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Google und der Weg zur Barrierefreiheit

Die weltweit am meisten genutzte Suchmaschine Google bevorzugt bekanntlich barrierefreie Webseiten. Doch wer glaubt, dass Google Barrierefreiheit massiv unterstützt, der irrt sich leider.

Bevor man auf den Beitrag von Google zur Förderung eines barrierefreien Internets eingeht, sollte man sich kurz in Erinnerung rufen, wer Google eigentlich ist.

Das Unternehmen Google ist weltweit bekannt durch seine Suchmaschine. „Da Google ein äußerst effizientes und einfach zu verwendendes Programm ist, ist die Marke fast ausschließlich durch Mundpropaganda von zufriedenen Nutzern zu einer der weltweit bekanntesten Marken geworden“, ist dem Unternehmensprofil von Google zu entnehmen. Dort heißt es weiters: „Das Ziel von Google besteht darin, die Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen.“

Diesem Ziel ist Google recht nahe gekommen und hat dabei auch noch recht gut verdient. Google ist heute das wertvollste Medienunternehmen der Welt und nach seinem Börsegang mehr als 80 Milliarden Euro wert, berichtet die Stuttgarter Zeitung am 21. Oktober 2005.

Ein beachtlicher Erfolg, wenn man bedenkt, dass Google erst im September 1998 von Larry Page und Sergey Brin gegründet wurde. Die beiden lernten einander an der Stanford Universität kennen. Das erste „Büro“ von Google war typischerweise für diese Art eines Unternehmens anfangs in einer Garage untergebracht.

Layout: Geniestreich oder mangelnde Kenntnis?

Die beiden hatten eine gänzlich revolutionäre Idee, wie man bessere Suchergebnisse erzielen konnte. Was fehlte war eine Ausgabe auf einer Internetseite. „Einfaches Design wurde bei Google vielerorts als Geniestreich tituliert – es gibt auch Leute, die sagen, dass Brin und Page einfach nicht ordentlich HTML-Programmieren konnten und daher ein kompliziertes Layout nicht hinbekommen hätten“, schreibt beispielsweise at-magazin, das Printmagazin der österreichischen Domainregistrierungsstelle, über das zum Kult gewordene Layout von Google.

Daran dürfte vieles wahr sein. Eines ist jedenfalls sicher: Die Ausgabeseiten der Suchergebnisse von Google sind auch noch heute in einer derart schlechten, veralteten und fehlerhaften Programmierqualität, dass man dies erstaunt zur Kenntnis nehmen muss. Es mangelt u.a. an ordentlichen Markups und einer klaren Trennung von Inhalt und Layout. Auch standardkonformes HTML sucht man vergeblich.

Google liebt barrierefreie Seiten

Viel bekannter dagegen ist, dass Google barrierefreie und standardkonform programmierte Internetseiten bei der Listung bevorzugt. Dies ist auch nicht verwunderlich, da Google im Prinzip ein blinder Internetnutzer ist und daher eigentlich nur Informationen aus Texten entnehmen und in diese in sein Archiv aufnehmen kann.

Verfechter von barrierefreiem Internet erwähnen daher seit Jahren, dass gute Listung ein Zusatznutzen der guten Programmierung ist. So hat Google unschätzbaren Wert bei der Argumentation für barrierefreies Internet und damit viel zur Verbreitung der Idee beigetragen. Ist Google also einer der Vorkämpfer für barrierefreies Internet?

Fördert Google Barrierefreiheit?

„Ja und nein“, muss die Antwort leider lauten. Einerseits bevorzugt die Suchmaschine barrierefreie Seiten, andererseits ist das eigene Angebot in Bezug auf Barrierefreiheit schlicht weg mangelhaft. Ein Umstand der mehrfach und immer wieder kritisiert wurde.

Trotzdem ist und bleibt Google die beliebteste Suchmaschine und – das sei hier ausdrücklich erwähnt – unter den großen Suchmaschinen-Angeboten auch in der vorliegenden Qualität die zugänglichste.

Nicht barrierefreie Angebote haben bei Google aber leider schon Tradition. Die beschämende Liste – der technisch innovativen aber leider nicht barrierefreien Angebote – ist leider lang und umfasst u.a.: GMail, Google News oder Google Reader.

Google bietet gelegentlich Alternativen an, die aber nur sehr mangelhaft sind. So existiert z. B. eine sehr abgespeckte Google-Version der Suchmaschiene, die allerdings für mobile Endgeräte gedacht ist und bei weitem nicht den Funktionsumfang der bekannten Suchmaschine umfasst.

Manche Angebote von Google sind auch völlig unbenützbar gestartet worden. Dazu zählt Gmail, das von Anfang an vehement kritisiert wurde.

