Hofer: Behindertes Leben ist kein unwertes Leben

FPÖ will Eugenische Indikation abschaffen

Norbert Hofer
FPÖ

Im Rahmen einer gestern durchgeführten Veranstaltung im Parlament zum Andenken an zigtausende behinderte Menschen, die von den Schergen der NS-Diktatur als unwertes Leben getötet wurden, wurde von FPÖ-Behindertensprecher NAbg. Norbert Hofer auch das heikle Thema der Eugenischen Indikation offen angesprochen.

Parlamentspräsidentin Prammer sprach sich dagegen aus, Frauen zu diskriminieren, die sich dafür entscheiden, ein möglicherweise behindertes Kind im Rahmen einer Spätabtreibung – diese ist in Österreich bis unmittelbar vor der Geburt erlaubt – töten zu lassen. Sowohl Hofer als auch ÖVP-Behindertensprecher Dr. Huainigg sahen hingegen Handlungsbedarf.

Vor fast vier Jahrzehnten wurde in Österreich die Fristenlösung eingeführt. Kinder dürfen jedoch in Österreich bis unmittelbar vor der Geburt getötet werden, wenn der Arzt feststellt, dass eine Behinderung drohen könnte. Hofer: „Dass eine Abtreibung über die Fristenlösung hinaus und bis zum Geburtstermin in Österreich möglich ist, ist vielen Menschen gar nicht bewusst.“ So reiche alleine der Verdacht einer möglichen Behinderung aus, um eine Tötung des Babys bis unmittelbar vor der Geburt vorzunehmen, so Hofer.

Es sei dabei auch unerheblich, um welche Art der Abweichung von der medizinischen Norm es sich handeln könnte. Dazu gebe es keine klare gesetzliche Regelung, so Hofer, der diese Diskriminierung von behindertem Leben nicht länger dulden möchte. „Es ist hoch an der Zeit, die Eugenische Indikation in Österreich endlich zu streichen“, betonte Hofer.

Der anerkannte Mediziner Dr. Husslein bestätigte gegenüber der APA vor Jahren, dass an der Uniklinik für Frauenheilkunde in Wien auch Spätabbrüche durch Gabe von Prostaglandinen durchgeführt wurden, wobei zahlreiche dieser Kinder noch lebend zur Welt gekommen und dann qualvoll gestorben seien.

Hofer: „Es kann doch nicht sein, dass es trotz aller Möglichkeiten der Frühdiagnostik in Österreich noch immer die Eugenische Indikation gibt. Man kann im 8. oder 9. Monat wirklich nicht von Abtreibung sprechen, die als Vokabel so leicht über die Lippen kommt. Hier handelt es sich um eine staatlich erlaubte Tötung von Kindern, die möglicherweise mit einer Behinderung auf die Welt kommen. Aus der Sicht des Gesetzgebers handelt es sich hier um Leben, das unwert ist. Das ist eine Schande für Österreich. Wenn sich Eltern nicht in der Lage sehen, ein Kind mit Behinderung durchs Leben zu begleiten, was auch nachvollziehbar sein muss, dann hat der Staat die Pflicht, sich diesem Leben anzunehmen.“

Hofer erinnert daran, dass sich auch namhafte Vertreter der Grünen und der SPÖ für eine Initiative gegen die Eugenische Indikation ausgesprochen haben.

Theresia Haidlmayr: „Es ist gegen jeglichen Gleichheitsgedanken, dass voraussichtlich behinderte Kinder über die Dreimonats-Frist hinaus abgetrieben werden können. Das ist eine extreme gesetzliche Abwertung von Behinderung.“

SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim: „Ist das (die Eugenische Indikation, Anm.) noch mit der Menschenwürde vereinbar? Ich glaube, es ist notwendig, diese Bestimmung neu zu überdenken.“

Norbert Hofer: „Wir dürfen nicht länger wegsehen. Wir brauchen eine Gesetzesänderung“

Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich
Hier beginnt der Werbebereich Hier endet der Werbebereich

