Herausforderungen und Chancen in jeder Lebensphase

Wer glaubt, dass es bei der sogenannten "Sterbehilfe"-Diskussion um das persönliche Recht auf Selbstbestimmung geht, der irrt gewaltig.

BIZEPS
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Bei der „Sterbehilfe“-Diskussion geht es eigentlich nicht um Selbstbestimmung. 
Es geht vielmehr um die Frage, wie eine Gesellschaft mit Menschen mit Behinderungen, alten und chronisch schwer kranken Menschen umgeht.

Die journalistische Aufarbeitung der jahrzehntelangen Debatte, Gesetzwerdung und Praxis der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden zeigte vielmehr, dass es Ärzte bzw. dritte Personen waren und sind, die im Fall der Fälle über „Wert“ und „Unwert“, über das Weiterleben oder das mehr oder weniger würdige Sterben eines Menschen durch die tödliche Injektion entscheiden.

BIZEPS-Zentrum für Selbstbestimmtes Leben betreibt seit mehr als 20 Jahren ein Behindertenberatungszentrum in Wien und sieht sich in dieser Diskussion gefordert.

„Gerade bei heiklen emotional aufwühlenden Themen wie das der ?Sterbehilfe? ist es notwendig, einen Schritt zurück zu machen und hinter die Kulissen zu schauen“, hält Mag.a Marianne Karner (BIZEPS-Sprecherin für ethische Fragestellungen in Biopolitik, -medizin und -wissenschaft) fest und führt aus: „Jeder Mensch ist gleich viel wert und hat gleich viel Würde. Egal ob behindert oder nicht behindert, egal ob krank oder gesund. Egal ob jung oder alt. Und ich möchte sogar noch einen Schritt weitergehen: Es ist gut, dass es Menschen mit Behinderungen gibt.“

Anstatt äußere Rahmenbedingungen zu verändern – und das ist in einem reichen Land wie Österreich durchaus möglich – wird das Leben von alten, kranken und behinderten Menschen zunehmend in Frage gestellt.

„Wenn diese nicht mit den von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vorgegebenen Kriterien a la ?leistungsfähig, gesund, schön? kompatibel erscheinen, werden Behinderungen, Krankheiten und Alterserscheinungen abgewertet. Man versucht sie so weit wie möglich zu vermeiden bzw. zur Gänze auszuschalten“, so Karner abschließend.

Enquete-Kommission im Parlament

Der Hauptausschuss im Parlament beschloss am 24. Juni 2014 einstimmig die Einsetzung der Enquete-Kommission zum Thema „Würde am Ende des Lebens“ und rief die Zivilgesellschaft auf sich an dieser Diskussion aktiv zu beteiligen.

Die BIZEPS-Stellungnahme vom 4. September 2014 finden Sie hier online: Word sowie PDF.

UPDATE: Die BIZEPS-Stellungnahme in Leichter Lesen (A2) ist hier online: Word

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  • Martin Wolkerstorfer

    Nicht jede Sterbehilfe ist Euthanasie, genauso wenig wie Abtreibung Mord ist und jede Operation schwere Körperverletzung.

    Natürlich ist das alles eine Gratwanderung, aber einem Behinderten sein Recht auf einen selbstbestimmten Tod von vorneherein abzusprechen ist doch ein wenig überfürsorglich.

    Man wird hier Lösungen finden müssen, die eine ausreichende Sicherheit bieten. Ich kenne genügend Behinderte, die in ihrem Nachtkästchen einen Revolver liegen haben, um unerträgliche Schmerzen zu beenden.

    Ich finde so eine Lösung keineswegs vorbildlich, da sie keine genügende Absicherung gegen Kurzschlusshandlungen bietet.

    Egal wie die Sache weitergeht eine ausreichende Schmerztherapie ist unbedingt erforderlich, ist derzeit aber definitiv nicht sichergestellt.

  • Andrea Fröschl

    „Nicht durch die Hand eines Menschen sterben, sondern an der Hand eines Menschen“, dieses Wort der Gründerin der Hospizbewegung Cecily Saunders ist immer noch aktuell. Ich möchte leben und mich nicht rechtfertigen müssen, warum ich der Allgemeinheit Kosten veursache. Wo ziehe ich die Grenze, wenn einmal die Büchse der Pandora geöffnet ist und andere entscheiden, ob mein Leben noch lebenswert ist? Selbstbestimmung soll nicht als Deckmäntelchen für Euthanasie dienen – hatten wir doch schon …

  • Hedi Schnitzer-Voget

    Gratuliere zu eurer Stellungnahme! Sehr klar und nachvollziehbar.

    Ich denke auch, dass ein solcher Schritt in unserer Zeit sehr gefährlich wäre. Der Perfektionswahn treibt jetzt schon sonderbare Blüten.