Gleichstellung jetzt!

Die erste Plenartagung des "Forum Gleichstellung" fand am 25. September 2002 in Wien statt.

Forum Gleichstellung
ÖAR / Bauer

Das „Forum Gleichstellung“ geht auf eine Initiative der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR) vom März 2002 zurück und ist ein Zusammenschluss von ExpertInnen in Sachen Behindertengleichstellung.

Nun startete das Forum Gleichstellung eine breit angelegte Kampagne unter dem Titel „Gleichstellung jetzt!“, die darauf abzielt, behinderte Menschen, die sich bislang kaum oder nicht mit der Thematik Behindertengleichstellung auseinandergesetzt haben, damit vertraut zu machen und so das Bewusstsein dafür zu erwecken, dass die Forderung nach einer umfassenden Gleichstellung – im Sinne von Chancengleichheit und Gleichberechtigung – behinderter mit nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens die absolut vorrangige Forderung darstellt.

In Form von Impulsreferaten von ExpertInnen, wie Manfred Srb, Martin Ladstätter, Mag. Michael Krispl, Mag. Dorothea Brozek, Mag. Silvia Oechsner, Mag. Marlene Fuhrmann-Ehn, Mag. Helene Jarmer und Maria Brandl, wurde die Situation behinderter Menschen in Österreich anschaulich dargestellt und von den rund 70 TagungsteilnehmerInnen diskutiert.

Zusammenfassend lautete das Ergebnis der Bestandsaufnahme, dass Menschen aufgrund ihrer Behinderung benachteiligt werden, weil

  • Bauten, Gebäude und Anlagen nicht barrierefrei erreichbar und nutzbar sind,
  • Dienstleistungen – z. B. Arztpraxen oder Geschäfte – nicht für alle zugänglich und nutzbar gemacht sind,
  • die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel nur mit großen Schwierigkeiten möglich bzw. unmöglich ist,
  • der Zugang zu und die Nutzung von Informationen trotz der technischen Möglichkeiten nicht gewährleistet ist,
  • gemeinsame Erziehung und Bildung von behinderten und nichtbehinderten Menschen noch immer nicht flächendeckend umgesetzt ist,
  • der Zugang zum Arbeitsmarkt durch rechtliche und faktische Barrieren erschwert wird und ihre berufliche Laufbahn eingeschränkt ist,
  • sie und ihre Interessensvertretungen keine Möglichkeit haben, Benachteiligungen rechtlich zu bekämpfen,
  • behinderte Kinder bis zur Geburt abgetrieben werden dürfen …

Der einstimmig beschlossene Appell der rund 70 TeilnehmerInnen lautete daher, dass die Bundesregierung aufgefordert wird, eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung der behinderten ExpertInnen einzurichten, die ein umfassendes Behindertengleichstellungsgesetz ausarbeiten soll.

In der Schlussansprache meinte der Präsident der ÖAR, Dr. Klaus Voget dazu: „Ich halte die Zeit nun für ein Behindertengleichstellungsgesetz reif; das sage ich aber nicht nur, um Sie, meine Damen und Herren, zu motivieren, sondern weil ich zutiefst davon überzeugt bin.“

Mag. Michael Krispl (Blickkontakt) meinte als Mitglied des Forum Gleichstellung: „Das Ziel muss jedenfalls ein Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz und müssen entsprechende Landes-Behindertengleichstellungsgesetze sein, und zwar noch im Jahr 2003, da ansonsten das Staatsziel der Österreichischen Bundesverfassung, behinderte und nichtbehinderte Menschen in allen Bereichen des täglichen Lebens gleich behandeln zu wollen, nicht erfüllt wird. Nicht zuletzt kann sich Österreich auch den Initiativen der Europäischen Union, eine umfassende Behindertengleichstellung in Form einer Richtlinie verabschieden zu wollen, nicht auf Dauer verschließen.“

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