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Kommentare

  • @Tippbox Ich war schon gedanklich bei der Fortsetzung, denn Hofer hat zwischenzeitlich tatsächlich diese Petition ins Leben gerufen. Schade, eine, die aufgrund der damals noch nicht existenten Erkenntnisse menschlicher Schaffenskraft doch glatt „durchgerutscht“ ist, darf es zumindest noch erleben, dass es im Gegensatz zu Ihnen doch noch Menschen zu geben scheint, die dieser ausserordentlich humanen und einer humanen Gesellschaft auf alle Fälle „wüüüüüürdiiiigeeeeen Vorgangsweise“ eine Absage erteilen möchten. Und ich korrigiere mich noch: Ich meinte natürlich das Sinn erfassende Lesen: Hierbei und hiermit bezog ich mich auf den Unterschied zwischen der Fristenlösung und dieser Art der „Problemlösungsstrategie!“

  • @Tippox Sie scheinen ein Problem mit dem Sinn gebenden Lesen zu haben. Hier geht es nicht um Abtreibung im Rahmen der Fristenlösung, hier geht es um etwas Anderes! Aber vielleicht lassen Sie sich einmal in ein entsprechendes Krankenhaus einschleusen, in welchem die Praktiken, denen mittels der gegenständlichen Petition Einhalt geboten werden soll, noch ausgeführt werden und wenn sie sich dann nach einem Veranschauungsnachhilfeunterrichtsschub Ihrer Sache noch so sicher sind, dann mache ich mir ehrliche Sorgen um den Zustand ihres moralischen Bewusstseins.

  • mMn spielt Religion bei Abtreibung fast jedesmal eine Rolle. Glaubensmenschen sehen eine Abtreibung als Mord und werden es nie machen, die die weniger an Gott glauben sehen es als Frauenrecht so ein Verfahren vorzunehmen. Ein behindertes Kind ist sogar eine Prüfung von Gott für die ersteren. Immer ein heikles Thema…Heutzutage aber, ist eine Abtreibung schon ein kurzer und humaner (wenn man es so formulieren darf) Prozzes, meine Freundin hatte abtreiben lassen bei Woman and Health (http://www.ungewollteschwangerschaft.at/). Medikamentös, ohne Narkose und völlig sicher. Ich finde jeder sollte selbst entscheiden.

  • @Anonym vom 6.5.2012:
    Sie haben wie folgt deponiert:
    che alleine der Verdacht einer möglichen Behinderung aus, um eine Tötung des Babys bis unmittelbar vor der Geburt vorzunehmen“
    jeder elektrische Stuhl ist gerechter …
    —Zitat Ende—
    Ja, aber für mich auch nicht gerecht, wir verfügen nämlich auch nicht über das Recht zum Töten von Mördern/innen.

  • Meinen Humor nimmt mir auch ein Anonym mit solchen „humanen Äusserungen“ nicht! Pech gehabt, leider wurde ich übersehen, es woa noch a Bissi zu früh für die pränatalen medizinisch/diagnostischen geistigen Höhenflüge und deren gesetzlich gedeckten Auswüchse. Im Übrigen: Wehsely wird es nicht sein; falls ja, dann hätte ich mich in ihr ganz schön getäuscht, wass ich nicht für möglich erachte. Und im Übrigen: Ich habe es hier schon einmal depooniert: Wer junge Mediziner dazu anleitet, ein lebensfähiges Kind beim im Anschluss an die humanistisch und ethisch hochwertige Geburt auch noch sterben zu sehen und wer dazu erzogen/gezwungen wird, nicht einzugreifen, bei jedem Anderen würde man doch schon eingreifen oder nicht? Der gebraucht sich dann auch nicht über die hervorragende ethische Qualität so mancher Mediziner/innen zu wundern.

  • Vielleicht sollte „anonym“ bedenken, dass sie oder er ganz schnell in die Situation kommen kann, ebenfalls behindert zu sein (Unfall, Schlaganfall, Erkrankung) und dann wäre er auch ein Schadensfall für die Volkswirtschaft!
    Ignorieren wir solche Leute, die haben viel weniger zu bieten, als Menschen mit Beeinträchtigung, den diese haben das Herz auf den rechten Fleck, wo „anonym“ nur blöd labert!

  • tja, für „wiederbetätigung“ gab´s und gibt´s in Österleich vZzZ Haue.

