Hotelzimmer barrierefrei?

Barrierefreiheit ist im Tourismus noch immer nicht selbstverständlich. Für Menschen, die auf eine barrierefreie Unterkunft angewiesen sind, ist die Planung eines Urlaubs immer noch eine Herausforderung.

Hotel
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Trotz entsprechender Regelungen im Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz und der UN-Behindertenrechtskonvention ist die Urlaubsplanung noch immer mit erheblichem Aufwand verbunden, wenn man auf eine barrierefreie Unterkunft angewiesen ist.

Markus Ladstätter von BIZEPS, Zentrum für Selbstbestimmtes Leben nimmt auf help.ORF.at zu dem Thema Stellung.

Probleme bei Onlinesuche und -buchung

„Die Probleme beginnen bereits bei der Buchung, denn oft ist es nicht gleich ersichtlich, wie barrierefrei ein Urlaubsort oder ein Hotel überhaupt ist“, so Markus Ladstätter. Eine Untersuchung des Wiener Beratungsunternehmens Comfort4all aus dem Jahr 2017 ergab, dass während 100 % der Standardzimmer bequem über das Internet gebucht werden können, dies im Fall von barrierefreien Zimmern nur in einem Viertel der Fälle möglich ist.

Ein weiteres Problem ist, dass selbst wenn bei Buchungsplattformen die Suche nach barrierefreien Kriterien möglich ist, die Angaben von den Hotels selbst kommen und nicht weiter überprüft werden. Somit wird es notwendig, vor der Buchung genau nachzufragen.

Für die Suche nach barrierefreien Unterkünften gibt es zwar ein paar spezielle Internetseiten, wie zum Beispiel Roomchooser.com, Holidays-On-Wheels oder Reisen-für-alle.de.

Auf diesen Internetseiten kann man genau angeben, welche Ausstattung man braucht und so nach geeigneten Hotelzimmern suchen. Diese Internetseiten sind zudem von den Betroffenen selbst gestaltet. Der Nachteil, noch ist die Zahl der gelisteten Hotels überschaubar.

Barrierefreiheit mangelhaft

Selbst wenn man endlich eine passende Unterkunft gefunden zu haben scheint, kann es vor Ort wieder anders aussehen, als eigentlich gedacht. Denn auch wenn etwas barrierefrei ausgewiesen ist, kann es Mängel bei der Umsetzung geben, weiß Markus Ladstätter zu berichten.

So habe man häufig keinen Platz zum Manövrieren in den Räumen. Und wenn genug Platz vorhanden ist, sei die barrierefreie Ausstattung unzureichend ausgeführt. Dann gibt es zwar eine bodengleiche Dusche, in die das Hineinfahren mit dem Rollstuhl möglich und auch ein Sitz vorhanden ist, aber die Bedienelemente wie Duschkopf oder Warm- und Kaltwasserregelung können nicht erreicht werden. Es können Haltegriffe fehlen oder Garderobenhaken zu hoch angebracht sein.

„Es gibt leider sehr wenige Zimmer, die wirklich ohne Mängel konstruiert sind“, bedauert Ladstätter.

Auf Probleme aufmerksam machen

Markus Ladstätter rät dazu, bereits vor Ort auf eventuelle Probleme mit der Barrierefreiheit aufmerksam zu machen. So könnten manche Barrieren vielleicht schon während des Aufenthaltes beseitigt werden. Oft sei das Fehlen von Barrierefreiheit nicht auf Ignoranz, sondern auf Unwissenheit zurückzuführen.

Ist eine sofortige Beseitigung der Barriere nicht möglich oder besteht von Seiten des Hotels keine Einsicht, rät Ladstätter zu einer Schlichtung. Diese ist nach dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz möglich.

Eine Schlichtung ist kostenlos und wird vom Sozialministeriumsservice durchgeführt. Bei einem gemeinsamen Gespräch kann man eine Lösung für die diskriminierende Situation finden. Pro Jahr werden etwa 110 Schlichtungen durchgeführt. In etwa zwei Drittel der Fälle kann eine Einigung erzielt werden. Ein Recht auf die Beseitigung der Barriere gibt es zwar nicht, sollte bei der Schlichtung keine Einigung erzielt werden, kann man klagen und Schadensersatz zugesprochen bekommen.

„Es gibt Hoteliers, die sind da sehr einsichtig und versuchen möglichst rasch eine Verbesserung herbeizuführen, andere wiederum sehen überhaupt keinen Handlungsbedarf“, erklärt Ladstätter.

Barrierefreiheit bringt’s

Barrierefreiheit nützt nicht nur Menschen im Rollstuhl, auch ältere Menschen, Menschen mit Kleinkindern oder mit vorübergehenden Verletzungen profitieren von einer barrierefreien Umgebung. Manche Tourismusbetriebe haben das Potential der Barrierefreiheit erkannt und setzen gezielt Angebote.

Ö1 brachte am 29. August 2020 dazu einen Beitrag mit dem Titel: Urlaub im Rollstuhl bleibt Herausforderung.

