Gericht in Großbritannien entscheidet: Rollstuhlplätze sind für Menschen mit Rollstuhl freizuhalten

Ein Gericht in Großbritannien entschied, dass Rollstuhlplätze in Bussen nur von Menschen im Rollstuhl benützt werden dürfen.

Doug Paulley
Doug Paulley

Eltern mit Kinderwägen müssen auch den Rollstuhlplatz frei machen, berichtet Channel 4 News.

Doch von Anfang an: Doug Paulley, Rollstuhlfahrer, ist regelmäßiger Benützer öffentlicher Busse. Immer wieder kommt es vor, dass er, obwohl kein Rollstuhl im Bus ist, nicht in den Bus darf, weil der Rollstuhlplatz schon besetzt ist. Sei es durch Gepäck, andere nicht behinderte Personen oder Kinderwägen.

Nach unzähligen Malen war es ihm zuviel und er hat gegen den Betreiber der Buslinie eine Klage eingereicht, da er durch die Verweigerung der Mitnahme einen späteren Bus nehmen musste und so seinen Anschlusszug verpasste.

Das Problem

Obwohl in Bussen vorgeschriebene Rollstuhlplätze vorhanden sind, ergeben sich oft Probleme. Oft sind die Plätze von nicht behinderten Fahrgästen mit Gepäck verstellt oder auch durch Kinderwägen. Wenn dann eine Person im Rollstuhl mitfahren möchte, wird die Mitnahme verweigert wegen Platzmangel.

Bei jedem Mal Busfahren gibt es beim Einsteigen das potentielle Konfliktrisiko mit Personen, die den Rollstuhlplatz unberechtigt benützen. Das ist für viele Menschen im Rollstuhl sehr nervenaufreibend und nimmt ihnen das Selbstvertrauen, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

Dieses Problem existiert auch in Österreich.

Gerichtsentscheidung

Das Gericht enschied, dass genauso wie es verboten ist im Bus zu rauchen oder andere Fahrgäste zu belästigen, Personen, die es verweigern einen Rollstuhlplatz für eine Person im Rollstuhl frei zu machen, nicht befördert werden.

Das System, dass Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer Vorrang haben bei der Benützung der Rollstuhlplätze, sollte auch vollzogen werden. Nicht als Bitte, sondern als Pflicht.

Doug Paulley wurden 5.500 britische Pfund als Entschädigung zugesprochen.

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0 Kommentare

  • Das Gegeneinander der Fahrgäste finde ich natürlich prinzipiell auch nicht gut.

    Die Situation ist allerdings für Geher eine Andere. Es gibt ca. 100 Plätze für Geher. Wenn der Rollstuhlplatz unrechtmäßig belegt ist, gibt es aber 0 Plätze für Rollstühle.

    In Wien ist es ja so bei den Wiener Linien, dass in Bussen 1 Rollstuhlplatz und 1 Kinderwagenplatz vorhanden sind. Die Rollstühlplätze dürfen von Kinderwägen verstellt werden, die Kinderwagenplätze aber nicht von Rollstühlen.

    Ergo: 2 Kinderwägen drinnen -> Kein Rollstuhl

  • Wenn man über den Tellerrand schaut sieht man Lösungen wo nicht unterschiedliche Gruppen gegeneinander kämpfen: Es gibt zwei Plätze. Einen für Rollifahrer und einen für Kinderwägen. Bei freiem Platz können die Plätze auch wechselweise genutzt werden, steigt aber ein Rollifahrer/Kinderwagen ein, ist der jeweils vorgesehene Platz freizumachen.

    Da wären dann alle gleichberechtigt – analog dazu: In einem übervollen Bus kann ich als „normaler Geher“ mich auch nicht mehr hineinzwängen wenn es nicht mehr geht.

    Zur Info: Die EU schreibt bei neuen Bussen bereits zwei Rollstuhlplätze pro Nahverkehrsbus vor. Da widersprechen zumindest in Wien einige neue Fahrzeuge der Busflotte, wo die Rolliplätze von Jahr zu Jahr beobachtbar in 10-Zentimeter-Einheiten schrumpfen.

    Das im Artikel beschriebene Szenario ist auch in Wien nicht unbekannt: Am 11A, 38A, 74A, 13A sind Rollstuhlplätze tagtäglich blockiert.

  • Stellt das nicht umgekehrt eine Diskriminierung von Eltern und in weiterer Folge von Kindern, die Kinderwagen benötigen, dar? V. a. gibt’s für Babys keine Alternative zu Kinderwagen, gleich wenig wie für den Rollstuhlbenützer…

    Denn – zumindest in Grazer Öffis – „buhlen“ da zwei Gruppen um dasselbe, oder? Ich befürchte fast, dass das in der Praxis schier unlösbar ist, od.?

  • Der Unterschied zu Österreich: Nach meiner Beobachtung gibt es nur wenige ausschließlich für RollstuhlfahrerInnen reservierte Plätze. Wenn die Plätze für Kinderwägen und Rollstühle gleichermaßen reserviert sind, lässt sich daraus wohl keine Diskriminierung ableiten. Ich frage mich halt: Ist es sinnvoll Plätze für RollstuhlfahrerInnen, Kinderwägen,… exklusiv anzuschreiben oder lernen wir aus der Überbelegung einfach, dass insgesamt zuwenige Plätze vorhanden sind?
    Der wirkliche Unterschied ist aber die Höhe des Schadenersatzes – diese überschreitet die in Österreich zugesprochenen Summen und regt tatsächlich zur Änderung des Verhaltens an. Und das ist bei Schadenersatz wegen Diskriminierung – neben dem Ersatz des persönlichen Schadenes – der zweite wichtige Aspekt.