Haidlmayr: „Die Anerkennung der Gebärdensprache muss das Ziel sein“ –

Das ist das Ziel der Grünen

Theresia Haidlmayr
GRÜNE

Die Behindertensprecherin und Abgeordnete der Grünen, Theresia Haidlmayr, zog heute Mittwoch, bei einer Pressekonferenz Bilanz in Sachen Gebärdensprache in Österreich.

Anlass ist das „Europäische Jahr der Sprachen 2001“. Nach wie vor sei die Muttersprache der Gehörlosen in Österreich nicht offiziell anerkannt. Ein grundlegendes Menschenrecht werde somit ca. 10.000 gehörlosen Menschen vorenthalten, so Haidlmayr. Sie wies auch darauf hin, dass ca. 456.000 Menschen als hörbeeinträchtigt gelten. Die Grünen hätten derzeit zwei Anträge im Parlament eingebracht: „Anerkennung der Gebärdensprache“, und „Sicherung des Zugang gehörloser Kinder zur Österreichischen Gebärdensprache im österreichischen Schulsystem“. Eine Behandlung in den Ausschüssen lasse allerdings nach wie vor auf sich warten.

Die Präsidentin des österreichischen Gehörlosenbundes, Helene Jarmer, vermittelte in ihrer Muttersprache, der Gebärdensprache, übersetzt von einer Dolmetscherin, ihre Anliegen. Die Lebensbedingungen heute seien zum Teil fatal. Das betreffe die Ausbildung, den Beruf und auch die Freizeit. Für die Verbesserung der Situation sei die Anerkennung ihrer Sprache unabdingbar. Jarmer zog einen Vergleich mit Schweden: Dort, einem Land mit vergleichbarer Einwohnerzahl, gebe es 500 gehörlose Studenten, in Österreich lediglich eine Hand voll. Die Lebensqualität und die Verdienstmöglichkeiten seien massiv herabgesetzt.

Informationsmedium Nummer eins sei für Gehörlose das Fernsehen. Gerade deshalb seien Untertitelungen im Fernsehen auch so wichtig. In Tschechien würden 75 Prozent der Fernsehsendungen untertitelt, in Amerika 100 Prozent, ist Österreich seien es lediglich elf Prozent. „Ich möchte für keinen Blinden sprechen, weil ich selbst nicht blind bin und nicht über ihre Bedürfnisse Bescheid weiß, – ich bin aber gehörlos und ich weiß, was wir brauchen. – Ich werde so lange kämpfen bis die Gebärdensprache in Österreich anerkannt ist“, so Jarmer.

Vom Standpunkt der Sprachwissenschaft sei die Gebärdensprache eine seit Jahrhunderten „ansässige“ Sprache, erläuterte die Sprachwissenschftlerin Verena Krasneker: „Die Gebärdensprache ist der Überbegriff für eine ganze Sprachfamilie, mit unzähligen nationalen Varianten, möglicherweise genauso vielen wie gesprochene Sprachen, also etwa 6.000.“ Die Gebärdensprache gelte aber als eher unbekannt. Einerseits liege das an der Verfolgung der Gehörlosen durch die Nationalsozialisten und andererseits an der derzeit praktizierten Sprachenpolitik und der politischen Weigerung, der Österreichischen Gebärdensprache ihre rechtliche Anerkennung angedeihen zu lassen, so die Wissenschaftlerin.

Derzeit sei in 27 Ländern die Gebärdensprache anerkannt, davon in sieben europäischen Ländern. Das Europäische Parlament habe bereits zwei Resolutionen verabschiedet, welche die Mitgliedstaaten der EU auffordern, Schritte zur Anerkennung der nationalen Gebärdensprachen zu treffen, Österreich sei somit säumig. Auf die Frage woran das Anliegen scheitere, sagte Haidlmayr, es fehle an der notwendigen Mehrheit im Parlament, man befände 10.000 Menschen offensichtlich als eine Minderheit, die vernachlässigbar sei. Offensichtlich fürchte man sich auch vor den Folgen – vor allem Folgekosten, etwa für Gebärdensprachdolmetscher.

„Durch die Nichtanerkennung der Gebärdensprache werden gehörlose Menschen in Österreich tagtäglich diskriminiert und weiterhin vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen“, so die Bilanz von Haidlmayr.

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