Herr Minister, werden Sie Privatperson!

Österreich hat einen fähigen Sozialminister, Rudolf Hundstorfer sein Name. Ein Kommentar.

Andreas Oechsner
Zentrum für Kompetenzen

Er weiß, wo er sparen kann. Bei Personen, die sich nicht wehren können. Für Personen, die noch kein Pflegegeld beziehen, erhöht man einfach die Zugangskriterien der Stufen 1 und 2.

Eine Sonderauswertung der Qualitätssicherung belegt, dass nur ca. 14 % der Stufe 1 und immerhin 22 % der Stufe 2 staatlich kontrollierte soziale Dienste nutzen.

Schon überlegt, warum?

Logisch, Personen, die diese Dienste nicht nutzen, haben keinen Pflege-, Hilfe- und Unterstützungsbedarf. Anstatt diese bedarfsorientierten flexiblen sozialen Dienste in Anspruch zu nehmen, kurbelt gerade diese Personengruppe die Mopedindustrie an, so die Erkenntnis der sozialdemokratischen DenkerInnenelite. Vielleicht sind hier noch Proteste von der Zweiradindustrie zu erwarten.

Sachleistungsminister Hundstorfer lässt sich nicht beirren

Auch nicht von Fakten, schon gar nicht von der Realität. Unbeirrbar kämpft er, und das mit Konsequenz, für die Unfinanzierbarkeit des Sozialstaates.

Fakt ist, dass gerade bei der Personengruppe, die Pflegestufe 1 bzw. 2 bezieht, informelle Unterstützungssysteme funktionieren. Zu denen gehört die Familie, der Freundeskreis, aber auch die Nachbarschaft. Diese Systeme durch die Verschärfung der Zugangsbestimmung mutwillig zu zerstören, zeugt von einer gewissen Realitätsverweigerung.

Die Konsequenz dieser de facto Teilstreichung des Pflegegeldes ist, dass die oben genannte Personengruppe dafür später in viel höhere Pflegestufen eingestuft werden muss, da sie die Eigenständigkeit mangels nicht vorhandener minimaler Unterstützungssysteme viel früher verliert als nötig. Das verursacht viel höhere Kosten.

Diese Fakten wissen Träger von Sozialen Diensten, ExpertInnen aus dem Pflegebereich, MitarbeiterInnen im Sozialministerium, nur der Minister ignoriert sie.

Nun betreiben viele Menschen Realitätsverweigerung. Als Privatperson an sich kein großes Problem. Politisch Verantwortliche sollten sich von dieser Massendroge fernhalten.

Herr Minister, werden Sie Privatperson!

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0 Kommentare

  • Ein herrlicher Artikel! Nur glaube ich, dass in der Hundstorfer nicht versteht. Dieses Schreiben sollte in den Tageszeitungen veröffentlicht werden.

  • Mir gefallen die Wortspiele, besonders die Ankurbelung der Mopedindustrie! Man möge sich vorstellen, wer da aller in der Pflegeindustrie mitredet und sie beeinflusst …

  • Schade, mit diesen Personen geht die einst stolze Bewegeung der Solzialdemokratie den Bach runter.

  • die betroffenen würden sicher gerne auf die strasse gehen und eine demo abhalten aber für viele wäre es ein große qual und begleitpersonen gibt es halt auch nicht immer das wissen die herrschaften genau und nützen es weidlich aus wir behinderte werden immer als gottes oder darwins zweite garnitur angesehen und auch so von unsere volksvertreter behandelt egal welcher partei-farbe bis auf ein paar wenige ausreisser wenn es als werbung für diverse herrschaften zum wohle ist

  • 2006 hat er (laut seinen Angaben ohne sein Wissen) das Vermögen des ÖGB vernichtet. Er hat die Beiträge hunderttausender kleiner Gewerkschaftsmitglieder, für viele ist der Beitrag ein echtes Opfer, durch Nicht – Kapieren oder Absicht verjuxt.
    Dafür hat er sich selber aus den Gewerkschaftsbeiträgen ein Manager-Gehalt gegönnt.
    Er ist eine Karikatur sozialdemokratischer Werte. Pfui, Minister. „Herr“ Minister kann man schon nicht mehr sagen.
    Schämen Sie sich! Für heute und für 2006!!!!!

