Günter Schleser verstorben

Mit gemischten Gefühlen aus Trauer, Nachdenklichkeit aber auch Trost, Dankbarkeit und Freude gebe ich den plötzlichen Abschied meines Freundes Günter Schleser bekannt.

Günter Schleser
Schleser, Ing. Günter

Am Dienstag, 15. April 2008 hat Günter Schleser zuhause sein Leben vollendet, er verstarb überraschend, nach relativ kurzer gesundheitlicher Krise.

  • Traurig bin ich über den unvorbereiteten Verlust seiner Gemeinschaft, ich werde den Gedankenaustausch, seine Telefonate und E-Mails vermissen.
  • Neu nachdenklich bin ich über die jederzeitige Zerbrechlichkeit unseres Lebens, dieses Bewußtsein soll mein Leben immer wieder auf das Wesentliche ausrichten.
  • Tief getröstet bin ich, weil der Tod dem wahren Leben nichts anhaben kann.
  • Dankbar bin ich, Günter kennengelernt zu haben und in Freundschaft sein letztes Lebensjahr gemeinsamen Weges gegangen sein zu dürfen.
  • Freude habe ich darüber, weil sein Hinübergehen in die neue Wirklichkeit leichter war, als es seine fortschreitende Erkrankung für viel spätere Lebensjahre befürchten ließ und Günter jetzt die völlige Freiheit genießen kann.

Günter Schleser hat bereits vor mehr als 15 Jahren als Vizepräsident des Zivilinvalidenverbandes mit jahrelangem, äußerst unermüdlichem Engagement, einen bedeutenden Beitrag für das Zustandekommen des Pflegegeldgesetzes geleistet, welches damals ein Meilenstein der Pflegesicherung in der österreichischen Behindertenpolitik war.

Ich bin Günter Schleser sehr dankbar für sein neuerliches Engagement in unserer im Jahr 2007 gemeinsam gestarteten Bürgerinitiative „Daheim statt Heim“ für eine neuerliche Umsteuerung im Hilfesystem für pflege- und assistenzbedürftige Menschen.

Kurzportrait: Günter Schleser, Ing. (Jahrgang 1940):

Motto: Menschenwürde und Menschenrechte dürfen nicht durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgeschaltet werden

Seit früher Kindheit infolge fortschreitender Muskelerkrankung schwer körperbehindert, war 40 Jahre berufstätig. Engagement im sozialpolitischen Bereich, insbesondere für die Probleme Schwerstbehinderter. Initiator der Pflegegeldgesetze (1985 bis 1993). Ausgezeichnet vom Bundespräsidenten mit dem Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich am 19.10.1993 sowie dem Verdienstzeichen des Landes Salzburg vom 20.3.2000. Mitglied im Behindertenbeirat der Stadt Salzburg, im Beirat der SGKK sowie in der Ethikkommission des Landes Salzburg. Mitinitiator der österreichischen Bürgerinitiative „Daheim statt Heim

Ein großes Anliegen von Günter Schleser war die Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige und Nahestehende, sowie die Etablierung von bedürfnisgerechter Pflege, Betreuung bzw. Assistenz mit echter Wahlfreiheit der Wohn- und Betreuungsform für jeden, also unabhängig von Art und Schwere der Behinderung oder dem Alter.

Eine solidarisch getragene Pflegesicherung, welche auch Menschen mit sehr hohem Pflege- und Assistenzbedarf ein Leben in Würde und Selbstbestimmung ermöglicht, wurde von Günter Schleser bis zuletzt eingemahnt.

In aufrichtiger Anteilnahme für die Angehörigen und alle, die Günter kannten.

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0 Kommentare

  • Sehr geschätzte BIZEPS Leserinnen und Leser! Hr. Schleser hat über Salzburg hinaus wesentliche Impulse fd Behindertenbewegung gesetzt. Seine „herzliche Umbequemlichkeit“ in diesen Belangen wird für andere Menschen in diesem Bereich, auch für mich, die Quelle sein, weiter zu wirken. Den Worten von Andrea Mielke und Gerhard Lichtenauer, schließe ich mich an.

  • Liebe Frau Mielke, mich bewegte soeben Ihre Verneigung vor Günters Größe sehr. Wie vielen Anderen geht es jetzt wohl wie Ihnen? Hier ist die Auflösung mancher Rätsel: Weil Günter in seiner Jugend einen Menschen hatte, der ihm sehr geholfen hat und zur Seite stand, entschied er sich, für andere da zu sein, wenn es ihm einmal besser ginge. Diese selbstbestimmt gewählte Berufung hat er über viele Jahrzehnte konsequent und diszipliniert verfolgt. Nun ist Günter durch die Zielfahnen seiner Lebensaufgabe hinübergerollt und andere dürfen weitermachen.

  • mit tiefer bewegtheit nehme ich soeben die nachricht von günter´s tod in mein bewußtsein. in mir öffnet sich die rose der trauer … sobald meine pa zur tür hereinkommt, will ich ihm zu ehren eine kerze entzünden.
    günter war für mich persönlich der 1.schritt (und damals der beginn und meilenstein in meiner assistenzgeschichte) in ein selbstbestimmtes leben! vor 25 jahren war er der jenige und einzige, der mich motivierte mein leben selbst in die hand zu nehmen und die erste finanzierung bar auf die hand für persönliche assistenz einzufordern. diesen weg bin ich bis heute gegangen!

    danke günter, dass du die richtigen impulse in mir wach gerufen hast.
    wo immer du jetzt bist, vieeeel leichtigkeit und endlich die kraft zum fliegen …

    „alles wirkliche leben ist begegnung“. (martin buber)

    wunderbar, dass ich dir begegnet bin! in stille, andrea mielke

  • Auch ich bin sehr betroffen über den Tod von Günter Schleser. Einige Male durfte ich in Salzburg im behindertengerechten Appartment wohnen, das er initiiert hat. Er hat sehr kompetent viel für uns Menschen mit Behinderung getan. Er hat Spuren hinterlassen. Albert Schweitzer: Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen.