Huainigg begrüßt den neuen Programmauftrag zur Barrierefreiheit im ORF-Gesetz

Etappenplan zur Umsetzung im Gesetz erforderlich!

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In einer ersten Stellungnahme begrüßt der ÖVP-Sprecher für behinderte Menschen, Dr. Franz-Joseph Huainigg, den neuen Programmauftrag zur Barrierefreiheit im ORF-Gesetz: „Der ORF hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag, der nicht nur im Informations-, Bildungs- und Kulturbereich erfüllt werden muss, sondern auch in der Zugänglichkeit für behinderte ZuseherInnen. Behinderte Menschen zahlen GIS-Gebühr und haben somit ein Anrecht, das ORF-Programm auch entsprechend zu nutzen. Dies war bisher nur sehr beschränkt der Fall. Ich begrüße daher den neuen Programmauftrag zur Barrierefreiheit, wie er im Entwurf zum ORF-Gesetz verankert worden ist“.

Huainigg weist darauf hin, dass vor allem gehörlose und hörbehinderte Menschen nur 30% des Fernsehprogrammes verfolgen können, da nur dieser Anteil untertitelt wird. Sehbehinderte ZuseherInnen sind auf Audiodeskriptionshilfen angewiesen. Hier scheint der ORF bereits jetzt neue Wege zu gehen, wie die gestrige Übertragung des Fußballmatches Österreich gegen Spanien mit Erklärungshilfen im Zweikanalton gezeigt hat.

Man fragt sich bei der vergleichsweise geringen Untertitelungsquote wo bisher die Erfüllung des öffentlich- rechtlichen Auftrages geblieben ist. Zum Vergleich: Großbritannien und Irland untertiteln bereits seit 2007 100 % ihres Programms. Schweden und Belgien untertitelten zum gleichen Zeitpunkt 65 % und Frankreich 60 %. Die Schweiz legt Wert auf Qualität: Die gesamte Primetime von 19.00 bis 22.00 soll noch dieses Jahr untertitelt werden. Der WDR hat für 2009 angekündigt das Untertitelangebot auf 90 % zu verdoppeln. Die ARD untertitelte im letzten deutschen Wahlkampf alle Wahlkampfsendungen und erschloss damit gehörlosen Menschen einen wesentlichen Schritt zur Teilhabe an der Demokratie.

Im §5 Abs. 2 des neuen ORF-Gesetzes findet sich nunmehr folgender Programmauftrag: „Darüber hinaus ist dafür zu sorgen, dass der Anteil der für Hörgeschädigte und Sehbehinderte zugänglich gemachten Sendungen durch geeignete Maßnahmen jährlich schrittweise gegenüber dem Stand zum 31. Dezember erhöht wird“.

Huainigg begrüßt dies als wichtigen Schritt, meint allerdings: „Hier braucht es dringend eine Präzisierung. In einem Etappenplan soll wie bei anderen Gleichstellungsfragen die schrittweise Umsetzung der Barrierefreiheit in den nächsten drei bis fünf Jahren festgelegt werden. Legt der ORF selbst keinen diesbezüglichen Etappenplan mit dem Ziel der Untertitelung des Gesamtprogramms vor, müssten diese Umsetzungsschritte spätestens im parlamentarischen Prozess festgelegt werden“.

Der ORF bekommt in den nächsten vier Jahren 160 Mio. Euro für die Abgeltung an Gebührenbefreiungen. „Dieses Geld ist für die neuen Programmaufträge wie sie auch die Barrierefreiheit betreffen entsprechend einzusetzen. Der ORF muss als öffentlicher Sender von Privatanbietern unterscheidbar bleiben, wozu die staatliche Förderung helfen soll und die dazu auch zu Nutzen ist“, meint Huainigg abschließend.

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0 Kommentare

  • Wer am vergangenen Dienstag die Einführungsveranstaltungen zu Licht ins Dunkel gesehen hat, dem wurde ganz anders: Auch in der redaktionellen Zeit im Bild wurde bewusst Information und Eigenmarketing vermischt.
    Dementsprechend wundert es nicht, wenn in einem Beitrag DREIMAL davon gesprochen wurde, dass ein Kind an seiner Behinderung LEIDET: Dank des ORF und Licht ins Dunkel seien die Eltern nun glücklich. Auch in der ZIB3 am Mittwoch wurde erneut von einem Burschen in den USA berichtet, der an Autismus LEIDET.
    Auweh! Auweh!
    Leiden können wir in der Tat – allerdings unter einer schlampigen und diskriminierenden Desinformation. Denn: Wer leidet in Wirklichkeit woran?
    Warum werden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nie erwähnt? Warum werden Menschen mit Behinderungen immer wieder und wieder individuell als defizitär dargestellt? Die Antwort ist einfach: Damit sich der ORF marketingmäßig feiern kann. Dieses Jahr ist es wieder besonders dreist. All die ansatzhaften sprachlichen Bemühungen der vergangenen Jahre sind dahin, alle wissenschaftlichen Untersuchungen aus Publizistik und Integrationspädagogik sind im weihnachtsbepunschten Licht ins Dunkel besoffen untergegangen.
    So lange es diese Schiene im ORF weiterhin gibt, in der eine im Paillettenkleid und anderen deplazierten Moden kostümierte Frau Tschü. zeigt, dass sie sich in Wirklichkeit für die Bedürfnisse behinderter Menschen gar nicht interessiert. Denn bei LID arbeitet keine behinderten Menschen mit, obwohl es doch angeblich um sie geht. Wie lange noch will der ORF Menschen mit Behinderungen in der österreichischen Gesellschaft auf Mitleid, Unselbständigkeit, angeblich mindere Lebensqualität auf eine medizinische Diagnose und auf eine Identität zweiter Klasse festnageln?
    Zu einer echten Barrierefreiheit gehört nämlich auch, mit dem oben beschriebenen Unsinn endlich Schluss zu machen!

  • Der Auftrag ist sicher gut gemeint. Der ORF führt selbst im Bericht über die Erfüllung des Kulturauftrages Fußball als einen Schwerpunkt an (!!!). Ich möchte dann lieber nicht wissen, wie die dann einen Barrierefreiheit-Auftrag erfüllen. Es ist eher davon auszugehen, daß der 4000-Mann-Apparat und seine Funktionäre auch das nicht schaffen werden. Ein Vergleich des jetzigen ORF-Angebotes mit dem von guten Sendern macht jetzt schon betroffen. Kenner halten den ORF jetzt schon für einen hoffnungslosen Fall, der im Sinne der Qualität (nichtvorhandene Barrierefreiheit ist da nicht der einzige Mangel) raschest zu schließen ist. Schade um jeden Cent, dessen Verwendung schon jetzt absehbar eine sinnlose Investition ist. An eine Reformierbarkeit des ORF, seiner Beamten und Funktionäre glaubt man ohnehin schon lange nicht mehr.

  • Liebe/r BehindertensprecherIn der Koalition,

    Da habt Ihr Euch leider wieder einmal von Eurer Parteidisziplin und dem ORF gehörig einseifen lassen. Meine Prognose: Unter Berufung auf den jetzt vorgeschlagenen knieweichen Passus wird der ORF (genauso wie bisher) eine Steigerung von 1-5% pro Jahr als Erfüllung des Gesetzesauftrags für sich reklamieren. Womit wir dann zwischen 2024 und 2080 einen barrierefreien ORF haben.
    Deshalb meine Bitte an die Oppositionsparteien: Sobald das Gesetz da ist, es beim Verfassungsgerichtshof wegen Verletzung der intrenationalen und nationalen Vereinbarungen prüfen lassen.

    Franz Dotter