Unterrichtsbehelfs Biomedizin: Die Genetik des Menschen

Huainigg: Keine diskriminierende und entwürdigende Darstellung behinderter Menschen in Lehrbüchern

ÖVP-Behindertensprecher begrüßt Zurückziehen von umstrittenem Unterrichtsbehelf "Biomedizin"

Die Auslieferung des von behinderten Menschen massiv kritisierten Unterrichtsbehelfs „Biomedizin: Die Genetik des Menschen“ ist nun gestoppt worden, wie der Verlag „öbvhpt“ und der Autor Prof. Dr. Markus Hengstschläger mitteilten. Der Band, dessen Darstellungen von Behindertenvertretern als „diskriminierend“ und „entwürdigend“ kritisiert worden waren, soll nach Angaben neu überarbeitet werden. „Ein positives Signal, das ich sehr begrüße“, sagt der Sprecher des ÖVP-Parlamentsklubs für Menschen mit Behinderung, Dr. Franz-Joseph Huainigg.

„Lehrbücher, die in dieser diskriminierenden und entwürdigenden Art und Weise über Behinderung scheinbar objektiv informieren wollen, sind für Betroffene ein Schlag ins Gesicht“, so der ÖVP- Behindertensprecher. Behinderte Menschen würden darin als rein „medizinische Fälle“ und nicht als „einzigartige Menschen“ präsentiert, kritisierte Huainigg. Der ÖVP-Abgeordnete hatte Unterrichtsministerin Claudia Schmied bereits im März dieses Jahres auf den Unterrichtsbehelf aufmerksam gemacht.

Als Beispiele für problematische Darstellungen aus Hengstschlägers Buch nannte der ÖVP-Behindertensprecher etwa die Beschreibung von „Down-Syndrom“: „In etwa 75 Prozent schwerste, in 20 Prozent schwere, in fünf Prozent leichte geistige Behinderung; charakteristische Gesichtsauffälligkeiten; häufig Herzfehler und Leukämien; nur etwa 45 Prozent (gegenüber 86 Prozent in der übrigen Bevölkerung)der Patienten erreichen das 60. Lebensjahr“.

Diese rein defizitorientierte medizinische Betrachtungsweise in Kapitel 1 und die Ausführungen zu Pränataldiagnostik in Kapitel 3 spiegeln die Lebensrealität vieler Menschen mit „Down-Syndrom“ nicht wider, die sowohl schulisch als auch beruflich integriert sind. Bei den Ausführungen zur PID wird suggeriert, dass diese in Österreich eingeschränkt erlaubt sei. Kritische Argumente wie jene, dass Frauen bei der PID enormen hormonellen Belastungen ausgesetzt sind oder die Problematik der Selektion nach Augenfarbe oder Geschlecht bleiben völlig ausgespart. Die Schwarz-Weiß-Fotos wirken abschreckend und stellen behinderte Menschen als Objekte und Missgeburten dar. Einerseits wird eine detaillierte Darstellungsweise der medizinischen Selektionsmöglichkeiten geboten, im Kapitel Ethik heißt es aber dann: „Eine detaillierte ethische Reflexion ist in diesem Rahmen vollkommen unmöglich“. „Diese ist aber für ein Lehrbuch unerlässlich“, meint Huainigg. „Zusätzlich fehlt eine notwendige kritische Reflexion über die ethischen Grenzen der modernen Gentechnik!“

Huainigg hält es für dringend notwendig, dass „alle Lehrbücher auf die Darstellungsweise von behinderten Menschen durchgesehen werden. Bei der Erstellung von Lehrbüchern müssen auch behinderte Menschen einbezogen werden“. Dies ist unbedingt erforderlich, da es gerade heute äußerst bedenklich ist, dass behinderte Menschen durch Pränataldiagnostik „ausgesiebt“ werden. Österreich habe aufgrund der Geschichte – siehe Hartheim – eine historische Verantwortung und diese müsse wahrgenommen werden, betont Huainigg.

„Die entscheidende Frage ist, von welchem Menschenbild wir heute ausgehen und Lehrbücher zur Diskussion für Schülerinnen erstellt werden“, so Huainigg abschließend.

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