4. Woche 2026 – Behindertenparkplatz in Halbkreisform
Dieser Behindertenparkplatz beim Hotel Stoiser in Bad Loipersdorf in der Steiermark ist wahrlich kurios. Einerseits steht dort eine „Parken verboten“- …
Auf der Website des FSW-Kund:innen-Rats heißt es: "Im FSW-Kund:innen-Rat gibt es 7 Haupt-Mitglieder und 7 Ersatz-Mitglieder. Gemeinsam überlegen die 14 Rät:innen, welche Anliegen sie gegenüber dem Fonds Soziales Wien (FSW) einbringen möchten.“ Ein Kommentar.
Das Wichtigste vorweg: Gratulation an jene 14 Menschen mit Behinderungen, die erfolgreich zur Wahl in den FSW-Kund:innen-Rat angetreten sind. In den kommenden fünf Jahren werden sie sich regelmäßig mit dem FSW austauschen und die Perspektiven der Kund:innen einbringen.
Da der FSW-Kund:innen-Rat nun bereits in seine zweite Periode startet, bietet sich die Gelegenheit, sowohl zurückzublicken als auch nach vorne zu schauen.
Was hat gut funktioniert? Wo gab es Schwierigkeiten? Wo liegen die Schwächen des Gremiums – und was müsste sich ändern, damit der FSW-Kund:innen-Rat den eigenen Ansprüchen und Erwartungen besser gerecht werden kann?
„2020 haben wir den FSW-Kund:innen-Rat ins Leben gerufen. Damit gab es erstmals eine gewählte Selbstvertretung der 15.300 Wiener:innen mit Behinderung, die Unterstützungsangebote des FSW nutzen. Als erstes Gremium dieser Art hat der scheidende Kund:innen-Rat wichtige Pionierarbeit geleistet“, blickte Susanne Gabrle, Leiterin Strategie Behinderung und Inklusion im FSW, zurück.
Die Vorbereitungen zur Wahl waren aufwändig und spannend. Selbst die Wahl musste aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.
Zur Wahl 2020 traten 34 Kandidat:innen an. Insgesamt wurden 1.475 Stimmen abgegeben – von damals rund 9.000 wahlberechtigten Kund:innen. Die Wahlbeteiligung lag bei 16,5 %, wie der FSW online bekannt gab.
Schnell zeigte sich: Der FSW-Kund:innen-Rat ist ein wichtiges Partizipationsprojekt. Seine Existenz ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Allerdings war er bislang kaum ein Gremium, das die Anliegen der FSW-Kund:innen gegenüber dem FSW mit ausreichender Durchsetzungskraft vertreten konnte.
In der öffentlichen Darstellung wurde meist auf die bloße Existenz des Gremiums verwiesen, deutlich seltener jedoch auf seine fachliche Kompetenz und den reichen Erfahrungsschatz der Mitglieder.
Hinzu kam, dass notwendige Ressourcen lange Zeit nicht im erforderlichen Ausmaß zur Verfügung standen. Dies führte dazu, dass es zunächst zu wenige Schulungs- und Unterstützungsangebote gab und auch geeignete Räumlichkeiten erst nach Jahren bereitgestellt wurden.

„Die Verkündung der Wahlergebnisse im Wiener Rathaus markierte den erfolgreichen Abschluss der zweiten Wahl des FSW-Kund:innen-Rats. In den kommenden fünf Jahren ihrer Amtszeit werden die vierzehn gewählten Ratsmitglieder die Interessen von rund 15.300 Wiener:innen mit Behinderung vertreten, die Unterstützungsangebote des FSW in Anspruch nehmen“, informierte der FSW in einer Aussendung vom 16. Dezember 2025.
Von 29 Kandidat:innen wurden 14 Personen gewählt. Rund 1.200 Stimmen wurden abgegeben.
Im Unterschied zur ersten Periode ist die Frage der Schulungs- und Unterstützungsangebote diesmal von Beginn an geklärt. Entsprechende Schulungen sind bereits in Planung beziehungsweise werden schon umgesetzt.
So gut gemeint das Wahlprocedere auch sein mag, weist es inhaltlich deutliche systemische Schwächen auf. Auch wenn offiziell Personen gewählt werden, zeigt sich in der Praxis eine klare Tendenz zur Wahl von Vertreter:innen einzelner Organisationen. Dieser Umstand wird bislang kaum kritisch reflektiert oder offen benannt.
Es überrascht daher wenig, dass alle sieben Hauptmitglieder sowie sechs von sieben Ersatzmitgliedern online als Vertreter:innen von Organisationen präsentiert werden. Dies widerspricht dem Grundkonzept des Kund:innen-Rats und hängt auch damit zusammen, dass nicht alle FSW-Kund:innen mit Behinderungen wahlberechtigt sind, sondern nur Kund:innen bestimmter FSW-Leistungen.
Erschwerend kommt hinzu, dass einige Wahllokale direkt in den Organisationen selbst eingerichtet sind. Es ist naheliegend, dass dort die „eigenen“ Kandidat:innen überdurchschnittlich hohe Zustimmung erhalten – ein Umstand, der den Effekt zusätzlich verstärkt.
Sofern der Grundsatz der geheimen Wahl gewahrt bleibt, wäre es daher besonders interessant, die Ergebnisse dieser organisationsinternen Wahllokale näher zu analysieren. Dass eine solche Auswertung bei ordnungsgemäß durchgeführten Wahlen möglich ist, zeigen etwa die Sprengelergebnisse der Wiener Gemeinderatswahl.
Bei aller Wertschätzung für das hohe Engagement der Mitglieder des FSW-Kund:innen-Rats ist ein kritischer Blick auf den Umgang von Politik und FSW mit diesem Gremium notwendig.
Insbesondere die Politik sollte der Versuchung widerstehen, den FSW-Kund:innen-Rat primär zur Selbstdarstellung zu nutzen. Partizipation lediglich darzustellen, ohne sie tatsächlich zu leben, ist nicht glaubwürdig. Glaubwürdiger wäre es, wenn künftig klar erkennbar ist, dass Beiträge des FSW-Kund:innen-Rats bei Entscheidungen und Veränderungen tatsächlich berücksichtigt werden.
Auch beim FSW selbst wäre eine stärkere Klärung des Rollenverständnisses sinnvoll. Es gibt:
Im Alltag des FSW werden diese Ebenen derzeit jedoch häufig undifferenziert vermischt:
In einem berühmten Gedicht schreibt Hermann Hesse: „… jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“.
In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass Politik und FSW den Beginn der zweiten Periode des FSW-Kund:innen-Rats nutzen, um echte Weiterentwicklungen zu ermöglichen – und Partizipation künftig nicht nur zu versprechen, sondern auch konsequent zu leben.
Ich bin schon gespannt auf den weiteren Austausch mit den Kund:innen-Räten des FSW in dieser neuen Periode.
Siehe: ORF-Wien, FSW, Abschlussveranstaltung
Barrierefreiheit sichtbar gemacht: Jede Woche ein Bild, das Erfolge feiert oder Hürden aufzeigt.
Dieser Behindertenparkplatz beim Hotel Stoiser in Bad Loipersdorf in der Steiermark ist wahrlich kurios. Einerseits steht dort eine „Parken verboten“- …