Huainigg fordert Reform der Spendenaktion „Licht ins Dunkel“ – „35 Jahre Mitleid sind genug“

Über 700 kritische Stimmen fordern ein Engagement mit und nicht nur für Betroffene

Nicht ins Dunkel
Huainigg, Dr. Franz-Joseph

„Eines vorweg – gegen Spenden und Engagement ist nichts einzuwenden – aber mit und nicht ausschließlich für behinderte Menschen“, sagt Dr. Franz-Joseph Huainigg. Der Sprecher für Menschen mit Behinderung im ÖVP-Parlamentsklub setzt sich für eine Neuausrichtung der Aktion „Licht ins Dunkel“ ein und lädt den ORF zu einem Reformdialog.

Mit seiner Kritik richtet sich Huainigg gegen die „behindertenfreie Organisationsstruktur“, die Grundausrichtung der Kampagne und die Art der medialen Darstellung behinderter Menschen. Um seiner Kritik Nachdruck zu verleihen, hat Huainigg die Gegenaktion „Nicht ins Dunkel“ initiiert. Auf seiner Homepage (www.franzhuainigg.at) können Unterstützer der Idee eine „Gleichstellungskerze“ entzünden. Nach einer Woche brennen mehr als 700 Kerzen.

„Die Medienwirklichkeit der Kampagne „Licht ins Dunkel“ hat mit der heutigen Lebensrealität behinderter Menschen vielfach nichts mehr zu tun. In der Gesellschaft hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden:

Integration statt Mitleid, Selbstbestimmung statt Fürsorge, Gleichberechtigung statt Almosen.

Diese Veränderung muss auch in der Kampagne „Licht ins Dunkel“ greifen“, sagt Huainigg. Seine Forderung: Ähnlich der deutschen „Aktion Sorgenkind“, die 1997 zur „Aktion Mensch“ wurde und sich inhaltlich und organisatorisch gewandelt hat, soll auch der ORF einen Trennstrich ziehen und seine Kampagne unter Einbeziehung von behinderten Menschen neu organisieren und gestalten. „Eine Moderatorin im Rollstuhl, behinderte Mitarbeiter in der Redaktion oder im Verein, nachhaltige Jobs und Lehrstellen statt überdimensionaler Firmenschecks „, beschreibt Huainigg mögliche Resultate solcher Änderungen und ergänzt: „Die Trägerorganisationen und der Verein „Licht ins Dunkel“ dürfen sich einem Dialog mit behinderten Menschen nicht länger verschließen.“

Die Reform sollte vor allem drei Punkte beinhalten: „Licht ins Dunkel“ soll eine Kampagne nicht für behinderte Menschen, sondern mit behinderten Menschen werden. „Heute finden sich weder in der ORF-Redaktion noch im Verein „Licht ins Dunkel“ behinderte Menschen, welche die Kampagne inhaltlich mitgestalten. Auch die Trägerorganisationen erfüllen größtenteils nicht die Einstellungspflicht. Diese Mitarbeit von Betroffenen ist jedoch notwendig um „Lebensrealität“ in die Medienwirklichkeit einfließen zu lassen“, sagt Huainigg. Als erster Schritt einer Gesamtreform müsse ein Dialog mit behinderten Menschen über die Grundprinzipien, Zielsetzungen und deren Umsetzung geführt werden. Auch der Titel „Licht ins Dunkel“ sei zu hinterfragen.

Weiters soll sich die Kampagne durch ein „neues Bild“ bei der Darstellung behinderter Menschen auszeichnen. „Die Darstellung behinderter Menschen in der Spendenkampagne ist oftmals geprägt von Mitleid, Almosen und Sorge. Dies entspricht nicht der Lebenssituation vieler behinderter Menschen, die sich dadurch angegriffen fühlen“, sagt Huainigg. Der ORF habe einen Bildungsauftrag und solle ein „neues Bild“ von Menschen mit Behinderungen vermitteln, bei dem die Integration in Kindergarten, Schule, Beruf und Freizeit im Mittelpunkt stehen muss. Dabei sollen durchaus Probleme und Konflikte angesprochen werden, die zur Sensibilisierung des Fernsehpublikums beitragen. „Behinderte Menschen sind bei der Aktion „Licht ins Dunkel“ nur Objekte der Mediendarstellung“, resümiert der ÖVP-Behindertensprecher.

Gleichzeitig muss ein Paradigmenwechsel zu einer Aktion der Gleichstellung behinderter Menschen stattfinden. Die deutsche „Aktion Mensch“ hat bereits begonnen, neben dem Sammeln von Unterstützungsgeldern auch Imagekampagnen MIT behinderten Menschen zur Umsetzung einer Gleichstellung in allen Lebensbereichen durchzuführen. Auch wurde 1997 das Ziel „Aufklärung“ in die Vereinsstatuten aufgenommen. „Ebenso muss auch der ORF mit behinderten Menschen partnerschaftliche Projekte durchführen“, fordert Huainigg.

Abschließend erklärt der Behindertensprecher: „Der ORF sammelt Spenden – wir sammeln kritische Stimmen. Unterstützen Sie unser Anliegen für eine Reform der Spendenaktion und zünden Sie unter www.franzhuainigg.at eine Gleichstellungskerze an.“

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0 Kommentare

  • „Licht ins Dunkel“ lässt sich als Handlanger einer ignoranten Politik missbrauchen, die seit etwa 14 Jahren (durchgehend mit ÖVP-Beteiligung) die Verantwortung sozialer Sicherheit für hilfebedürftige Menschen verweigert. In Sozialgesetzen und Verwaltungspraxis setzen sich Bund Länder und Gemeinden über die Bundesverfassung hinweg. Das Benachteiligungsverbot aufgrund Behinderung (B-VG Art. 7) wird seit 10 Jahren beharrlich ignoriert. Diese vorsätzliche Hilfeverweigerung gegenüber existenziell benachteiligten Menschen wird selbst von den Höchstgerichten gedeckt! Die Sozialbehörden reden sich auf „freiwillige Leistungen“ hinaus, die sie zwar erbringen „dürften“ aber eben nicht genug Geld dafür vorhanden wäre (grins). Zumindest bei sozialer Bedürftigkeit, also wenn schon alles aufgezehrt wurde, bestünde m. E. eine Leistungspflicht aus Sozialhilfe- und Behindertenhilfegesetzen, darin das Recht auf menschenwürdiges Leben normiert ist. Nach der Verfassung müssten notwendige Hilfen für behinderte und pflegebedürftige Menschen bedarfsdeckend und auch unabhängig von Einkommen und Vermögen gewährt werden.
    Der Sozialstaat stiehlt sich auf sehr gefinkelte Weise aus der sozialen Verantwortung. Die Hilfsbereitschaft von Menschen wird missbraucht. LiD wird als Vehikel der staatlichen Hilfeverweigerung benutzt. Die ÖVP hat die soziale Verweigerung als Denkzettel im Vorjahr durch Machtverlust zu spüren bekommen. Die große Koalition setzte in den letzten 10 Monaten diesen Weg der Ignoranz mit unglaublicher Inkompetenz fort, was konkret z. B. an der völlig unbrauchbaren Pflegelösung ersichtlich ist, welche gleichermaßen von beiden Regierungsparteien zu verantworten ist. An diesem Kurs ändert ein wenig Kritik an der LiD- Machart nichts. Daran ändert auch noch nichts, wenn dem Reform- Aufruf von tausenden Bürgern nachgegeben würde oder wenn Herr Dr. Huainigg weiter von uneinsichtigen „Es-soll-alles-so-bleiben“- Bewahrern geprügelt wird.