Huainigg: Barrierefreiheit muss wieder ein öffentliches Thema werden

"Das Thema Gleichstellung war nach der Gesetzwerdung 2006 ein breites öffentliches Thema. Jetzt spüre ich, dass der Elan bei der Umsetzung nachlässt", hält Dr. Franz-Joseph Huainigg im BIZEPS-INFO Interview fest.

Franz-Joseph Huainigg
ÖVP

Die Ausschreibung des Sozialministeriums für den „Anwalt für Gleichbehandlungsfragen für Menschen mit Behinderungen“ läuft noch bis 10. November 2009. Überraschend hat sich der ÖVP-Behindertensprecher, Dr. Franz-Joseph Huainigg, beworben. Wir führten mit ihm folgendes Interview.

BIZEPS-INFO: Was hat Sie motiviert, sich zu bewerben?

Dr. Franz-Joseph Huainigg: Ich halte es für wichtig, dass die Funktion des Behindertenanwaltes von einem behinderten Menschen durchgeführt wird. Wie sich im Parlament gezeigt hat, kann man als Betroffener besser sensibilisieren und mit entsprechender Hartnäckigkeit auch mehr erreichen.

Im Zuge der Verhandlungen zum Behindertengleichstellungsgesetz habe ich mich für die Schaffung der Stelle eines Behindertenanwalts eingesetzt, der die Umsetzung der Gleichstellung in allen Lebensbereichen vorantreibt. Ich glaube, dass Herbert Haupt gute Aufbauarbeit geleistet hat, sehe aber jetzt die Möglichkeiten und den Bedarf, die Anwaltschaft im Tätigungsfeld zu erweitern.

Barrierefreiheit muss wieder ein öffentliches Thema werden. Es muss rausgeführt werden aus dem negativen Image, „dass man halt etwas für ein paar Rollstuhlfahrer macht“. Von Barrierefreiheit profitieren alle Menschen. Um es auf den Punkt zu bringen: Barrierefreiheit muss selbstverständlich und „im Trend“ sein.

Die Möglichkeiten des Gleichstellungsgesetztes sind bei weitem nicht ausgeschöpft. Weiters sehe ich einen Informationsbedarf bei der von Österreich ratifizierten UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen. Über diese wichtigen und weit reichenden Inhalte weiß kaum jemand Bescheid. Es gilt hier, eine große Aufgabe zu leisten und ich würde diese Herausforderung gerne annehmen.

BIZEPS-INFO: Wo sehen Sie Ihre Qualitäten für diese Aufgabe?

Dr. Franz-Joseph Huainigg: Ich habe mich für Gleichstellung auf verschiedensten Wegen eingesetzt: Mal waren es Kinderbücher, dann Kabarettauftritte, Pressekommentare, Engagement in der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung oder zuletzt in der Politik.

Von 2002 bis 2008 war ich Abgeordneter zum Nationalrat, habe das Behindertengleichstellungsgesetz mitverhandelt und mich für die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache in die Verfassung eingesetzt. Als Selbstbetroffener habe ich oft Diskriminierungen und Benachteiligungen erlebt, was mich im Engagement zur Umsetzung von Gleichstellung und Chancengleichheit motiviert und anspornt.

BIZEPS-INFO: Wo könnten Sie sich vorstellen, Schwerpunkte zu setzen?

Dr. Franz-Joseph Huainigg:Mein Motto war immer „Barrieren in den Gesetzen und Köpfen abbauen“. In den letzten Jahren habe ich mich vor allem für die Beseitigung gesetzlicher Diskriminierungen eingesetzt. Jetzt möchte ich mich der ebenso wichtigen Sensibilisierung und Umsetzung der Gesetze widmen. Es gilt, das Behindertengleichstellungsgesetz mit Leben zu erfüllen. Als Behindertenanwalt werde ich individuelle Lösungen für die Beseitigung von einzelnen Barrieren und Diskriminierungen finden helfen.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Beseitigung der Barrieren forciert wird und dass Chancengleichheit bei der Geburt, bei der Bildung, im Arbeits- aber auch im Freizeitbereich gesichert ist.

BIZEPS-INFO: Wir danken für das Interview.

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