Heidelberg-Mensch sorgte für behindertes Kind

Eine Sippe des Heidelberg-Menschen in Spanien kümmerte sich um die Versorgung eines von Geburt an schwer behinderten Kindes. Die Archäologen diagnostizierten bei diesem Kind fest zusammengewachsene Schädelknochen (Kraniosynostose).

Schädel eines Heidelberg-Menschen
Wikipedia

Durch die zusammengewachsenen Knochenplatten bleibt für die Ausdehnung des Gehirns kein Platz. Dies bedingt in der Folge eine ausgeprägte Lernbehinderung. „Trotz seiner Beeinträchtigung überlebte das Kind mindestens fünf Jahre“, schrieben die Wissenschaftler unter der Leitung von Ana Garcia in ihrem Aufsatz in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) im März 2009.

Stimmt die Auslegung der Grabungsergebnisse, wirft dies auf das Sozialleben des Heidelberg-Menschen (Homo heidelbergensis) ein völlig neues Licht. Nach Ansicht der Forscher zeigt der Fund, dass der Heidelberg-Mensch nicht grundsätzlich gegen behinderten Nachwuchs oder behinderte Sippenangehörige gehandelt hat. Dies trotz der Schwierigkeiten, sein pures Überleben zu sichern.

Der Heidelberg-Mensch ging vor etwa 600.000 Jahren aus dem Homo erectus (aufgerichteter Mensch) hervor und entwickelte sich in Europa dann vor zirka 200.000 Jahren zum Neandertaler weiter. Unbekannt ist, ob der Heidelberg-Mensch über eine Sprache verfügte oder religiöse Vorstellungen hatte. Das Alter der in Nordspanien (Atapuerca, Sima de los Huesos) gefundenen Skelettreste schätzen die Forscher auf 530.000 Jahre.

Zum Weiterlesen: „Die edlen Wilden“ (Spektrum direkt) und „Neandertaler kümmerten sich um Schwache“ (ORF Science Online).

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