  • Er weiß, aber warum wissen es die Betroffenen noch nicht, bzw. warum ist noch niemand auf der Straße. Die Studenten haben es schneller verstanden. Glaubt jemand, nur weil er jetzt schon eingestuft ist, dass er sicher ist. die Pensionsversicherung streicht, bzw reduziert immer mal wieder das Pflegegeld, bei Neufestsetzung könnten dann die neuen Werte greifen.
    Also auf was warten die Betroffenen und alle die vom Pflegegeld „leben“ nicht wie auf die Straße und demonstrieren. Es gibt keine Lobby die sich für uns einsetzen wird, dies müssen wir selbst machen.

  • Gratulation zu Deinem Artikel.
    Deutlicher kann man es nicht sagen. Bei der INTEGRA in Wels hat er ja auch nur geheuchelt. Auf so einen Minister kann man pfeifen da hat die Haubner Ursula mehr Charakter & Feingefühl bewiesen da könnt er sich eine Scheibe abschneiden! Wo hört man da einen Behindertenanwalt Buchinger?!?

  • @Meia
    Auch ich schließe mich Deiner Gratulation zu diesem die Angelegenheit sehr umfassend beleuchtenden Beitrag an!
    Ich erachte es ebenfalls als fair, dass Du auch diesen Gesichtspunkt in die Diskussion einbringst: Daher darf ich Dich auszugsweise zitieren:
    —Zitat—
    Das Problem liegt aber nicht alleine beim SPÖ Sozial-Minister, sondern auch beim ÖVP – Vizekanzler und Finanzminister, der ja gemeint hat: „Es gehr nicht um die Frage der Sozialen Gerechtigkeit, sondern um Österreich wieder ins Lot zu bringen“
    —Zitat Ende—
    Wie fatal diese Haltung ist, wenn man denkt, ohne Berücksichtigung der sozialen Aspekte ein Land ins Lot zu bringen, beweisen die vielen Demonstrationen gegen die geplanten und beschlossenen Kürzungen auch für die Familien. Wichtiger scheint es zu sein, die STRABAG ins Lot zu bringen, was ja fatalerweise exakt gestern vollzogen wurde, während unzählige Studenten gegen die asozialen Neuerungen demonstriert haben.
    Diese zeitliche Parallele wirft ein sehr schiefes Licht auf die gesamte Angelegenheit und mutet wie eine Verhöhnung der sozialen Werte an. Sollte sie vermutlich auch. Machtdemonstration ist das für mich im Dienste des Kapitalismus und zugunsten eines Bauprojektes, dessen Sinnhaftigkeit auch unter Experten umstritten ist.

  • Gratulation zu diesem brillanten Artikel – Das Problem liegt aber nicht alleine beim SPÖ Sozial-Minister, sondern auch beim ÖVP – Vizekanzler und Finanzminister, der ja gemeint hat: „Es gehr nicht um die Frage der Sozialen Gerechtigkeit, sondern um Österreich wieder ins Lot zu bringen“ – Die Sparvorgaben für die einzelnen Ministerien wurden ja schon vor den Wahlen vorgegeben. Welche Ratgeber hat der Herr Sozialminister, der sich zu solchen Aussagen hinreissen lässt.

    Nicht einmal die neue Behindertensprecherin der SPÖ wurde in die Entscheidungsfindung für den Pflegebereich mit eingebunden, wie sie mir telefonisch versichert hat – sie hat dies auch von den Medien erfahren – Wer sind also die Berater im Sozialministerium? Scheinbar Protagonisten die für Sachleistungen eintreten und kurzsichtig auf die Unfinanzierbarkeit im Pflegebereich hinarbeiten.

  • Exzellent lieber Andreas! Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Vielleicht kapiert er´s jetzt endlich? Aber was machen wir wenn nicht?