Hintergründe der Massenmorde aufklären

Der Behindertenbeauftragte der deutschen Bundesregierung hat am 27. Jänner 2012 mehr Aufklärung und Information über die Hintergründe der Massenmorde an behinderten und psychisch erkrankten Menschen gefordert.

Hubert Hüppe
CDU

„Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen waren die ersten Opfer des verbrecherischen NS-Regimes“, sagte Hubert Hüppe in Berlin am Ort der Täter in der Tiergartenstraße 4.

„Sie wurden systematisch erfasst, zu Forschungszwecken missbraucht und zwangssterilisiert. In den Gaskammern der Nazis wurde an ihnen ausprobiert, was später millionenfach wiederholt wurde“, betonte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Planung und Organisation der Massenmorde an behinderten und psychisch erkrankten Menschen gingen von der Zentrale der sogenannten „Aktion T4“ in der Tiergartenstraße 4 in Berlin aus.

Er sei froh, dass der Deutsche Bundestag im letzten Jahr beschlossen hat, den bestehenden Gedenkort mit einem Denkmal in der Tiergartenstraße 4 aufzuwerten. Es soll nach dem Beschluss eine würdige Gedenk- und Informationsstätte geschaffen werden, so Hubert Hüppe auf der heute von ihm ausgerichteten Gedenkveranstaltung vor rund 200 Teilnehmern von Opfer- und Betroffenenorganisationen, zahlreichen Abgeordneten des Deutschen Bundestages und weiteren Gästen.

Mit dem Beschluss sei auch eine zentrale Forderung aufgegriffen worden, die auf den seit 2010 jährlich stattfindenden Gedenkveranstaltungen des Behindertenbeauftragten genannt wurde, so Hüppe. Er begrüßte außerdem den Beschluss des Bundestages im vergangenen Jahr, behinderte und psychisch erkrankte Opfer von Zwangssterilisation während der NS-Zeit gegenüber anderen Opfergruppen gleichermaßen zu entschädigen.

„Hier am Ort der Täter in der Tiergartenstraße 4 in Berlin muss ein starkes Zeichen gegen das Vergessen hunderttausendfachen Mordes an behinderten und psychisch erkrankten Menschen gesetzt werden. Die geplante Gedenk- und Informationsstätte muss vor allem junge Menschen über die Nazi-Gräueltaten aufklären, damit eine menschenverachtende Ideologie, die Menschen nach lebenswert und lebensunwert selektiert, in Deutschland nie wieder Raum greift“, verdeutlichte der Behindertenbeauftragte.

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0 Kommentare

  • Stark unterbelichtete Hintergründe: Die ideologischen Wegbereiter wie Prof. Julius Tandler in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts und Hintergründe der staatlich organisierten systematischen Massenermordung kranker und behinderter Menschen durch das NS Gräuelregime sind immer noch stark unterbelichtet.
    In der Nachkriegszeit wurden die Verbrechen über Jahrzehnte überhaupt ausgeblendet und Mörder durch Seilschaften und die „Justiz“ geschützt. Bis heute wird immer noch – durch Projektion dieses monströsen Systemverbrechens alleine auf die NS-Diktatur – der Aufstieg des Eugenik-Ökonomismus- Zeitgeists zum gesamtgesellschaftlichen Konsens (lange vor den Nazis) im gesellschaftlichen Geschichtsbewusstsein und somit auch den Entwicklungsprozessen verhindert.
    Es drängt sich die Vermutung auf, dass durch diese unvollständige und einseitige Geschichtsdarstellung das ungebrochene Fortbestehen dieses diskriminellen Ungeists – der eugenischen Selektion angeblich „lebensunwertem Leben“ (Neusprech: „mit dem Leben nicht vereinbar“) – verborgen bleiben soll.
    Als Einstieg in die Aufhellung der Hintergründe empfehle ich den Film: „Alles Kranke ist Last“ – Die Kirchen und die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ http://cripplepride.blogspot.com/2010/10/alles-kranke-ist-last.html sowie die ausführlichen Recherchen von Erst Klee in seinen Publikationen. http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Klee