Huainigg: Jedes behinderte Kind hat das Recht, die Schule zu besuchen!

ÖVP-Behindertensprecher macht sich dafür stark, im Bedarfsfall individuelle Lösungen zu finden

Franz-Joseph Huainigg
ÖAAB

„Bauliche Barrieren dürfen kein Kind vom Schulbesuch abhalten“, sagt Abg. Dr. Franz-Joseph Huainigg und fordert mittels Entschließungsantrag die Unterrichtsministerin auf, sicherzustellen, dass kein/e Schüler/in aufgrund mangelnder Barrierefreiheit vom Besuch einer Bundesschule abgehalten wird.

Der ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderungen hat den Antrag gemeinsam mit SPÖ-Kollegin Königsberger-Ludwig eingebracht und erläutert den Hintergrund dieses Schrittes: „Mit der Schaffung neuer Übergangsfristen zur Umsetzung der Barrierefreiheit haben Bundesministerien wie das BMUKK die Möglichkeit erhalten, den Umbau ihrer Gebäude bis auf 2019 zu verschieben. Dieser Schritt wurde aus Budgetgründen gesetzt, darf aber nicht dazu führen, dass die schulische Integration behinderter Schüler/innen beeinträchtigt wird“, erklärt Huainigg. Er fordert Bundesministerin Schmied deshalb auf, im Einzelfall individuelle Lösungen unter Einbindung des Behindertenanwaltes zu suchen.

„Wir wollen weg von Sonderschulen, hin zur Inklusion behinderter Kinder und Jugendliche ins Regelschulwesen! Das darf nicht an der mangelnden Adaptierung von Schulgebäuden scheitern“, sagt Huainigg, der sich für einen Paradigmenwechsel in Richtung schulische Integration einsetzt: „Sonderschulen müssen sich weiterentwickeln, ihr spezifisches Know-How im Bereich der Individualpädagogik ist für das gesamte Schulsystem nutzbar zu machen. Langfristig sollen alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Integrationsklasse im Regelschulsystem besuchen“, so der ÖVP-Behindertensprecher.

Huainigg setzt sich im schulischen Bereich vor allem für die Weiterführung von Integrationsklassen nach der achten Schulstufe ein. „Hier gibt es bislang nur bis zur achten Schulstufe einen Rechtsanspruch. Doch was, wenn ein Jugendlicher mit Behinderung die Matura machen möchte? Ist er dann auf „Goodwill“ angewiesen oder muss für sein Recht auf Bildung kämpfen?“

Abschließend weist der Abgeordnete zum Nationalrat darauf hin, dass auch im Bereich der Lehrerausbildung wichtige Punkte offen sind: „Alle LehrerInnen, die an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet werden, sollten Kenntnisse im Bereich der Individual- und Sonderpädagogik erwerben. Darüber ist es mir ein Anliegen, die Lehrerausbildung an Pädagogischen Hochschulen für Studierende mit Behinderungen zu öffnen. Es soll individuell entschieden werden, wer die besten Voraussetzungen für den Lehrberuf mitbringt“, erklärt Huainigg abschließend.

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0 Kommentare

  • zu der Enttäuschten (unten):
    Sie haben völlig Recht, mit Ihren Auszügen bzw. Interpretation aus der Schweizer Studie. Es wird gar nicht gewollt, dass Menschen mit Behinderung (oder andere Randgruppen) inmitten der Gesellschaft verweilen. Lieber „die Behinderten“ nicht sehen müssen und eigene Ängste verdrängen können usw. usf.
    Franz Joseph, du weißt ich mag dich persönlich sehr gerne und halte auch viel von deinem Engagement. Kannst du dich wenigstens klar und deutlich als Parlamentarier (mit Behinderung) in deiner Partei positionieren, wenn du mit deiner Stimme alleine schon nicht durchkommst? Wenigstens DAS würde ich einfordern!
    Im übrigen schließe ich mich „anonym“ an, der meint, warum braucht es einen Entschließungsantrag von den Regierungsparteien? Verstehe ich auch nicht …

  • Ja Joe, die zwei haben der Verlängerung zugestimmt. Franz Joseph hat seine Zustimmung in der Rede begründet! Franz Joseph Huainigg im Nationalrat (XXIV.GPStenographisches Protokoll 91. Sitzung/Seite 253) dazu:
    Es gibt ein aktuelles Problem: dass das Behindertengleichstel­lungsgesetz nicht bis 2015 vom Unterrichtsministerium erfüllt werden kann, dass nicht alle Bundesschulen barrierefrei gestaltet werden können. Wir haben die Frist in solchen Ausnahmefällen bis 2019 verlängert …
    Königsberger Ludwig ist in dieser Sitzung auf die Verlängerung nicht eingegangen.XXIV.GPStenographisches Protokoll 91. Sitzung/Seite 267)
    So viel dazu!

  • haben huainigg und königsberger-ludwig der verschiebung der barrierefreiheit im parlament zugestimmt?

