Frauen mit Behinderungen sind doppelt bis dreifach so oft Gewalt ausgesetzt wie Frauen ohne Behinderung

16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen ist eine internationale Kampagne, die jedes Jahr von 25. November bis 10. Dezember stattfindet.

Cornelia Scheuer
BIZEPS

„Wir fordern die Umsetzung der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, in der Frauen mit Behinderungen besonders bedacht sind“, hält Cornelia Scheuer (Vorstandsmitglied von BIZEPS) anlässlich der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ von 25. November bis 10. Dezember 2021 fest.

Sie verweist insbesondere auf folgende erschreckende Fakten: „Frauen mit Behinderungen sind doppelt bis dreifach so oft Gewalt ausgesetzt wie Frauen ohne Behinderung. Das liegt daran, dass sie durch ihren Unterstützungsbedarf oft abhängiger sind von Angehörigen und, wenn sie in Einrichtungen leben, erfahren sie dort strukturelle Gewalt oder tatsächliche Gewalt durch UnterstützerInnen oder MitbewohnerInnen.“

Es besteht die Möglichkeit, dies zu ändern und Cornelia Scheuer erwähnt: „Wir fordern umfassende Barrierefreiheit in Frauen-Beratungsstellen und Frauenhäusern und dort verortete Peer-Beratung für Frauen mit Behinderungen. Wir fordern die Abschaffung von Heimen und den Ausbau der Persönlichen Assistenz, sodass jede Frau mit Behinderung sich den Ort, wo und wie sie leben möchte, selbst aussuchen kann, um die tatsächliche und strukturelle Gewalt zu vermindern und zu verhindern.“

Österreich nimmt seit 1992 an der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ teil.

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8 Kommentare

  • Der Abschlussbericht ist schon einmal nicht barrierefrei.

    „Ein wichtiger abschreckender Faktor ist die Angst, keine angemessene alternative Unterstützung zu erhalten.“

    Diese Angst ist absolut begründet. In Österreich sind mächtige Spezialeinrichtungen für Menschen mit Behinderung der Normalfall, und hast du bei einer Einrichtung ein Problem, hast du überall eines. Und letztendlich ist das Gras woanders auch nicht grüner, es sieht nur so aus.

    Juristen: Dazu kann ich dieses Interview sehr empfehlen:
    https://www.derstandard.at/story/1350259069473/recht-kostet-geld-man-muss-es-sich-leisten-koennen
    70 % Mäderln aus gutem Hause und katholischem Bildungshintergrund, na gute Nacht.

  • Ich finde es irritierend, aber in gewisser Weise auch symptomatisch, dass in einigen Kommentaren vorrangig in Frage gestellt wird, ob Frauen mit Behinderung tatsächlich mehr von Gewalt betroffen sind als Frauen ohne Behinderung:
    Wenn man die Fakten Abhängigkeit von anderen in vielen Lebensbereichen und Leben in teilweise oder überwiegend von der Umwelt abgeschnittenen Einrichtungen heranzieht, hat man bereits zwei klassische Gefährdungsszenarien für Gewalt.
    Bezeichnend ist hier auch, dass Erfahrungen von Betroffenen, die z.B. in der erwähnten Studie eine wesentliche Rolle spielen, gleich abgewertet werden. Hier spiegelt sich auch ein Ergebnis derselben Studie wider, dass Frauen und Mädchen mit Behinderung nach Gewalterfahrung wesentlich öfter nicht ernst genommen werden als Frauen ohne Behinderung – ein klassisches Beispiel für intersektionelle Diskriminierung.

  • Bezüglich des Artikels kann ich sagen, dass dieses enorm wichtige Thema in unserer Gesellschaft ziemlich untergeht und durch diesen Text ein Bewusstsein für die Wichtigkeit geschaffen wird. Prinzipiell vertritt die Kampagne gute Ziele, doch erachte ich die allgemeine Abschaffung von Heimen als nicht sinnvoll, da sie für einige Betroffene als große Unterstützung funktionieren. Allerdings bin ich der Meinung das eine verschärfte Überprüfung von Betreuten und zu Betreuenden bezüglich Gewalt, angebracht wäre und eine ausgebildete Fachkraft zu dieser Thematik vor Ort sein sollte und auch das Personal und die Adressaten aufgeklärt werden.
    Danke das Sie uns auf solche wichtigen Themen aufmerksam machen!

  • Ich finde es gut, dass das Thema angesprochen wird aber ich denke, dass die Menschen mit Behinderung nicht nur entscheiden sollten wo sie wohnen wollen sondern generell alle Entscheidungen die sie betreffen. Auch diese kleinen Dinge wie wenn die Person mit Behinderung mit einer Begleitperson spazieren ist, wird sie oft nicht selbst angesprochen sondern man spricht automatisch eher mit der Begleitperson.

  • „Doppelt bis dreifach“ ist die Art von Genauigkeit, die ich liebe. Doppelt oder dreifach? Wenn schon bis, bitte auch erläutern, wo die Frauen weniger und wo sie mehr dem Gewaltrisiko ausgesetzt sind.

    Ist strukturelle Gewalt außerdem keine tatsächliche Gewalt?

    • Dem stimme ich völlig zu. Mich interessiert auch, wo die Unterschiede zur Gewalt an Frauen ohne Behinderungen sind. Der Link von Frau Meierschitz führt auch nicht so richtig weiter. So heißt es in dem Bericht zu den Forschungsergebnisses auf Seite 16 (Erfahrungsberichte von Frauen mit Behinderungen): Fast alle Frauen hatten in ihrer Kindheit und Jugend psychische und emotionale Gewalt erfahren.

      Das trifft doch auch auf fast alle Frauen auch ohne Behinderungen zu. Schade, ich hätte mir eine differenzierte Betrachtung gewünscht.

    • Ich glaube die von ihnen gewünschten Ergebnisse finden sie in der Studie weiter hinten, ab Seite 81. Im Inhaltsverzeichnis Kapitel 4 Ergebnisse.