Huainigg: Menschen mit Behinderung als Mahner für gesellschaftliche Werte

Literaturpreis Ohrenschmaus: SchriftstellerInnen mit Lernbehinderung führen OGH-Urteil ad absurdum

Cartoon: Person mit zugeklebten Mund und Buch in der Hand
Seidl, Elisabeth

Nach dem fulminanten Start im Vorjahr begibt sich der Literaturpreis Ohrenschmaus auch 2008 auf Entdeckungsreise. Gesucht werden Schriftsteller-Talente, die im Verborgenen werken, Menschen mit Lernschwierigkeiten, die ihre Gefühle, Gedanken und Hoffnungen in Worte fassen. Bei der Auftakt-Pressekonferenz im ORF-Kulturcafé stellte Initiator Dr. Franz-Joseph Huainigg, ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung, die Jury um Autor Felix Mitterer vor und betonte die gesellschaftspolitische Relevanz dieses Preises.

„Wenn wir aktuell über ein OGH-Urteil diskutieren, das die gesamte Lebensexistenz eines behinderten Kindes zum Schadensfall erklärt, bildet der Literaturpreis einen wohltuenden Kontrast. Hier geht es um die Stärken und das kreative Potential von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Die Autorinnen und Autoren selbst widerlegen schon im Keim, dass ihre Existenz jemals ein Schaden sein könnte“, sagte Huainigg.

Eine Neuerung beim Ohrenschmaus 2008 ist die Jury, in der heuer auch die PreisträgerInnen des Vorjahres vertreten sind: Andreas Burtscher, Renate Gradwohl und Herbert Offenhuber. Alle drei sind Menschen mit Down Syndrom.

Was nur wenige wissen: Menschen mit dieser Diagnose kommen immer seltener zur Welt: Dank Pränataldiagnostik greift die vorgeburtliche Rasterfahndung nach behindertem Leben. Bei Verdacht auf Behinderung darf über die Drei-Monatsgrenze hinaus bis kurz vor der Geburt abgetrieben werden. Über 90 Prozent der Föten mit Verdacht auf Down Syndrom werden im Rahmen der Eugenischen Indikation abgetrieben. „Eine Welt ohne Menschen mit Down Syndrom hinterlässt eine Lücke. Die Chancengleichheit behinderter Menschen besonders am Beginn des Lebens ist immer mehr in Gefahr. Wir müssen geeignete Rahmenbedingungen für ein gleichberechtigtes Leben schaffen, aber auch Eltern ermutigen, ein behindertes Kind zur Welt zu bringen“, sagt Huainigg und betont:

„Es ist an der Zeit, anzuerkennen, dass auch ein Leben mit Behinderung erfüllt, selbstbestimmt und inmitten der Gesellschaft verlaufen kann. Behinderung ist nicht nur Leid, sondern auch Glück und Herausforderung.“

Der Literaturpreis Ohrenschmaus wird getragen von Caritas, Diakonie, Jugend am Werk, Lebenshilfe, SOB 31 und Vienna People First. Zu den Sponsoren zählen Erste Bank, Investkredit, Maschinenring, Zotter und Museumsquartier. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert, Einreichungen sind bis 30. September 2008 möglich. Mehr Information unter www.ohrenschmaus.net.

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0 Kommentare

  • ich wünsche mir, das f.j. huainigg das OGH-urteil liest und aufhört auf den OGH hinzuhauen. schließlich hat dieser im urteil zum ausdruck gebracht, dass der gesetzgeber zuständig wäre. und was ist huainigg? abgeordneter zum nationalrat. und was ist die aufgabe des nationalrates? richtig: gesetze zu beschließen. und was tut huainigg? motzt über die rechtssprechung und ist selber gesetzgeber, der das ganze mit einem federstrich bereinigen könnte. es ist billig über die auslegung eines gesetzes zu jammern, wenn ich es in der hand habe, das gesetz zu ändern. zu wenig behindertensprecher, zu viel ÖVP!