Häupl: „Persönlich gesehen ziehe ich Sachleistung vor“

Im Rahmen des Wiener Landtagswahlkampfes führt der ORF Interviews mit den Spitzenkandidaten und lässt Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen.

Michael Häupl
SPÖ

An den SPÖ-Landesparteivorsitzenden, Dr. Michael Häupl, stellte „User Christian, 1030 Wien“ folgende Frage: „Wie stehen Sie persönlich zur Pflegegelddebatte bzw. zu der Änderung von der Geld- zur Sachleistung?“

Der Vorsitzende und Bürgermeister der Stadt Wien beantwortet dies – laut ORF-Wien vom 24. September 2010 – wie folgt: „Persönlich gesehen ziehe ich Sachleistung vor. Länder mit großer Tradition im Gesundheits- und Sozialberich, wie etwa Schweden und Finnland, haben doppelt so hohe Sachleistung wie Geldleistung, das halte ich für sehr vernünftig.

Prinzipiell glaube ich, dass man einen ordentlichen Mix braucht, beispielsweise Menschen, die pflegebedürftig sind, in ihrer gewohnten Umgebung zu lassen. Wir haben keinen Ehrgeiz, Menschen in Pflegeheime zu bringen. Aber für Menschen mit höheren Pflegestufen muss ein Angebot da sein. Das ist der Grund, warum wir sechs neue Pflegehäuser in Wien bauen.“

SPÖ für Sachleistungen

Häupl bestätigt damit die Aussagen von hohen SPÖ-Politikerinnen und Politikern, die in letzter Zeit immer häufiger davon sprechen, Sachleistungen einzuführen.

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • Nicht, dass mir besonders viel am Wahlerfolg der Wiener SPÖ liegt, aber ich frage mich, wie weit die entsprechenden SPÖ-PolitikerInnen inzwischen von der Realität entfernt sind, dass sie nicht merken, dass sie geradee ihre (letzten) Kernwählerschichten vertreiben – PensionistInnen, eher in den unteren Pflegestufen, also die angeblichen Moped-Fürs-Enkerl-Finanzierer. Ich komme immer mehr zu der Meinung, dass man PolitikerInnen einmal deutlich machen muss, wieviele Prozent am Wahltag behinderte Menschen, alte Menschen und deren Angehörige ausmachen würden. Das ist scheinbar die einzige Sprache, die sie verstehen.

  • ich frage mich, warum politiker nicht und nicht verstehen wollen oder können, wie zentral geldleistungen für ein selbstbestimmtes leben sind. seit anbeginn des pflegegelds gilt: sie verstehen es nicht! ist es beharrliches nicht-wissen-wollen? oder ist es der versuch, mächtiger menschen, auf dem rücken von behinderten menschen die angst vor der eigenen verwundbarkeit auszuleben? egal: wir müssen sie dazu zwingen, die realität anzuerkennen. wenn sie es nicht verstehen WOLLEN, dann müssen wir sie eben dazu zwingen. wir haben keine andere wahl.

  • Wenn Österreich ein Rechtsstaat wäre, käme es nicht darauf an, welche persönliche Meinung Regierungsvertreter und Amtspersonen vertreten, sondern sie hätten ihre Amtspflichten getreulich zu erfüllen und dabei die Bundesverfassung, worauf sie vereidigt wurden, zu achten und den Menschenrechten zum Durchbruch zu verhelfen.
    In einem Rechtsstaat wären Regierungsvertreter und Amtspersonen unverzüglich ihrer Ämter zu entheben und der unabhängigen Gerichtsbarkeit zuzuführen, wenn sie bewusst und vorsätzlich durch Unrechthandeln oder Unterlassungen Bürger, insbesondere schutzbedürftige Menschen, an ihren Rechten schädigen.