  • Wieso müssen idividuelle Lösungen gefunden werden! Ich glaube ich lesen nicht richtig! Ich dachte wir haben ein Behindertengleichtellungsgesetz? Wozu habe wir überhaupt eine Regierung, offenbar dazu, dass sie beschlossene Gesetze immer wieder verschieben kann. 2019 wird es wieder zuwenig Geld geben und Schulen werden wieder nicht barrierefrei gestaltet. Die Gründe dafür sind in der Züricher Studie gut belegt und nachzulesen. Es ist nicht das Geld der Grund, warum nicht bf gebaut (und vieles ander nicht gemacht) wird, es hat psychologische Gründe. Sind alle Schulen barrierfrei werden Kinder mit Behinderung in diese Schulen gehen und genau das ist der Punkt, das will man nicht. Das will man im Kindergartennicht, das will man in Schulen nicht das will man an den Unis nicht, das willl man am Arbeitsplatz nicht, das will man in Lokalen nicht, dass will man im Zug nicht, das will man im öffentlichen Raum nicht.
    Man will diese Krüppel nicht, nur sagen darf man das halt nicht, das ist das wirkliche Problem.
    Liebes BIZEPS Team organisiert einen österreichweiten Aktionstag. „Schluss der Verarschung“
    Über die neuen Medien ist das nicht schwer Twitter etc. Wir sollten uns nicht mehr benutzen lassen. Wenn man von betroffenen Personen verarscht wird ist es besonders schlimm.

  • Meine Eltern mussten vor 30 Jahren schon Kämpfen, das ich eine Normale Schule besuchen konnte. Meine Behinderung ist selten. Ich habe keine Beine und keinen Unterleib. Die Gafferei war das schlimmste für mich. Auch heute teilweise noch, da ich auf den Händen lauffe.

  • Es ist einfach nur mehr zum kotzen, weil es so zynisch ist, was die zwei Leute von SPÖVP abgeben. für wie blöd halten die zwei denn behinderte menschen? die zwei superhirne bräuchten keinen entschließungsantrag (EA) einbringen, sie haben ja die mehrheit und könnten gleich umsetzen! EA sind was für die opositionsparteien! die zwei behindertensprecher der spövp verarschen behinderte nach strich und faden, wie lange lassen sich das die behinderten menschen von diesen zwei noch gefallen?

  • @Martin Ladstätter und Manfred Srb: Auch ich bin der Meinung, dass die Behindertensprecher der Regierungsparteien nur mehr den Abgeordnetensessel „warmhalten“ – Völlig zahm und wirkungslos – Dies liegt sicherlich nicht nur an den (nicht)handelnden Behindertenvertretern, sondern beweist, dass Behindertenpolitik von den Regierungsparteien „weg-gespart“ und nicht ernst genommen wird. Nur traurig, dass ein Betroffener – Dr. F. J. Huainigg – der sicherlich seine Verdienste in der Behindertenbewegung hat, sich für so eine Politik hergibt und nichts entgegensetzt.
    Lieber Franz Josef, es wird Zeit, dass Du vom Parlament Abschied nimmst. Du könntest noch ein Zeichen setzen und freiwillig das Feld räumen mit der Begründung, dass Du Dein Marinetotendasein satt hast und Du für behinderte Menschen in dieser Bundesregierung nichts mehr für behinderte Menschen bewirken kannst.. Doch diese Zivilcourage erfordert Mut – und dies traue ich Dir einfach nicht mehr zu..

  • Diese Aussendung, die der Aufguss einer teilweise identisch formulierten ÖVP-Aussendung vom 6. April 2011 ist, zeigt nicht nur die Konzeptlosigkeit der ÖVP-SPÖ Bundesregierung und ihrer Abgeordneten. Sie zeigt auch deutlich auf, wie verlogen die ÖVP (in diesem Fall ist es der Kollege Huainigg) Politik macht: Zuerst verschiebt sie die Verpflichtung zur Barrierefreiheit und fällt damit der österreichischen Behindertenbewegung in den Rücken um wenige Monate danach von der Unterrichtsministerin in einer schulmeisterlichen Art zu verlangen, dass trotzdem kein Schüler aufgrund mangelnder Barrierefreiheit am Besuch einer Bundesschule gehindertwird. Ich frage mich wirklich für wie blöd uns die Behindertensprecher der SPÖ und der ÖVP eigentlich halten und wie lange wir uns diese Art einer gegen unsere Interessen gerichteten Politik noch gefallen lassen sollen? Ich bin der Meinung dass Behindertensprecher, welche nicht die Anliegen von Menschen mit Behinderung vertreten sondern die Interessen ihrer Partei schleunigst ihr Mandat zurücklegen sollten!

  • Diese Aussendung zeigt schön die Konzeptlosigkeit der SPÖ-ÖVP Bundesregierung und ihrer Abgeordneten. Zuerst wird die Verpflichtung zur Barrierefreiheit aus Kostengründen verschoben und dann beginnt das Betteln um individuelle Lösungen. Und um der Sache noch den i-Punkt raufzusetzen unter öffentlich eingeforderter Einbindung eines per Gesetz ohne Durchgriffsrechten ausgestatteten Gleichstellungsanwaltes.

    Betteln auf höherem Niveau – mehr ist das nicht!