Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Menschen mit Behinderungen

Nachbericht zur Tagung: Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Menschen mit Behinderungen. Der ANDERE Dialog. Gleichstellung: Wer behindert wen?

Christiane Link
ÖZIV

Mit rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde die Veranstaltung von NeSoVe „der ANDERE Dialog“ in Kooperation mit dem ÖZIV am Montag, den 12. Dezember 2011 begangen. (Zu den Fotos der Tagung)

Der erste Teil der Veranstaltung gab einen Überblick über die derzeitige Situation von Menschen mit Behinderungen in Österreich. Im zweiten Teil widmete sich Franz Fiala der Frage, warum gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen nicht den politischen Entscheidungsträgern aus der Hand genommen werden darf und wie gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen sichergestellt werden kann.

Christiane Link gab einen beeindruckenden Einblick in das andere Leben von Menschen mit Behinderungen in Großbritannien. Sie zeigte auf, dass das Umdenken in den Köpfen der Menschen in Großbritannien viel weiter ist als in Österreich und Deutschland. Dieser Umstand führte bei ihr dazu, dass sie ihren Wohnsitz nach Großbritannien verlegte. Erika Plevnik griff die Beispiele aus Großbritannien auf und stellte dementsprechende Forderungen an die Politik.

Dabei wurden Aspekte, wie die Berichtspflichten für Unternehmen, transparente Kennzahlen für Unternehmen, sowie konkrete Gesetzesänderungsvorschläge präsentiert. Anschaulich wurde die Verzahnung von Indikatoren und freiwilligen Benchmarks in den einzelnen Forderungsbereichen dargestellt.

Der andere Dialog

Den letzten Teil der Tagung bildete der andere Dialog. Neben Erika Plevnik, Christiane Link und Franz Fiala ergänzte die ehemalige CSR-Beauftragte bei der PORR AG, Anita Fleckl das Podium. Sie unterstützte die Forderung Erika Plevniks auf Anhebung der Ausgleichstaxe, da das Beispiel der PORR AG mit 11.000 Beschäftigten in 16 Ländern zeigt, dass die derzeitige Höhe der Ausgleichstaxe nicht zu einem Umdenken führt.

Diskutiert wurde, wie durchgesetzt werden kann, dass Unternehmen soziale Kriterien bei der Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen einführen und einhalten, auch wenn dies aus betriebswirtschaftlicher Sicht keine Gewinnsteigerung bewirkt.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage der Strafen. Einige setzten auf empfindliche Strafen zur Durchsetzung regulativer Maßnahmen wie in Großbritannien. Für andere war der Weg freiwilliger Umsetzung nach wie vor die einzige Möglichkeit.

Kontrovers wurden auch Beispiele zur Zusammenarbeit von NGOs und Unternehmen diskutiert. Hier war die Frage, wie sinnvolle Arbeit von NGOs in diesem Bereich aussehen kann und wo ein Umdenken oder Mut von Unternehmen erwartet werden kann. Schließlich wurden Fragen der Umsetzung von barrierefreien Internetauftritte, der diskriminierungsfreie Zugang zu Information und Kultur, Kündigungsschutz, Doppelberechnung von Pflichtstellen andiskutiert.

Einig war man sich, dass Systemänderungen notwendig sind, zumindest im Kopf. Zum Teil wurde auch ein Systemwechsel in Politik und Wirtschaft gefordert.

Der ANDERE Dialog am 12.12.2011 hat gezeigt, dass der Diskurs geführt werden muss, dass die Diskriminierung von 1/6 der Weltbevölkerung kein Randthema sein darf, auch wenn es immer noch so behandelt wird.

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0 Kommentare

  • Ein sehr Interessanter Beitrag – vielen Dank den Organisatoren für den Mut diese Themen anzugreifen. Frau Christine Link spricht mir aus dem Herzen – seit vielen Jahren zeige ich Möglichkeiten auf, Menschen mit Behinderung den Weg ins Arbeitsleben bzw. den Erhalt des Arbeitsplatzes in die Tat um-zusetzen. Die Forderungen von mir und meinen KollegInnen auf Erhöhung der Ausgleichstaxe auf die Höhe des Mindeseinkommens bzw. Mindeskollektivver-tragsbasis, verpflichtenede Verankerung von internen Weiterbildungsangebot-en, Offenlegung der Bewerbungen, Anerkennung der BehindertenvertreterInnen (Vertrauenspersonen) im Betrieb als eigenständige Interessensvertretung sowie Zurverfügungstellung der notwendigen Ressourcen durch den Dienstge-ber brachten keinen Erfolg. G.-N. Ludwig Behindertensprecher der Bed.d.Stadt Wien



  • Ich ersuche Sie höflichst, um Unterstützung bei folgender Begebenheit.

    Ich bekam die Zuweisung zu einem Infotag zu einer Arbeit, ohne zu wissen, welche Arbeit, welcher Kollektivvertrag.
    Außerdem habe ich den Behindertenpass mit Einstellschein und habe den Pflege und Betreuungspreis 2011 in der Kategorie
    Für pflegende Angehöriger bekommen, da ich meine Eltern – Vater Pflegestufe 2 – 91 Jahre – Mutter – Pflegestufe 3 – 88 Jahre pflege.

    Die AMS Beraterin meinte, dass ich meine Eltern in ein Heim geben müsste, damit ich diesen Job ausüben kann.
    Da ich aber zum Kreis der begünstigten Behinderten gehöre, gilt dies nach den Bundesbehindertengleichstellungsgesetz als Diskriminierung und Nötigung.

    Können Sie dies weiterleiten oder mir bekanntgeben, wer für diesen Fall zuständig ist.