

  • Eine Frage, ist es nicht möglich eine Assistenz von der Haustüre bzw. Hotel bis zum Flugplatzsitz und zurück zu bekommen?