Vereinzelt wurden Nachbesserungen realisiert, wie beispielsweise bei News-Google. Dort wird unter dem Link „text-only“ versucht, den Inhalt der Seiten zumindest halbwegs zugänglich aufzubereiten. Eine Herangehensweise, die scheitern muss, weil Barrierefreiheit nicht bedeutet, einfach nur Text anzuzeigen. Dem Angebot fehlen eine ordentliche Strukturierung sowie Hilfen zur Navigation, wie z. B. Sprungmarken.

Das Google-Werbeprogramm musste von vielen Seitenbetreibern, die auf Barrierefreiheit achten, wieder von ihren Angeboten entfernt werden. Gegenüber dem Nachrichtendienst kobinet gab Google im September 2004 unumwunden zu: „Zurzeit sind unsere Anzeigen jedoch nicht WAI-kompatibel.“

Auch eines der neuesten Produkte – der Google Reader (ein Programm zum Lesen von RSS) – berücksichtigt die Anforderungen behinderter Menschen nur mangelhaft, wie Philipp Lenssen in seinem Blog Anfang Oktober 2005 schrieb. Google hat 27. Oktober 2005 mitgeteilt, dass in einer neuen Version einige Mängel behoben wurden.

Google und seine Ideenfabrik

Die Spielwiese der Google-Technikerinnen und Techniker heißt Google-Labs. Hier werden Projekte von Google der Öffentlichkeit vorgestellt und getestet. Die erfolgreichsten werden übernommen.

Vor knapp drei Jahren wurden in dieser Ideenfabrik auch zusätzliche Funktionen der Suchmaschine angeboten. Darunter waren eine auf Tastatursteuerung optimierte Variante der Suchmaschine sowie eine mit Spracheingabe (per Telefon) zu bedienende. Beide schafften leider nicht den Sprung in den Regelbetrieb, was äußerst schade ist.

Behinderte Menschen hoffen, dass in diesen Google-Labs bald wieder Verbesserungen getestet werden. Beispielsweise wäre – in ferner Zukunft – eine Verknüpfung von Google Earth mit fundierten Daten zur Barrierefreiheit interessant. Man könnte so z. B. die nächstgelegene barrierefreie Pizzeria finden. Aber auf diesen Service wird man sicherlich noch länger warten müssen.

Wird Google verbessert?

„Scheinbar macht sich jemand bei Google ernsthaft Gedanken über die Barrierefreiheit“, vermutet Christiane Link in ihrem Blog. Sie hatte am 27. Oktober 2005 kurzfristig Überschriften (also ordentliches Markup) auf den Google-Seiten entdeckt. „Bislang war die Seite nämlich recht unstrukturiert, wenn man mit Sprachausgabe darauf navigierte“, schrieb sie.

„Ein öffentlicher Test ist bei Google meist nur wenige Tage vor der endgültigen Veröffentlichung üblich.“, ist im GoogleWatchBlog zu lesen. Das gibt Anlass zur Hoffnung. Man wird sehen, ob Google nun seine Ausgabeseiten endlich verbessert. Zu wünschen wäre es, notwendig ist es schon lange.

Google macht sich zumindest Gedanken darüber. Derzeit sind immerhin vier Jobangebote bei Google online, die auch Kenntnisse im Bereich Accessibility einfordern.

Google-Philosophie: „Gib dich nie mit dem Besten zufrieden“

„Die perfekte Suchmaschine würde genau erkennen, was der Nutzer meint und genau die Ergebnisse anzeigen, die er sich wünscht“, legt Larry Page, Mitgebegründer von Google, auf der Internetseite des Unternehmens dar.

Die „Zehn Dinge, die für Google erwiesen sind“ enthalten daher auch „Der Nutzer steht an erster Stelle und alles Weitere ergibt sich von selbst.“ und „Toll ist einfach nicht gut genug.“

Ob Google diese weisen Sätze auch auf die Barrierefreiheit seiner Angebote beziehen will, wird erst die Zukunft zeigen. Zu hoffen wäre es.

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0 Kommentare

  • @MP:Ole: Vielen Dank für den Hinweis, die 2 Fehler wurden behoben.

  • Google ergeht es wie dem Verfasser dieses Artikels, er fördert die Barrierefreiheit. Bieten diese aber leider nicht an. Schade, die Seite hat laut TIDY 2 Fehler und 51 Warnungen. javascript geht auch valide. Den Artikel finde ich aber sehr gut :-)

  • Also, ich bin ja ein Fan von Google und auch die Ansätze sehr gut. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und vergleichen wir mal Google mit Web.de und sonstigen Suchmaschinen, so hat Google in jedem Fall die Nase vorn.