Huainigg: Keine Politik für, sondern mit behinderten Menschen

Literaturpreis Ohrenschmaus soll Augen und Ohren für die Anliegen von Menschen mit Behinderung öffnen

Franz-Joseph Huainigg
ÖVP

„Oft hört man von Menschen und Organisationen: „Wir wollen nur das Beste für Euch!“

Wenn dann behinderte Menschen auftreten und sagen: „Halt, das ist nicht das Beste für uns! Das wollen wir gar nicht!“, dann fühlen sich die „guten Menschen“ oftmals auf den Schlips getreten“, sagte ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung Franz-Joseph Huainigg heute, Montag, anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung.

„Behinderte Menschen treten heute selbstbewusster auf als noch vor vielen Jahren“, meinte Huainigg und führte aus, dass sie aktiv an der Gesellschaft und der Politik teilnehmen und selbst mitbestimmen wollen, was in ihren Augen das Beste für sie ist. Dies brachte einen wichtigen Paradigmenwechsel mit sich: weg von Almosen, Mitleid und Fürsorge hin zu Gleichberechtigung, selbstbestimmtem Leben und Inklusion. „Wenn man heute durch die Straßen geht, sind behinderte Menschen nicht mehr länger die „unsichtbaren Bürger“, sondern selbstverständlicher Teil des Straßenbildes“, so Huainigg, der vor allem durch das Behindertengleichstellungsgesetz und die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung markante Ecksteine zur Barrierefreiheit gesetzt sieht.

„Trotzdem müssen wir uns im Klaren sein, dass wir erst am Anfang eines langen Weges stehen. Aber letztendlich ist der Weg das Ziel“, so Huainigg weiter, der betonte, dass weitere Fortschritte nur durch einen Dialog auf gleicher Augenhöhe erfolgen könnten.

Es gehe jetzt vor allem darum, Menschen mit Lernschwierigkeiten oder intellektuellen Behinderungen gleichwertig in die Politik und in den Gesetzwerdungsprozess einzubinden. Dazu sollten im Bundesbehindertenbeirat Selbsvertreter gleichberechtigt mitwirken können. Das Justizministerium werde unter Einbeziehung von Betroffenen im Frühjahr ein Pilotprojekt zur unterstützten Entscheidungsfindung beginnen. Zudem würden im Jahr 2013 insgesamt 160 Millionen Euro für Beschäftigungsmaßnahmen von Menschen mit Behinderungen eingesetzt.

Huainigg sieht aber auch dringenden Handlungsbedarf im Parlament: „Die Demokratiewerkstatt, als gut funktionierende parlamentarische Einrichtung zur Vermittlung von Politikverständnis an Kinder und Jugendliche, sollte Demokratie-Workshops für intellektuell beeinträchtigte erwachsene Menschen anbieten. Es geht darum, komplexe politische Prozesse leicht verständlich darzulegen und Betroffene politikfit zu machen!“

„Ein wichtiger erster Schritt ist es, Menschen mit Lernschwierigkeiten selbst zu Wort kommen zu lassen“, erklärte Huainigg und verwies auf den Literaturpreis Ohrenschmaus, der im Museumsquartier unter Beisein von BM Karlheinz Töchterle zum sechsten Mal vergeben werde. „Kein Mitleidsbonus, einfach Literatur“, konstatierte der Autor Felix Mitterer, der den Ehrenschutz des Literaturpreises trägt.

„Der Literaturpreis Ohrenschmaus ist beispielgebend für die gleichwertige Begegnung auf gleicher Augenhöhe – wie sie auch in der Politik und in der Demokratievermittlung stattfinden sollte“, so Huainigg abschließend.

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0 Kommentare

  • Am Anfang dieses Weges, der nur deshalb so lang ist, weil die öffentliche Hand-Bremse – fest im Griff von Lobbyismen und Partikularinteressen der Exklusions- und Segregationsprofiteure – nie gelöst wurde, beginnt man gerade erst zaghaft, Menschen mit Lernschwierigkeiten für sich selbst sprechen zu lassen, die sprechen können. Ein Eindruck bleibt aber, dass das eher nach dem Motto geschieht: lasst sie reden, wir planen inzwischen weitere Sonderwelten.
    An die gewohnheitsmässig Vergessenen im Lande, schwerst mehrfachbehinderte Menschen ohne Sprache und Sprachverständnis, bewusstseinsbehinderte Menschen deren ‚basale Kommunikation‘ nur von vertrauten Personen aus jahrelanger Praxis der Lebensassistenz gedeutet und interpretiert werden können, um ihre Interessen zu wahren, bleiben wieder und wieder und wieder, nämlich gleich zu Anfang dieses böswillig in die Länge gestreckten Weges, auf der Strecke.
    Es geht derzeit nur um eine marginale Verschiebung der Integrationsschwellen, möglichst zum Nulltarif, von Inklusion meilenweit entfernt. Eine halbe Inklusion ist eine volle Mogelpackung. Inklusion ist unteilbar, es darf keinen Rest geben.