    Für WEITERBETÄTIGUNG jedoch Goldkreuz und Ehrenlaub am Bande…Harrer, Scrinzi, Gross, Merkl, Sluga, …damit die morschen Knochen auch post mortem nicht knarren, sondern gar lustig klimpern…

  • anonym (8. Mai 2012 14:26 Uhr): Falls Sie kein False Flag Operator sind, sei Ihnen ans erkaltete Herz gelegt, dass Sie sich außerhalb des Verfassungsbogens weiterbetätigend tümmeln.

  • Wehsely, bist Du´s ?

  • Es gibt glücklicherweise genug Leute, die ebenso überzeugt sind, dass wir einen solchen volkswirtschaftlichen Schaden nicht brauchen.

  • @anonym (7. Mai 2012 14:04 Uhr):

    Benesch-Dekrete?

  • @anonym (7. Mai 2012 14:04 Uhr): Es gibt selten so unsäglich inakzeptable Meinungsäusserungen, wie die ihre. Kein Wunder, dass sie sich aus Feigheit nicht öffentlich dazu zu stehen getrauen. Wie leider auch viele andere, die so denken wie sie.

  • Bitte wer will ein behindertes Kind, wenn man dieses Übel verhindern kann?

  • Menschen sind Bestien! Ein paar Jahre früher im Mutterleib entdeckt, wäre ich auf jeden Fall auch weg.

  • Hält man ein kleines süßes neugeborenes im arm würde man doch nicht auf die idee kommen es zu töten, egal ob behindert oder nicht. aber im mutterleib, da sieht man es ja noch nicht, da geht das schon, oder wie…? traurig, nur traurig ist das ;-(

  • Ich schicke nicht viele Mails weiter an die Selbsthilfegruppe für Epilepsie und deren Angehörige Salzburg, aber das hat mich so geschockt, dass ich es mit der Überschrift:

    Müssen wir als Epileptiker froh sein, dass man Epilepsie während der Schwangerschaft nicht erkennt?

    an die Gruppe weitersende!!!

  • „reiche alleine der Verdacht einer möglichen Behinderung aus, um eine Tötung des Babys bis unmittelbar vor der Geburt vorzunehmen“

    jeder elektrische Stuhl ist gerechter …

  • Schön, dass sich einige Politiker für diese Misstände interessieren und hoffentlich auch dann wirklich durchsetzen, dass es eine Gleichbehandlung gibt.
    Fakt ist aber auch, dass die Kostenbeiträge für Eltern, oder Menschen mit Behinderungen, für Persönliche Assistenz und Mobile Betreuungen, immer höher werden— und diese Kinder und Erwachsene Menschen, ohne Angehörigenleistungen nicht versorgt werden könnten.
    Die Wartelisten für diese Leistungen werden immer länger und viele Jugendliche mit Behinderungen, bekommen weder einen Platz für fähigkeitsorientierte Arbeit, noch haben sie eine Chance am freien Arbeitsmarkt!
    Ein menschenwürdiges Leben ist für mich auch nicht, wenn Jugendliche mit Behinderungen zu Hause sitzen und keine Perspektive für ihr weiteres Leben sehen! Ich kenne einige von diesen Menschen, die von Altenfachbetreuern, ein bißchen Betreuung bekommen— manchmal der einzige Kontakt zur Außenwelt—- ist dies nicht sehr traurig?
    Junge Menschen mit Behinderungen in Altenheimen— eine Leistung, auf die der Sozialstaat Österreich stolz sein kann??
    Eltern und Familien leisten sehr viel für ihre Angehörigen mit Behinderungen, aber stoßen finanziell und emotional an ihre Grenzen.
    Wenn die Gelder für die Aufrechterhaltung und Versorgung dieser „“““gleichberechtigten Menschen““““, nicht reicht, muss es eine Umschichtung in den einzelnen Ressorts geben.
    Vielleicht sollte sich jeder vor Augen halten, dass er jederzeit in die
    gleiche Lage kommen kann und wie er dann versorgt werden möchte.
    Solidarität eine Tugend, die nicht mehr in unserer Gesellschaft Platz hat??

  • Ja, es ist eine Schande für uns alle, dass die Solidarität der Gesellschaft bei weitem nicht reicht, behinderten Menschen und ihren Familien bedürfnisgerechte und bedarfsdeckende Unterstützungen, Entlastungen und Nachteilsausgleiche für ein menschenwürdiges Leben zu gewähren.