Gebärdensprache und Gebärdensprachdolmetschung

Am 25. September 2008 fand in den Räumlichkeiten des BIZEPS für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein mehrstündiger Vortrag zum Thema Gebärdensprache und Dolmetschung von Mag. Patricia Brück statt.

Patricia Brück hält Schulung im BIZEPS
BIZEPS

Gebärdensprache entspricht nach allen wissenschaftlichen Kriterien einer Sprache. Dies sind u.a. das Vorhandensein von Wortschatz, einer eigenen Grammatik, regionaler und soziologischer Unterschiede, kultureller und identidätsstiftender Aspekte, …

Obwohl die Anerkennung als Sprache durch den Nationalrat im Juli 2005 erfolgte, gibt es immer noch schwere Diskriminierungen von gehörlosen Menschen. So wird zum Beispiel sogar in der Schule für gehörlose Kinder in Wien kaum in Gebärdensprache unterrichtet.

Wenige Lehrer in den Schulen haben Gebärdensprachkompetenz. „Die Ausbildung für Gehörlosenlehrerinnen und -lehrer sieht das auch nicht vor. Im hörgerichteten Unterricht (Regellehrplan) darf keine Gebärdensprache eingesetzt werden. Unterricht mit Gebärdensprache ist nur nach dem Sonderschullehrplan vorgesehen“, hält Brück fest.

Da die meisten gehörlosen Schülerinnen und Schüler in Lautsprache unterrichtet werden, ist die Vermittlung von Inhalten sehr schwierig. (Nur 30 % der deutschen Sprache kann laut Studien von den Lippen gelesen werden.) Zur Folge hat das eine mangelnde Schulbildung von gehörlosen Menschen, weil sie dem Unterrichtsinhalt nicht folgen können.

Nur in manchen Familien erarbeiten die Eltern mit den Kindern nachmittags den Unterrichtsinhalt noch einmal. Auf der einen Seite ermöglicht das eine gute Grundbildung, vielleicht sogar ein Studium und damit dann gute Berufschancen, auf der anderen Seite haben diese Kinder nie Zeit zum Spielen oder Zeit, um soziale Kontakte zu pflegen.

Gebärdensprachdolmetschung

Da die Gebärdensprache eine andere Grammatik hat und viele Informationen über Gebärde, Mimik, Mundbild, Blick gleichzeitig transportiert werden, wird mehr Information in kürzerer Zeit übersetzt. Durch die unterschiedliche Satzstellung in der deutschen Lautsprache, z.B. Zeitwörter, die, wenn sie mit Hilfszeitwörtern gepaart sind, erst am Ende stehen, ergeben sich in der Simultanübersetzung Zeitverzögerungen oder sogar Übersetzungsfehler, weil der Dolmetscher die Aussage des Satzes erahnen muss.

Diese Fehlerquelle kann man insbesondere bei zu übersetzenden Vorträgen vermeiden, wenn dem Dolmetscher zeitgerecht Unterlagen zur Vorbereitung übermittelt werden.

In der Simultandolmetschung ist der Dolmetscher auf vielen Ebenen gleichzeitig tätig, wie Aufnahme des Textes, Analyse des Textes, Dekodierung, Komposition in die Form der zu übersetzenden Sprache und Kontrolle, ob der Empfänger, die Übersetzung aufnehmen konnte. Die Konzentration lässt durch die Anstrengung nach 20 Minuten nach und die Anzahl der Übersetzungsfehler steigt.

Für längere Vorträge ist daher ein Bedarf von zwei Dolmetschern gegeben, die einander im 20 Minuten-Takt abwechseln.

Die Informationen und Hintergründe, die Frau Mag. Brück uns gab, interessierten mich sehr. Der Einblick, wie sehr Gebärdensprachbenutzer in Österreich immer noch benachteiligt werden, erschütterte mich jedoch besonders.

Eine Liste von Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetschern finden Sie im Internet.

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