  • War heute im Krankenhaus, eine schwerst-kranke Tante von mir besuchen: Der Zimmerkollege läutete der Schwester, worauf diese ins Zimmer kam uns sich anhörte, was der Mann braucht: Er flehte sie förmlich an um einen Schluck Wasser. 1. Reaktion der Krankenschwester: Wenn Sie ZUSATZVERSICHERT sind, bekommen Sie Mineralwasser aus der Flasche, ansonsten Tee oder Leitungswasser!
    Der Mann sagte als Antwort: „Ich bin so froh, dass ich nach meinem Schlaganfall überhaupt noch weiss, dass ich durstig bin, und deswegen würde ich auch, wenn ich Klassepatient wäre mit Zusatzversicherung mit normalem Leitungswasser zufrieden sein obwohl ich Mineralwasser bekommen dürfte.“ Darauf die Schwester: „Aber Sie verstehen schon, warum ich das gefragt habe?“ Er als Antwort:“Gott sei Dank kann ich Sie noch verstehen, wenn ich auch wieder in die Lage komme, mir das Wasser selber zu holen, bin ich dem Herrgott zutiefst dankbar!“
    Meine Meinung zu diesem heutigen Erlebnis:Da lernt man wirklich wieder, demütig zu sein, wenn man Menschen beobachten darf, die trotz solcher schwieriger Schicksalsschläge wie Schlaganfall mit so hoher Bewegungseinschränkung den Mut nicht verlieren, sondern dankbar sind, dass sie noch ein Durstgefühl haben und artikulieren können, was sie brauchen. Mein tiefster Respekt vor diesem Mann.

  • @meia: Häupls Inkompetenz mit seinem Alter rechtzufertigen, ist nicht richtig, denn SP-Soziallandesrat Stmk. Schrittwieser ist Jahrgang 1952, kennt und bietet Geldleistungen anstelle von Sachleistung an. Häupl ist 1949 geboren; kann mir nicht vorstellen, dass 3 Jahre Altersunterschied einen derartigen Reifegrad-Unterschied ausmachen…;-) Das ist einzig sein altgedanklicher Fürsorge-Sozialismus…

  • Jetzt würde es endlich einmal Zeit werden, wenn (SPÖ-) Politiker immer von Sachleistung-Umwandlungen sprechen, einmal zu definieren, was sie darunter (wirklich) verstehen: gegenwärtig gibt es bekanntlich Pflegegeld, somit eine Geldleistung. Die Umwandlung dessen in Sachleistungen würde auch heißen, dass die notwendige Anzahl an qualifizierten Personal vorhanden ist, denn sozusagen unqualifiziertes Personal wird ja schon jetzt durch das Pflegegeld finanziert. Dieses so genannte unqualifizierte Personal reicht in sehr vielen Fällen jedoch völlig aus. Sachleistung und damit verbundene Qualifizierung würde bedeuten, dass es diese Leute, die diese Sachleistung dann erbringen, auch gibt, wovon nicht auszugehen ist, wenn jetzt schon nicht alle qualifizierten Pflegestellen im stationären Bereich besetzt werden können. Insofern ist es sicher eine gute Idee/Geschichte, dass Herr Häupl selbst nicht mehr ganz jung ist, ziemlich bald selbst einmal zu einem (Sachleistungs)Pflegefall werden wird und uns dann gerne aus seinen eigenen Erfahrungen berichten darf… Auf die Gefahr hin, dass Häupl-Hirn damit zu überfordern, sei ergänzend erwähnen, dass sein Parteikollege und damaliger Sozialminister Erwin Buchinger die UN-Konvention unterschrieben hat, die klar sich für Selbstbestimmung und damit für Persönliche Assistenz/Geldleistung ausspricht…

  • Gut so – er geht uns mit gutem Beispiel voran! Und er muss sich mit den schwedischen Verhältnissen beschäftigt haben …