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4 Kommentare

  • In Österreich findet man in den seltensten Fällen Informationen zur Barrierefreiheit auf Websites von Hotels. Im Regelfall muss nachgefragt werden, ob es Zimmer mit entsprechender Ausstattung gibt. Das nervt, außerdem erhält man kaum detaillierte Infos oder Fotos z.B. über die Beschaffenheit des Badezimmers. Es sollte verpflichtend öffentlich darüber informiert werden, wie die Barrierefreiheit konkret aussieht.

    Ich empfinde es als skandalös, dass man als Person mit Behinderung oder deren Angehörige (wie in meinem Fall) permanent dazu aufgefordert wird, doch in Verhandlungen mit Dienstleistern zu treten, um diese über unzureichende Barrierfreiheit zu informieren und dann mit ihnen über Verbesserungen zu verhandeln. Die Schlichtungsverfahren sind eine Beschäftigungstherapie um uns die Energie, Zeit und Ressourcen für politische Aktionen zu rauben. Ich sitze dort in meiner Freizeit, mein Gegenüber inklusive der SMS ModeratorInnen sitzen da in ihrer Arbeitszeit – wer wagt es da noch von einer Auseinandersetzung auf Augenhöhe zu sprechen?

  • Und was mache ich, wenn ich in Italien Urlaub machen will, oder in Kroatien? Gibt es da auch eine Schlichtungsmöglichkeit? Muss ich da italienisch oder kroatisch lernen?

    • Vermutlich ist Fremdsprachen lernen nötig, denn der Einlade-Service an Bahnhöfen ist ebensowenig europäisch wie Vorschriften für Hotels, das Schlichtungsverfahren oder der Behindertenausweis fast aller Mitglieds-Staaten der EU.
      Ich bin schon immer gerne mit den Bahn verreist, doch seit meiner Zeit im Rollstuhl ist mein „Wirkungskreis“ doch deutlich eingeschränkter als vorher.
      Zertifizierungen ist auch so ein Späßchen zu unseren Lasten. Bei einem frisch bewerteten Hotel gehörte zum barrierefreien Frühstücksraum der Stehtisch mit dem Korb mit dem Stangenweißbrot drin… Immerhin hat die Türbreite gepasst.

  • Das Problem ist gut beschrieben – schon bei der Suche und der Buchung geht es los. Auch die Anreise an sich birgt ein weiteres Problem, weil das Hotel im jeweiligen Ort erreichen können barrierefreie Wege bis dort erfordert. Da kann zwar das Hotel wenig dran machen, doch es erschwert die Planung, wenn man auch das nicht als sicher annehmen kann. Mit dem Rollstuhl benutzbare Taxis sind beispielsweise keineswegs überall zu finden.

    Die Auseinandersetzung mit dem Hotel mag im Einzelfall während des Aufenthalts helfen, kleinere Mängel auszugleichen. Einen Polsterstuhl bekommen statt eines fehlenden Duschklappsitzes zum Beispiel. Oder Bedienung am Platz bei unzugänglichem Buffet. Allerdings ist das dann wieder wegen „mit fremder Hilfe“ etwas, das eben nicht barrierefrei im Sinne der Definition des Begriffs ist.

    Längerfristig gesehen sind meine Erfahrungen anders. Der Mangel an Barrierefreiheit mag, wie im Beitrag beschrieben, oft ursprünglich an Unwissenheit liegen. Mit aufkommender Erkenntnis über den Mangel setzt dann die Ignoranz ein. In Hotel-Ketten gibt es vor Ort oft niemanden, der es sich leisten kann, etwas zugunsten der Barrierefreiheit zu ändern, wenn das Geld kosten könnte oder die Umstellung von Abläufen bedeuten würde.

    Und so bleiben Eingänge, Rezeption, Zimmer und Frühstücksraum wie sie sind, bis sie von jemandem, erneuert werden, bis zu dem sich von Betroffenen eventuell gegebene Anregungen nicht rumgesprochen haben. In vom Inhaber geführten Hotels gäbe es mehr Möglichkeiten, doch gerade da habe ich schon mehrere angetroffen, bei denen das Verständnis von Barrierefreiheit ganz „anders“ war, als es die genannte Konvention sieht.

    Folglich sind die Verbesserungen bei der nächsten Generation Zimmer eher gering und der Weg zu Inklusion und Barrierefreiheit noch sehr, sehr lang.

    Den Vorschlag mit der Schlichtung in allen Ehren, viele Schwerbehinderte brauchen ihre Kräfte, um die aktuelle Lebenssituation zu meistern und haben wenig in Reserve, um sich mit rechtlichen Streitigkeiten zusätzlichen Aufwand aufzubürden. Sie stimmen mit den Füßen ab, indem sie „erträglichen“ Hotels die Treue halten und Orte meiden, wo sie offenbar unerwünscht sind. So baut sich ein Druck, nicht barrierefreie Zustände zu verbessern, jedoch erst recht nicht auf.

    Seitens der Politik wird erst eingegriffen, wenn sie Handlungsbedarf sieht. Die Behinderten beklagen sich aus deren Sicht immer, überhand nehmende Bürokratie mit noch mehr Regeln und Kontrolle wollen sie auch nicht…