  • @dorothea brozek: Ich denke nicht, dass die PGE 2011 in Sachleistungen umgewandelt wird – Sie ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben und ist eine Alternative, zu Pflegediensten, Altentagesstätten, Pflegeheimen – und ist sowieso nicht Jedermanns(frau) Sache. Die Erweiterung auf andere behinderte Menschen und der Rechtsanspruch ist eine andere Sache, da bedarf es noch viel Überzeugungsarbeit, muss erkämpft werden.
    Zu Häüpl: Er wurde damit nicht wirklich konfrontiert und gehört einer älteren Generation an, die noch in der „Befürsorgunsgesellschaft“ aufgewachsen und geworden sind. Ich denke auch den Herrn Bürgermeister kann man mit guten Argumenten überzeugen. vor allem kommt es auf lange Sicht billiger.

  • jetzt ist es eindeutig: häupl zieht sachleistungen vor, wehsely äussert sich nicht eindeutig wie es mit der PGE nach 2011 weitergeht – schweigt dazu, wann sehbehinderte und blinde menschen und im rahmen eines persönlichen budgets menschen mit lernschwierigkeiten einbezogen werden und der bund „hat seinen teil gemacht“ – alles klar bei den wahlen 2010?

  • Da hat Herr Häupl wohl einiges übersehen. In Schweden leben 40.000 Menschen mit Persönlicher Assistenz zu Hause und nicht in „Pflegestationen“!

  • Gerne glaube ich Ihnen, dass Sie Sachleistung bevorzugen, da Sie es sich ja auch leicht(er) richten können als wir:
    Sollte die „bewilligte“ Sachleistung Ihnen zu wenig sein, werden Sie sich ohne Probleme weitere Sachleistung zukaufen können und sind nicht so wie Ihre „Untertanen“ darauf angewiesen, WIEVIELE Stunden oder gar Minuten Ihnen am Tag bewilligt worden sind!
    Sollten Sie aus irgendeinem Grunde auch nicht zufrieden sein mit den Mitarbeitern des mobilen Dienstes werden Sie auch nicht lange „fackeln“ müssen, sondern sich eine andere Verläßliche Diplomkraft leisten können- ohne die Bewilligung der Stundenanzahl abwarten zu müssen- wie Ihre Untertanen- sondern werden sich die „Dienstleister“ leicht aussuchen können.

    Da Sie also auch im Falle einer zukünftigen Selbstbetroffenheit andere Ausgangspositionen haben als wir alle, werden Sie wohl verstehen müssen, dass wir dafür weiterkämpfen müssen, dass das Pflegegeld Pflegegeld bleibt, und uns nicht auf „Almosenempfänger und Bittstellerposten“ begeben werden, wenn Sie und viele andere Politiker das auch gern so hätten!
    Mit freundlichen Grüßen!

  • Herr Häupl wird seine persönlichen Präferenzen wohl nie bei Realitätsbedingungen unter Beweis stellen. Es wird ihm, wenn er pflegebedürftig wird, zwar kaum an Sachleistungen mangeln, diese aber so selbstbestimmt wie Geldleistungen genießen können. Ein Unterschied muss schon herrschen zwischen Fürst und Unterthanen.

  • Ich nehme mal an, Herr Bürgermeister Häupl hat vielleicht privat eine Haushalts- oder Gartenhilfe beschäftigt oder jemand engagiert, der den Pool wartet oder andere Dienstleistungen erbringt. Jedenfalls dürfte er einen dienstlichen Chauffeur haben. Es wäre ja mal einen Selbstversuch wert, diese Dienste nach Kriterien des Sachleistungsbezugs zu regeln: Er hätte ganz wenig bis gar keinen Einfluss darauf, wer, was, wann, wie und in welcher Qualität oder Zeitdauer erledigt. Mal sehen, wie lange er bei seinen persönlichen Vorlieben bliebe, die er jetzt zwar behauptet aber wohl noch kaum kennengelernt hat.

  • Mein Gott, was Sie persönlich vorziehen Herr Bürgermeister, ist relativ irrelevant, da sie persönlich ja nicht betroffen sind. Seien Sie froh und dankbar!